Papst Leo bei der Generalaudienz an diesem Mittwoch Papst Leo bei der Generalaudienz an diesem Mittwoch

Papst: Tätige Teilnahme an Liturgie führt zu tieferer Beziehung zu Gott

Leo XIV. hat die Gläubigen zur aktiven Beteiligung an der Liturgie ermuntert. Man dürfe der Liturgie nicht „wie Außenstehende oder stumme Zuschauer beiwohnen“, sondern solle „bewusst, fromm und tätig mitfeiern“, betonte der Papst bei der Generalaudienz im Petersdom, mit der er seine Katechesenreihe zur Liturgiekonstitution "Sacrosanctum Concilium" abschloss.

Silvia Kritzenberger – Vatikanstadt

In seiner abschließenden Katechese zur Liturgiekonstitution Sacrosanctum Concilium hat Leo XIV. die Gründe für die vom Zweiten Vatikanischen Konzil in den 1960er Jahren angestoßene Liturgiereform in den Blick genommen. Dabei stellte er vor allem einen Gedanken in den Mittelpunkt: Die Gläubigen sollen die Liturgie nicht als bloße Zuschauer erleben, sondern bewusst und aktiv am Gottesdienst teilnehmen.

Papst Leo grüßt die Gläubigen im Petersdom
Papst Leo grüßt die Gläubigen im Petersdom   (@Vatican Media)

Liturgie: Kein rein äußerliches Geschehen, sondern lebendige Beziehung mit Gott

Den Gedanken, dass die Liturgie nicht nur ein äußerliches Geschehen, sondern eine lebendige Begegnung mit Gott ist, habe schon der spätere heilige Papst Paul VI. betont.

„Die Liturgie ist Sprache. Sie ist einerseits ein Mittel der göttlichen Unterweisung, und andererseits die Stimme des Gesprächs mit Gott,“ zitierte Papst Leo seinen Vorgänger, der das Zweite Vatikanische Konzil am 8. Dezember 1965 abgeschlossen hat. „Es ist klar, dass sie auf ihre lehrende Funktion nicht verzichten kann – und sie muss dem Glauben und der Frömmigkeit auch die Möglichkeit geben, sich in einer unmittelbar verständlichen Weise auszudrücken. Die Gläubigen können und dürfen nicht länger stumm und passiv bleiben.“

Bei der Generalaudienz im Petersdom
Bei der Generalaudienz im Petersdom   (@Vatican Media)

Nicht Außenstehende und stumme Zuschauer sein

Dieser Gedanke findet sich später auch in Sacrosanctum Concilium. Die Konzilskonstitution fordere, dass Christen dem Gottesdienst nicht „wie Außenstehende und stumme Zuschauer“ beiwohnen. Vielmehr sollen sie durch die Riten und Gebete den Glauben immer tiefer verstehen und die liturgische Feier bewusst, fromm und tätig mitvollziehen.

„Durch die rituellen Handlungen der Kirche, mit denen das Heilswerk vergegenwärtigt wird, eröffnet sich die Möglichkeit, eine wahre Beziehung zu Gott zu leben und mit dem Heilsgeschehen in Beziehung zu treten. Da die Gesten und Worte der heiligen Liturgie für diese Erfahrung von entscheidender Bedeutung sind, kann die Teilnahme der Gläubigen nicht passiv sein,“ führte der Papst weiter aus.

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Damit habe das Konzil das Herzstück des kirchlichen Lebens neu ins Bewusstsein rücken wollen: die Liturgie als zentrale Quelle der Gemeinschaft mit Gott. Und daraus sei auch der Wunsch entstanden, den Gläubigen den Reichtum der Heiligen Schrift und der liturgischen Gebete leichter zugänglich zu machen und die Ordnung der Gottesdienste übersichtlicher zu gestalten.

Papst Leo an diesem Mittwoch
Papst Leo an diesem Mittwoch   (@Vatican Media)

Kein Bruch mit der kirchlichen Tradition

Papst Leo betonte, dass die Liturgiereform keineswegs einen Bruch mit der kirchlichen Tradition darstellen sollte. Die Liturgie sei eine lebendige Wirklichkeit und habe sich deshalb im Laufe der Jahrhunderte immer wieder weiterentwickelt.

„Bei dieser Erneuerung sollen Texte und Riten so geordnet werden, dass sie das Heilige, dem sie als Zeichen dienen, deutlicher zum Ausdruck bringen, und so, dass das christliche Volk sie möglichst leicht erfassen und in voller, tätiger und gemeinschaftlicher Teilnahme mitfeiern kann,“ brachte Papst Leo den Grund für die Liturgiereform auf den Punkt.

Mit Verweis auf die Neuordnung der Riten der Karwoche durch Pius XII. und die Vereinfachung der Rubriken des Breviers und des Messbuchs durch Johannes XXIII., der das Vatikanische Konzil 1962 eröffnet hat, betonte das Kirchenoberhaupt, dass „die vorangetriebene Liturgiereform in Kontinuität mit der lebendigen Tradition der Kirche“ steht und ein „rechtes Verständnis dieser Reform“ auch Fehlentwicklungen vermeiden könne, die aus einem Missverständnis der Konzilsreform entstanden sind.

In diesem Zusammenhang erinnerte der Papst abschließend noch daran, dass die liturgischen Handlungen „nicht privater Natur, sondern Feiern der Kirche sind, die das "Sakrament der Einheit" ist: „Sie ist nämlich das heilige Volk, geeint und geordnet unter den Bischöfen. Daher gehen diese Feiern den ganzen mystischen Leib der Kirche an, machen ihn sichtbar und wirken auf ihn ein.“

Am Rande der Generalaudienz
Am Rande der Generalaudienz   (@Vatican Media)

Jahrestag: Die Gelübde der polnischen Nation in Tschenstochau

In seinem Grusswort an die polnischen Pilger erinnerte der Papst an die von Kardinal Stefan Wyszyński verfassten Gelübde der polnischen Nation, die am 26. August 1956 erstmals im Marienwallfahrtsort Tschenstochau (Jasna Góra) von einer halben Million Katholiken gebetet wurden.

Wörtlich sagte der Pontifex:

„Im Geiste schließe ich mich all jenen an, die sich in Tschenstochau versammelt haben, wo heute, 70 Jahre später, die Gelübde der polnischen Nation erneuert werden, die Kardinal Stefan Wyszyński während seiner Gefangenschaft verfasst hatte. Das darin enthaltene Programm zur moralischen Erneuerung der Gesellschaft – durch den Schutz des menschlichen Lebens, die Förderung von Ehe und Familie sowie die Erziehung von Kindern und Jugendlichen – möge auch weiter euren Einsatz für Gerechtigkeit und Geschwisterlichkeit beseelen. Euch allen meinen Segen!”

Der selige Stefan Wyszyński verfasste die Gelübde der polnischen Nation am 16. Mai 1956; damals war der polnische Primas und ernannte Kardinal schon seit drei Jahren in Haft. Der Text zielt auf eine Erneuerung des Glaubens und der Kirche angesichts des atheistischen kommunistischen Regimes. Am 26. August 1956 wurden die Gelübde vor dem Gnadenbild der Muttergottes von Tschenstochau feierlich proklamiert - in Abwesenheit des Autors, an den nur ein leerer Sessel erinnerte. Erst im Oktober kam Wyszyński frei, und im Jahr darauf wurde er offiziell ins Kardinalskollegium aufgenommen.

(vaticannews – skr)

 

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26. August 2026, 12:32