Bei einem Treffen mit LCWR-Vertreterinnen im März 2026 im Vatikan Bei einem Treffen mit LCWR-Vertreterinnen im März 2026 im Vatikan  (@Vatican Media)

Papst ermutigt Ordensleute, „Experten für Synodalität“ zu sein

Papst Leo XIV. hat Ordensleute in Amerika dazu aufgerufen, ihre Gemeinschaften als Orte gelebter Synodalität zu verstehen und sich zugleich mit neuer Kraft um geistliche Berufungen und junge Menschen zu kümmern. Anlass für die Videobotschaft des Kirchenoberhaupts von diesem Mittwoch ist die 70-Jahr-Feier der US-amerikanischen Leadership Conference of Women Religious (LCWR).

Christine Seuss - Vatikanstadt

Zum 70. Gründungsjubiläum 2026 hat die LCWR ihre sonstige Versammlung von Ordensoberinnen zu einer größeren Zusammenkunft von Ordensfrauen und auch Ordensmännern aus den USA, Kanada und Lateinamerika erweitert. Sie findet vom 11. bis 14. August in Orlando, Florida, statt und steht unter dem Motto „Many Charisms, One Spirit, One Call“ (etwa: Viele Charismen, ein Geist, eine Berufung). Papst Leo wendet sich so in seiner Botschaft nicht nur an die Frauenorden, sondern an Ordensgemeinschaften allgemein.

„Gerade Menschen im Ordensleben sind dazu berufen, Experten für Synodalität zu werden“

Zum Nachhören

Besonders hebt Leo XIV. in seiner Botschaft die Erfahrungen hervor, die das Ordensleben für einen synodalen Lebensstil bietet. „Gerade Menschen im Ordensleben sind dazu berufen, Experten für Synodalität zu werden“, so Leo XIV. Das gemeinschaftliche Leben ermögliche es, Zuhören, Austausch und gemeinsame Unterscheidung konkret einzuüben. Zugleich verweist er auf die Strukturen der Ordensgemeinschaften selbst, die auf gemeinsamer Verantwortung und einem gemeinsamen Auftrag beruhten.

Mit Blick auf die Jubiläumsversammlung der LCWR zeigt sich der Papst erfreut, dass dort ausdrücklich mit einer „synodalen Form des Zuhörens, des Austauschs und der Unterscheidung“ gearbeitet werde. Er äußert die Hoffnung, dass die Teilnehmer durch diesen „geschwisterlichen und aufmerksamen Dialog“ erkennen könnten, „was der Heilige Geist über die Gegenwart und Zukunft des geweihten Lebens in den Ländern, in denen ihr wirkt, sagt“.

Ein Bild aus der Videobotschaft des Papstes
Ein Bild aus der Videobotschaft des Papstes

Die Charismen der Gründer lebendig halten

Leo XIV. betont zugleich den Reichtum der unterschiedlichen Charismen, die Ordensgemeinschaften in die Kirche einbringen. Sie hätten im Laufe der Geschichte dazu beigetragen, „die Sendung und das Geheimnis der Kirche in unserer Welt sichtbar zu machen“. Evangelisierung, Bildung sowie die Sorge für Arme und Ausgegrenzte nennt er ausdrücklich als wichtige Felder. Mit Blick auf das Leitwort der Versammlung – „Viele Charismen, ein Geist, eine Berufung“ – ermutigt er die Ordensleute, die besonderen Charismen ihrer Gründer und Gründerinnen lebendig zu halten. 

Auftrag für die Zukunft

Damit verbindet das katholische Kirchenoberhaupt auch einen Auftrag an die Zukunft: „Die Kirche braucht euch und die ganze Vielfalt und den Reichtum der Formen des geweihten Lebens und des Dienstes, die ihr repräsentiert“, so der Papst. Durch ihre „Vitalität und das Zeugnis eines auf Jesus ausgerichteten Lebens“ könnten Ordensleute dazu beitragen, „die Welt aufzuwecken“. Zugleich könnten sie der „Globalisierung der Gleichgültigkeit und der Ohnmacht“ mit der Liebe und Barmherzigkeit Christi begegnen.

„Heute gibt es trotz der zunehmenden Säkularisierung in der Welt zugleich einen wachsenden Hunger nach Gott“

Besonders eindringlich spricht Leo XIV. schließlich über die Förderung von Berufungen. Sie sei „von vitaler Bedeutung“, damit das geweihte Leben authentisch aufblühen könne. Der Papst erinnert daran, dass der Ruf Christi zu einem Leben in Armut, Keuschheit und Gehorsam „Freude, Frieden und Erfüllung“ schenken könne: „Heute gibt es trotz der zunehmenden Säkularisierung in der Welt zugleich einen wachsenden Hunger nach Gott“, stellt er fest.

Als Beispiel erinnert Leo XIV. auf seine jüngste Reise nach Spanien. Dort habe er erlebt, dass „viele junge Menschen und Erwachsene den christlichen Glauben neu entdecken, manchmal nachdem sie sich eine Zeit lang von Gott entfernt hatten“. Diese Offenheit gelte es aufzugreifen – gerade im Kontakt mit jungen Menschen.

Mut zu einer Antwort auf Jesus

An die Ordensleute richtet er deshalb einen konkreten Auftrag: „Wenn ihr (...) mit jungen Menschen in Kontakt kommt, versucht, Wege zu finden, ihnen eure Lebensform näherzubringen und ihnen zu helfen, die Stimme des Herrn zu hören, der in den Tiefen unserer Herzen zu uns spricht. Ermutigt sie, mutig auf Jesus zu antworten, der sich an Großzügigkeit niemals übertreffen lässt, damit auch sie die Freude erfahren, die daraus erwächst, seinem Ruf zu folgen.“

Auszüge aus der Videobotschaft

(vatican news)

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12. August 2026, 15:32