Zweimal weiß: Rechts vorne der Fastenprediger, links hinten Papst Leo Zweimal weiß: Rechts vorne der Fastenprediger, links hinten Papst Leo  (@Vatican Media)

Einkehrtage für die Kurie: „Zurück zum Wesentlichen“

Im Vatikan haben am Sonntagabend die diesjährigen Fastenexerzitien für die römische Kurie begonnen: die ersten in der Ära Leo XIV. Schauplatz ist die Paulinische Kapelle im Apostolischen Palast.

Unter zwei langen Fresken Michelangelos, die die Kreuzigung des Petrus und die Bekehrung des Paulus zeigen, kamen der Papst und die Spitzenkräfte der römischen Kurie zusammen, um zunächst das Stundengebet zu beten. Die Einkehrtage, die in ihrer heutigen Form Papst Paul VI. (1963-78) eingeführt hat, dauern bis zum 27. Februar und finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Weil die Paulinische Kapelle, die in unmittelbarer Nähe der Sixtinischen Kapelle liegt, relativ klein ist, wurde der Kreis der Teilnehmenden auf die Führungspersönlichkeiten der einzelnen vatikanischen Behörden sowie die in der Ewigen Stadt ansässigen Kardinäle beschränkt.

Unter den Fresken des Michelangelo

Leo XIV. nahm am Sonntag in der ersten Reihe neben Kardinal Leonardo Sandri Platz. Videobilder zeigten auch den Dekan des Kardinalskollegiums, den 92-jährigen Italiener Giovanni Battita Re, in der vordersten Sitzreihe, dahinter zahlreiche Kardinäle und Bischöfe. Der Einzige abgesehen von Papst Leo, der Weiß trug, war der vom Papst bestimmte Fastenprediger: Der norwegische Bischof Erik Varden gehört nämlich dem Trappistenorden an und trägt dementsprechend ein weißes Ordensgewand. (Wer allerdings nach „Trappisten Farbe“ googelt, erhält zur Antwort: „Goldgelb mit einer weißen Schaumkrone“. Damit ist, wie man dann schnell feststellt, das berühmte, von Trappisten gebraute Bier gemeint.)

Fastenexerzitien im Vatikan, mit Leo XIV.

„Der Friede Christi: kein Versprechen eines leichten Lebens, sondern die Voraussetzung für eine verwandelte Gesellschaft“

„Erleuchtet von einer verborgenen Herrlichkeit“: Diesen Titel hat Varden – der seit 2024 die Nordische Bischofskonferenz leitet und übrigens auch einmal für Radio Vatikan gearbeitet hat – dem Zyklus seiner Fastenpredigten gegeben. Zusammenfassungen seiner einzelnen Meditationen sollen im Lauf dieser Tage jeweils auf seiner Internetseite erscheinen. Zum Auftakt am Sonntagabend ließ sich Bischof Varden über den Frieden aus christlicher Sicht aus: Er sei „kein Versprechen eines leichten Lebens, sondern die Voraussetzung für eine verwandelte Gesellschaft“. Allerdings müsse „jeder Manipulation christlicher Begriffe  und Zeichen zu anderen Zwecken entschieden widersprochen“ werden.

In der Fastenzeit gehe es darum, „die Radikalität des christlichen Friedens, seine Verwurzelung im gerechten, mutigen Selbstopfer zu artikulieren und gleichzeitig uns selbst und andere an die Wahrheit der unsterblichen Worte des heiligen Johannes Klimakos zu erinnern: ‚Es gibt kein größeres Hindernis für die Gegenwart des Heiligen Geistes in uns als den Zorn‘ “.

  (ANSA)

Authentischer geistlicher Kampf

Die Fastenzeit, so Varden, konfrontiert uns mit dem Wesentlichen: „Sie versetzt uns in einen materiellen und symbolischen Raum, der vom Überflüssigen befreit ist. Die Dinge, die uns ablenken, auch die guten, werden vorübergehend beiseitegelegt“. Sie ist die Zeit eines authentischen geistlichen Kampfes, in dem die Kirche „die Aufforderung, Laster und schädliche Leidenschaften zu bekämpfen, nicht abschwächt: Ihre Sprache ist ‚Ja, ja’, ‚Nein, nein’, nicht ‚jetzt dies’, ‚jetzt das’“.

Am Montagvormittag ging Bischof Varden in seinen Betrachtungen auf das Denken des hl. Bernard von Clairvaux (1090-1153) ein; der hl. Zisterzienser und Kreuzzugsprediger war ein Verfechter der Reform des mönchischen Lebens, aus der nach seinem Tod der Trappistenorden hervorging. Varden charakterisierte Bernhard als quecksilbriges Temperament und verglich ihn in dieser Hinsicht mit Thomas Merton. Die Lehre des heiligen Zisterziensers zum Thema Bekehrung sei bis heute von großer geistlicher Bedeutung.

Bis zum 27. Februar finden täglich zwei Meditationen statt: um 9 Uhr morgens sowie um 17 Uhr nachmittags, gefolgt von der eucharistischen Anbetung und der Vesper. 

(vatican news – sk)

 

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Einkehrtage im Vatikan - ein paar Eindrücke
23. Februar 2026, 10:02