Symbolbild Künstliche Intelligenz (AI) Symbolbild Künstliche Intelligenz (AI)  (REUTERS)

Künstliche Intelligenz – Chance oder Gefahr? (2)

Sehr früh schon hatte Papst Franziskus mit Vatikanverantwortlichen über das seinerzeit noch kaum öffentlich wahrgenommene Thema der Künstlichen Intelligenz gesprochen. Das Ergebnis ist, dass die Kirche heute, nach Jahren der Beschäftigung mit dieser „neuen Grenze“ der Menschheit, eine auch von Tech-Riesen anerkannte Rolle bei der Auslotung von Chancen und Risiken hat. Mehr dazu, wie Papst Franziskus das Thema beackert hat, erfahren wir in der aktuellen zweiten Folge unserer Radioakademie.

„Ich glaube, es ist wichtig, dass die Kirche auch ganz konkret die Gefahren für Menschenbild, für Demokratie, für Glaube anspricht, auch die, die aus der Machtkonzentration, die diese Technologie ja letztendlich vorantreibt, entsteht.“

Das sagte uns der Jurist Paul Nemitz, einer der Zuarbeiter zum KI-Regelwerk der Europäischen Union („AI-Act“), das im August 2024 in Kraft getreten ist, mit Blick auf die Rolle der Kirche in der Diskussion um die neue Technologie.

Kirche sieht KI und Menschenwürde als zentrales Thema 

„Ich glaube, es ist wichtig, dass die Kirche auch ganz konkret die Gefahren für Menschenbild, für Demokratie, für Glaube anspricht, der auch die, die aus der Machtkonzentration, die diese Technologie ja letztendlich vorantreibt, entsteht.“

Dabei handelt es sich um eine Herausforderung, die die Kirche unter Papst Franziskus frühzeitig wahrgenommen und sich zu eigen gemacht hat. Schon lange bevor er sein mit großer internationaler Aufmerksamkeit wahrgenommenes Statement beim G7-Gipfel im italienischen Apulien im Juni 2024 abgegeben hat, hat er in Botschaften und Ansprachen deutlich gemacht, dass die Kirche das Thema als zentral erkannt hat und eine aktive Rolle bei der Diskussion darüber einnehmen möchte.

Hier ein Ausschnitt aus der heutigen Sendung zum Nachhören

Und auch eine seiner letzten Botschaften überhaupt handelte von Künstlicher Intelligenz, als er sich im Januar 2025 an die in Davos versammelten Entscheider wandte und sie aufforderte, die „nötige Sorgfalt und Wachsamkeit“ walten zu lassen, damit durch die Errungenschaften der Künstlichen Intelligenz das Gemeinwohl, die Gerechtigkeit und die Geschwisterlichkeit gefördert würden. Wie dies bei allen technologischen Neuerungen der Fall sei, würde auch die Künstliche Intelligenz Ungleichheiten oder Konflikte schaffen oder verstärken, sofern sie nicht allen zugutekäme – und könnte in diesem Fall auch nicht als wahrer Fortschritt bezeichnet werden, so die mahnende Stimme des Papstes aus Argentinien.

Verantwortung nicht von sich wegschieben

Doch auch in einer Botschaft für ein Forum, das sich Ende Februar 2025 in Lima, Peru, mit dem Zusammenhang zwischen Künstlicher Intelligenz und Sexuellem Missbrauch beschäftigte, warnte Papst Franziskus eindringlich vor dem Risiko, dass mit KI gesteuerte Systeme unsere Wahrnehmung der Realität auf vielfältige Weise verzerren können – durch Fake News oder Deepfake, aber noch auf andere Weise:

„Die Tatsache, dass unsere Hände diese Materialien nicht selbst gefertigt haben“, so Franziskus in seiner Botschaft für Lima, „kann den Eindruck erwecken, dass nicht wir es sind, die etwas schändliches ,tun‘: eine Person angreifen, ein Bild stehlen, die Idee oder ein Konzept eines anderen verwenden oder etwas Intimes zeigen, das eigentlich privat bleiben müsste. Doch das ist nicht wahr: die Maschine antwortet auf unsere Befehle, sie führt aus, aber sie entscheidet nicht eigenständig, wenn nicht innerhalb der Grenzen, für die sie programmiert worden ist.“

Auf die aufkommenden Herausforderungen früh reagiert 

Unermüdlich hat sich Papst Franziskus vor allem in den letzten Jahren seines Pontifikates für ein Thema eingesetzt, das er als wegweisend und bedeutend für die menschliche Entwicklung identifiziert hat. So widmete er seine Friedensbotschaft des Jahres 2024 dem Thema „Künstliche Intelligenz und Frieden“. Darin warnte er davor, in die „Spirale einer technologischen Diktatur zu geraten“, in der Ungleichheiten verschärft würden und wir nicht mehr in der Lage seien, in einer verzerrten Realität die analoge Wirklichkeit zu erkennen. Insbesondere war es ihm ein Anliegen, vor der Entwicklung und dem Einsatz tödlicher autonomer Waffensysteme zu warnen:

„Autonome Waffensysteme werden niemals moralisch verantwortliche Subjekte sein können: Die ausschließlich menschliche Fähigkeit zum moralischen Urteil und zur ethischen Entscheidungsfindung ist mehr als ein komplexer Satz von Algorithmen, und diese Fähigkeit kann nicht auf die Programmierung einer Maschine reduziert werden, die, wie „intelligent“ sie auch sein mag, doch immer eine Maschine bleibt. Aus diesem Grund ist es unerlässlich, eine sachgemäße, maßgebliche und kohärente menschliche Kontrolle der Waffensysteme zu garantieren“, schrieb der Papst in dieser Botschaft.

Aber auch, dass künstliche Intelligenz, wenn sie zur Förderung einer ganzheitlichen menschlichen Entwicklung eingesetzt würde, wichtige Innovationen in der Landwirtschaft, der Bildung und der Kultur, eine Verbesserung des Lebensstandards ganzer Nationen und Völker sowie das Wachstum der menschlichen Geschwisterlichkeit und der sozialen Freundschaft bewirken könnte. Letztlich, so Papst Franziskus, „ist die Art und Weise, wie wir sie nutzen, um die Geringsten einzubeziehen, d.h. unsere schwächsten und bedürftigsten Brüder und Schwestern, der Maßstab, der unsere Menschlichkeit aufzeigt.“

Alles auf CD und in unserer Sonntags-Sendung

Falls Sie alle Folgen der Radioakademien, die Sie besonders interessieren, in Ruhe nachhören möchten: Wir schicken Ihnen gerne nach Ausstrahlung aller Folgen der Radioakademie zur Künstlichen Intelligenz eine CD mit der ganzen Serie zu. Ihre Spende kommt dem kirchlichen Dienst von Radio Vatikan zugute. Bestellen können Sie die CD per Mail an: cd@vaticannews.de – unser Freundeskreis versendet aus Deutschland. Jeweils am Sonntagabend um 18 Uhr auf unserem Webradio-Kanal und um 20.20 Uhr über die traditionellen Ausstrahlungswege zu hören.

Mehr zum Freundeskreis

Vergelt‘s Gott an den Freundeskreis an dieser Stelle auch nochmals für das Engagement und die vielfältige Unterstützung unserer Arbeit. Wer mehr zum Verein „Freunde von Radio Vatikan“ wissen möchte: Der Verein ist als gemeinnützig anerkannt. Neben dem Vorsitzenden Ludwig Waldmüller sind Marco Chwalek und Hans-Werner Lichter ehrenamtlich im Vorstand, sie unterstützen uns zum Beispiel tatkräftig mit dem Druck, Verpacken und Versand der CDs mit unseren Radioakademien. Aber auch Postkarten und Gedenkbilder organisiert der Verein, der unsere Arbeit auf verschiedenste Weise unterstützt. Wer Mitglied werden möchte oder mehr wissen will: Am einfachsten ist es, Sie schreiben eine Mail an den Vorstand. Die Mail-Adresse lautet: vorstand@radiovatikan.de.

(vatican news)

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08. Februar 2026, 09:15