Kardinal Müller warnt Piusbrüder
In einem online veröffentlichten Interview sagte der aus Deutschland stammende Kardinal: „Die Exkommunikation wegen dieser schweren Straftat gegen die Einheit der sichtbaren Kirche bedeutet als Todsünde auch den Ausschluss vom Gnadenleben und der Gemeinschaft mit Gott und von der Anwartschaft auf das ewige Leben. Hoffentlich ist sich der Obere der Piusbruderschaft mit dem Kreis seiner Mitverantwortlichen dieses Zusammenhanges bewusst.“
Eine Bischofsweihe ohne ausdrückliche Erlaubnis des Papstes sei „mit nichts und von niemandem zu rechtfertigen“. Die Piusbrüder könnten sich nicht „auf einen Notstand herausreden“ - denn dass die Priestergemeinschaft ohne illegal geweihte Bischöfe nicht fortbestehen könne, stelle keinen solchen Notstand dar.
Eine Fortdauer der Kirche bis zum Ende der Geschichte habe Jesus Christus nur der universalen Kirche verheißen: „Was Gott den Piusbrüdern angesichts des fortgeschrittenen Alters ihrer beiden verbliebenen Bischöfe sagen will, ist dies, von dem falschen Weg der Distanzierung zur Kirche und der Selbstisolierung im Kreis der Gleichgesinnten umzukehren und sich vertrauensvoll den Dispositionen des Nachfolgers Petri anzuvertrauen, dem der Herr der Kirche persönlich die Leitung seiner Herde übertragen hat.“ Müller ergänzte, mit Papst Leo XIV. sei gewiss „eine gute und gerechte, aber auch dogmatisch tragfähige Lösung“ zu finden.
Nicht viel Spielraum
Viel Spielraum für Papst Leo XIV., um den Piusbrüdern erneut entgegenzukommen, erkennt Müller nicht mehr: „Die Einheit der Kirche kann nicht um den Preis der Wahrheit mit bloß diplomatischer Geschicklichkeit erkauft werden“, betonte er. „Auf keinen Fall“ könne sich die Kirche eine Fehlinterpretation des Zweiten Vatikanums abringen lassen. Müller sagte, wer dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) schwerwiegende Irrtümer im Glauben andichte, irre.
Den Versuch, verschiedene Texte des Konzils als unterschiedlich verbindlich darzustellen, um den Piusbrüdern eine Brücke zu bauen, lehnt Müller ab. Ein Ökumenisches Konzil sei die höchste Autorität in der katholischen Kirche in Fragen des Glaubens und auch der Disziplin. Auch die Aussagen des Dokuments „Nostra aetate“, die von der Piusbruderschaft kritisiert werden, seien „verbindlich wie ein Dogma“. Das Konzil müsse „mit seiner ganzen Lehre von jedem Katholiken angenommen werden“.
Liturgische Missstände
Im Hinblick auf die Verteidigung der vorkonziliaren Messform durch die Piusbruderschaft erklärte Müller, die Gemeinschaft habe „alles Recht“, liturgische Missstände anzuprangern. Als Beispiele nannte der Kardinal „Fastnachtsmessen oder atheistische Regenbogenfahnen im Altarraum“. Doch bleibe diese Kritik unfruchtbar, wenn sie vom „moralischen Podest der Selbstgerechtigkeit“ herunter geäußert werde. Ein wahrer Katholik lebe in Einheit mit dem Papst und den Bischöfen, so Müller: „Ins Schisma begibt sich jeder selbst durch die freie Entscheidung, die Autorität des Papstes theoretisch und praktisch nicht anzuerkennen.“
(kna – sk)
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