Kardinal de Mendonça Kardinal de Mendonça 

Welttag der Poesie: Kardinal über das Verhältnis von Lyrik und Frieden

Zum Welttag der Poesie hat Kardinal José Tolentino de Mendonça, Präfekt des Dikasteriums für Kultur und Bildung, die Relevanz der lyrischen Sprache für die gegenwärtige Gesellschaft hervorgehoben. In einem Gespräch mit den vatikanischen Medien definierte der Geistliche und Lyriker die Poesie als eine Form des Zuhörens, die aus der Stille entstehe und eine pädagogische Funktion für den Frieden einnehme.

Eugenio Murrali und Mario Galgano - Vatikanstadt

Ein zentraler Aspekt der Ausführungen de Mendonças ist das Spannungsfeld zwischen menschlicher Kreativität und digitaler Standardisierung. Er bezog sich dabei auf den Apostolischen Brief Disegnare nuove mappe di speranza („Neue Karten der Hoffnung zeichnen“) von Papst Leo XIV. aus dem Jahr 2025. Darin wird festgestellt, dass Algorithmen jene Elemente, die menschliche Bildung ausmachen – Poesie, Ironie, Kunst und die Imagination –, nicht ersetzen können.

De Mendonça präzisierte diesen Gedanken: Während der Algorithmus auf der Wiederholung vergangener Schritte basiere und ein „mechanischer Mechanismus“ sei, öffne die Poesie den Weg zum noch Unentdeckten. „Der Algorithmus spricht immer von gestern, die Poesie hat einen Pakt mit der Zukunft“, so der Kardinal. Die Suche nach dem „ungesagten Wort“ stelle ein menschliches Kapital dar, das den Einzelnen vor der Gefahr bewahre, die Fähigkeit zur Begegnung und zum potenziellen Werden zu verlieren.

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Spirituelle Dimension und Entschleunigung

Die Poesie wird vom Präfekten als eine Form der „spirituellen Erziehung“ beschrieben. Er erinnerte an Beobachtungen von Papst Franziskus, wonach die westliche Gesellschaft von östlichen Kulturen lernen könne, die Dinge „poetisch zu betrachten“. Dies umfasse eine neue Aufmerksamkeit für Langsamkeit, Verehrung und die Sakralität des Alltags. Die Poesie biete hierfür „entwaffnete Worte“, die durch Überraschung wirken und so die Kunst des Friedens vorbereiten.

In diesem Zusammenhang verwies de Mendonça auf Persönlichkeiten wie den portugiesischen Dichter Fernando Pessoa oder den Theologen John Henry Newman. Newman habe betont, dass jede Generation das Erbe der Vergangenheit verarbeiten und in eine verantwortungsvolle Gestaltung der Welt transformieren müsse. Literatur und Poesie seien hierfür notwendige Bildungsressourcen.

Universalität statt Abgrenzung

Ein weiteres Merkmal der Poesie sei ihre Fähigkeit, Grenzen zu überschreiten. Bezugnehmend auf David Maria Turoldo erläuterte de Mendonça, dass Frieden das „Wir“ lehre und das Menschliche als gemeinsames Erbe betrachte. Die Poesie fungiere als ein „Speicher der Menschheit“.

Abschließend betonte der Kardinal die Bedeutung der Stille für die Entstehung poetischer Sprache. Ein Wort, das in der Stille gegründet sei, bewahre die Offenheit für die Suche und die Wahrheit, ohne diese aufzuerlegen. Die Poesie sei somit ein Wort, „das warten kann“ und jedem Menschen Raum zur Teilhabe biete.

(vatican news)

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21. März 2026, 11:07