Der Workshop an der Gregoriana in Rom Der Workshop an der Gregoriana in Rom 

Hochrangige Konferenz mit Vatikan-Vertretern zu KI in der Arbeitswelt

In ihrer Grundsatzrede bei der Veranstaltung „The AI and the Future of Work“ am Dienstag in Rom betonte Schwester Raffaella Petrini, Präsidentin des Governatorats des Staates Vatikanstadt, dass „die Zukunft der Arbeit nicht in Maschinen liegt, sondern in den moralischen Entscheidungen der Menschheit“. Zugleich wies sie darauf hin, dass wir künstliche Intelligenz zwar nicht fürchten, sie aber auch nicht einfach hinnehmen sollten. Auch der KI-Experte P. Benanti nahm teil.

Petrinis Vortrag war Teil eines hochrangigen Gesprächs zum Thema „KI und die Zukunft der Arbeit“, das am Dienstagvormittag an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom stattfand. Diese Veranstaltung wurde von der US-Botschaft beim Heiligen Stuhl einberufen und von einigen Botschaftern beim Heiligen Stuhl gemeinsam mit der Georgetown University, dem Catholic Institute of Technology und dem Leonum Institute for AI & Emerging Technology der Katholischen Universität gesponsert.

In diesem Raum hatten führende Stimmen die Möglichkeit über die Grenzen der künstlichen Intelligenz, die Zukunft der Arbeit und unsere gemeinsame Verantwortung für die Gestaltung dieser Zukunft zu diskutieren. Dazu gehörten Technologieentwickler, Theologen, Ethiker, politische Entscheidungsträger, Wissenschaftler und Vertreter der Zivilgesellschaft.

Regierungen seien gefordert, den Einsatz von KI zu regulieren und Bildungseinrichtungen sollten Kompetenzen vermitteln, sagte sie den vatikanischen Medien am Mittwoch. Dazu gehöre auch der kritische und verantwortungsvolle Umgang eines jeden Einzelnen.

Die Ordensfrau und Sozialwissenschaftlerin Petrini sprach von der „transformativen Kraft" der KI, gleichzeitig aber bringe sie Risiken für die Arbeitswelt mit sich. Es gelte daher, Entscheidungen zu treffen, die sicherstellen, dass Technologie dem Menschen diene, so die Präsidentin des Governatorates. Dies gelte besonders für die Arbeitswelt. Die Entwicklung von KI hänge ebenfalls von moralischen Entscheidungen ab.

„Technologie ist dazu da, dem Menschen zu dienen, nicht ihn zu ersetzen“

Mit Blick auf konkrete Auswirkungen der KI auf Arbeitsplätze verwies die Sozialwissenschaftlerin auf Studien der Internationalen Arbeitsorganisation, wonach Digitalisierung und Automatisierung die Sicherheit am Arbeitsplatz verbessern können. Die Veränderungen am Arbeitsmarkt würden neue Chancen schaffen, aber auch Formen der Ausgrenzung erzeugen. Deshalb sei ein verantwortungsvoller Einsatz unerlässlich.

Die Chefin des Vatikanstaats forderte in diesem Zusammenhang eine bewusste Gestaltung des technologischen Fortschritts. „Technologie ist dazu da, dem Menschen zu dienen, nicht ihn zu ersetzen", sagte Petrini und rief zu einer Allianz zwischen Mensch und Technologie auf.

KI am Arbeitsplatz

Als einer der auch im Vatikan gern gehörten Experten für dieses Phänomen befasste sich bei der Konferenz P. Paolo Benanti von der Päpstlichen Universität Gregoriana mit der theologischen Sichtweise und der Würde der Arbeit. So betonte er im Gespräch, dass „der Wandel in der Arbeitswelt auch eine Veränderung in der Betrachtung der Menschenwürde mit sich bringt“ und erinnerte an das christliche Prinzip, dass ein Mensch durch das definiert werde, was er sei, und nicht durch das, was er produziere.

Circa 65 Prozent der Beschäftigten freuten sich darauf, KI am Arbeitsplatz einzusetzen, so eine Gartner-HR-Umfrage aus dem Jahr 2025. Gleichzeitig gebe es aber auch Angst vor dem Verlust von Arbeitsplätzen, Ungenauigkeit, mangelnder Transparenz und Datensicherheit. Dazu sagte Benanti, „dass wir Technologie nicht ablehnen, sondern als Ergänzung betrachten sollten und Arbeitnehmer nicht auf Kostenvariablen reduzieren dürfen“. Weiter führte er aus, dass der Mensch mit seiner innewohnenden Würde weiterhin im Mittelpunkt stehen müsse.

Paolo Benanti auf einem Archivfoto
Paolo Benanti auf einem Archivfoto

Die Menschenwürde

„Für die Kirche ist dies ein seit langem geführtes Thema, denn mit der industriellen Revolution haben wir gesehen, dass der Wandel in der Arbeitswelt auch eine Veränderung in der Betrachtung der Menschenwürde mit sich bringt“, so Benanti gegenüber Vatican News. „Der Beitrag der Kirche bestehtr darin, die Menschenwürde zu bewahren und zu schützen“.

Denn genau in diesem Wandel „sehen wir uns heute mit einer weiteren gewaltigen Kraft […] konfrontiert: der künstlichen Intelligenz. Das ist nicht einfach ein Automatisierungsprozess, sondern etwas, das in gewisser Weise alles für immer verändert“, erklärte er. „Besonders beschäftigt die Kirche die Vorstellung, dass es in der Arbeitswelt möglicherweise überflüssige Menschen geben könnte. Damit einher geht die zentrale Frage, wie die Menschenwürde und die Entfaltung des Menschen im Zeitalter der KI gewahrt werden kann“.

„Das ist nicht einfach ein Automatisierungsprozess, sondern etwas, das in gewisser Weise alles für immer verändert“

Er äußerte sich ebenfalls dazu, wie er Papst Leo XIV. in diesem Kontext wahrnehme: „Er hat sich ganz klar als jemand präsentiert, der diesen Namen gewählt hat, weil er durch die Veränderungen im Zusammenhang mit dem Aufkommen der künstlichen Intelligenz angeregt wurde.“ Diese Veränderung und das Handeln des Papstes seien als ein sich entwickelndes Lehramt zu betrachten, das langsam Gestalt annehme. Es sei angeregt durch die Herausforderungen der Gesellschaft als auch durch das Licht des Evangeliums. Somit sei es „ein fortlaufender Prozess, der wahrscheinlich das gesamte Pontifikat begleiten und ihm einen Charakter verleihen wird“, schloss Benanti ab. 

(vatican news/kna - dcl/nm)

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.

06. Mai 2026, 13:04