Vatikan digitalisiert Fotoarchiv von Johannes Paul II.
Lorenzo De Cesaris und Silvia Kritzenberger – Vatikanstadt
Das Projekt wurde am 8. Juli in der Sala Marconi des Dikasteriums vorgestellt und ist Teil eines umfassenden Digitalisierungsprogramms, das die Technologische Direktion bereits 2023 begonnen hat.
Ein einzigartiges visuelles Erbe
Wenn Technologie das Sichtbare bewahrt, kommt den Menschen die Aufgabe zu, das Unsichtbare – die Erinnerung – lebendig halten. Kaum ein Pontifikat hat das kollektive Bildgedächtnis der Gegenwart so nachhaltig geprägt wie das von Karol Wojtyła. Nahezu drei Jahrzehnte lang begleiteten Fotografien seinen Dienst als Papst und hielten historische Begegnungen, Reisen und entscheidende Momente der Kirchengeschichte fest.
Um dieses außergewöhnliche visuelle Erbe dauerhaft zu sichern und für die kommenden Generationen zu bewahren, hat das Dikasterium für die Kommunikation im Vatikan einen umfassenden Prozess der Archivierung und Restaurierung auf den Weg gebracht.
27 Jahre Pontifikat in Millionen Bildern
Das Archiv dokumentiert das 27 Jahre lange Pontifikat des hl. Johannes Paul II. in einer einzigartigen Dichte. Es umfasst nicht nur die Bilder von 104 Apostolischen Reisen und 146 Pastoralbesuchen, sondern auch zahllose Audienzen, liturgische Feiern und Begegnungen mit Menschen aus aller Welt. Insgesamt sind mehr als 4,7 Millionen Fotografien erhalten geblieben – ein beeindruckendes Zeugnis eines Pontifikats von außergewöhnlicher internationaler Präsenz.
Die enorme Zahl der Aufnahmen zeigt auch die wachsende Bedeutung der Fotografie für die weltweite Vermittlung des päpstlichen Wirkens in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts.
Vom kleinen Fotostudio zum historischen Archiv
Die Anfänge des Archivs reichen bis ins Jahr 1977 zurück. Um den steigenden Bedarf der Vatikanzeitung L’Osservatore Romano zu decken, entstand damals ein provisorisches Fotostudio in zwei kleinen Räumen, von denen einer sogar unter einer Treppe eingerichtet worden war. Aus diesen bescheidenen Anfängen entstand im Laufe der Jahre eines der bedeutendsten fotografischen Archive der jüngeren Kirchengeschichte.
Restaurieren, digitalisieren und zugänglich machen
Das Projekt umfasst mehrere aufeinander abgestimmte Arbeitsschritte: Zunächst werden die fotografischen Negative digital erfasst und wissenschaftlich katalogisiert. Anschließend erfolgt eine editorische Auswahl der Bilder, bevor das Originalmaterial fachgerecht restauriert, neu gelagert und dauerhaft gesichert wird. Wo erforderlich, werden konservatorische Maßnahmen ergriffen, um beschädigte Negative zu erhalten.
An dem Vorhaben beteiligt sind neben besagtem Dikasterium der langjährige Vatikanfotograf und Kurator Francesco Sforza, der bereits die Pontifikate von Paul VI. bis Leo XIV. fotografisch begleitet hat. Unterstützt wird das Projekt auch von dem renommierten Restaurierungszentrum Immagine Ritrovata der Cineteca di Bologna, das die wissenschaftliche Koordination und Restaurierung übernimmt, sowie Bucap, dessen Digitalisierungstechnologie für die technische Umsetzung eingesetzt wird.
Im digitalen Zeitalter die Erinnerung bewahren
Das Projekt besitzt über die technische Digitalisierung hinaus auch eine große symbolische Bedeutung. Paolo Ruffini, Präfekt des Dikasteriums für die Kommunikation, bezeichnete es als „Ausdruck des Übergangs von der analogen zur digitalen Welt“. In einer Zeit, in der Bilder das kulturelle Gedächtnis prägen, bestehe die Gefahr, dass Erinnerungen ohne visuelle Zeugnisse verblassen. Ruffini betonte auch, dass moderne Technologie niemals losgelöst von menschlicher Erfahrung und Intelligenz eingesetzt werden dürfe. Gerade in der Fotografie bleibe der Blick des Menschen unersetzlich. Die Bewahrung des Wirkens derer, die uns vorausgegangen sind, sei wichtig, weil die Zukunft mit dem Blick auf die Vergangenheit aufgebaut werde.
Ein einzigartiges digitales Gedächtnis der Kirche
Mit der Digitalisierung des Fotoarchivs von Johannes Paul II. entsteht ein einzigartiges digitales Gedächtnis der Kirche. Millionen von Bildern, die eine ganze Epoche geprägt haben, werden künftig nicht nur dauerhaft gesichert, sondern auch Forschern, Medien und Interessierten weltweit zugänglich gemacht – als lebendiges Zeugnis eines Pontifikats, das die Geschichte der katholischen Kirche nachhaltig geprägt hat.
(vaticannews – skr)
Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen..