Schismatischer Akt: Die Piusbruderschaft hat am Mittwoch trotz des päpstlichen Verbots vier Bischöfe geweiht Schismatischer Akt: Die Piusbruderschaft hat am Mittwoch trotz des päpstlichen Verbots vier Bischöfe geweiht  (AFP or licensors) Leitartikel

Der Schmerz eines Bruchs

Schismatischer Akt und Exkommunikationen latae sententiae

Andrea Tornielli *

Es ist ein schmerzlicher Tag, an dem das Dekret veröffentlicht wird, das die Exkommunikation feststellt: Ihr sind die beiden Lefebvrianer-Bischöfe de Galarreta und Fellay sowie die vier neu geweihten Bischöfe genau in dem Moment, als ihnen die Hände aufgelegt wurden, automatisch verfallen.

Viele weisen jetzt zu Recht auf den offensichtlichen Widerspruch in der Priesterbruderschaft St. Pius X. hin. In formellen Erklärungen behauptet sie, die Legitimität und Autorität des Nachfolgers Petri, Leo XIV., anzuerkennen, ihn zu lieben und für ihn zu beten. In der Praxis – und Taten zählen immer mehr als Worte! – wurden sein klarer Wille, seine wiederholten Appelle und seine Aufforderung, die schismatischen Weihen nicht durchzuführen, in keiner Weise berücksichtigt.

„Der eigentliche Kernpunkt ist, was Tradition ausmacht und vor allem, wer sie bewahren soll“


Man mag in diesen Tagen an die Worte des heiligen Pius X. denken, jenes Papstes also, nach dem die Bruderschaft benannt ist. Er sagte im Jahr 1912: „Wie soll man den Papst lieben? Nicht mit Worten oder mit der Zunge, sondern mit Taten und in der Wahrheit. … Um dem Papst seine Liebe zu erweisen, muss man ihm gehorchen. Wenn man also den Papst liebt, diskutiert man nicht darüber, was er anordnet oder verlangt, oder wie weit der Gehorsam reichen soll und in welchen Dingen man gehorchen muss.“ Es ist paradox, dass die Traditionalisten den Ritus für unantastbar halten, sich aber eine Formel ausdenken, um das Fehlen eines wesentlichen Elements bei jeder katholischen Bischofsweihe zu ersetzen: den Auftrag des Papstes.

Der eigentliche Kernpunkt ist jedoch ein anderer. Und er hat nichts mit der Messe im vorkonziliaren Ritus (fälschlicherweise als „lateinische Messe“ bezeichnet) zu tun, da es den Gläubigen, die dieser liturgischen Form verbunden sind, nach wie vor gestattet ist, sie in voller Gemeinschaft mit Petrus zu feiern. Der eigentliche Kernpunkt ist, was Tradition ausmacht und vor allem, wer sie bewahren soll, indem er unser Verständnis der Tradition unter der Inspiration des Heiligen Geistes vertieft. Wenn die Tradition zu einem ideologischen System erstarrt; wenn man sich das Recht anmasst, ein Konzil zu beurteilen, das von zwei heiligen Päpsten geleitet wurde und an dem dreitausend Bischöfe aus aller Welt teilnahmen und das Dokumente verkündet hat, die nahezu einstimmig verabschiedet wurden; wenn man verlangt, dass der Nachfolger Petri und die gesamte katholische Kirche die theologischen Ideen einer bestimmten Gruppe akzeptieren und sich zu eigen machen müssen, dann liegt darin ein tiefer Widerspruch.

„In der Kirche gibt es durchaus Platz für die Gläubigen, die der alten Liturgie verbunden sind“


Vor allem gibt es da etwas, das meilenweit vom katholischen Glauben entfernt ist: Sein Geheimnis besteht ja (wie der grosse Schriftsteller Vittorio Messori gerne sagte, der am vergangenen Karfreitag verstorben ist und sich so sehr für die Rückkehr der Piusbrudrschaft in die volle Gemeinschaft eingesetzt hatte) im „et et“ (lat., sowohl als auch), nicht im „aut aut“ (lat., entweder oder).

In der Kirche gibt es durchaus Platz für die Gläubigen, die der alten Liturgie verbunden sind; Platz für Diskussionen; Platz dafür, die Dokumente neu zu lesen und sie zu interpretieren. Allerdings keinen Platz dafür, über den Papst zu richten und ihm ungehorsam zu sein, indem man Handlungen begeht, die die Einheit des „mystischen Leibes“ Christi, der Kirche also, beschädigen; und schon gar keinen Platz dafür, eine parallele Hierarchie zu schaffen, entgegen dem ausdrücklichen Verbot dessen, zu dem Jesus gesagt hat: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen“.

* Andrea Tornielli ist Chefredakteur der vatikanischen Medien.

(vatican news)

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02. Juli 2026, 15:57