Passanten im Einkaufsviertel Ameyoko in Tokio Passanten im Einkaufsviertel Ameyoko in Tokio 

Japan: Mehr Meldungen von Kindesmissbrauch

Kindesmissbrauch wird in Japan offensichtlich zunehmend bei der Polizei gemeldet. Laut Behörden spiegelt dies ein größeres öffentliches Bewusstsein für das Thema wider. 2023 gab es einen größeren Anstieg von Meldungen.

Einem Medienbericht zufolge wurden der Polizei in Japan im Jahr 2023 eine Rekordzahl von Fällen von Kindesmissbrauch gemeldet. So seien 122.806 Fälle registriert worden, berichtete die japanische Tageszeitung „Asahi Shimbun“ diese Woche. Das seien 6,1 Prozent mehr als im Vorjahr 2022 (115.745 Fälle).

Die meisten der Fälle (70 Prozent) betrafen laut Bericht im Jahr 2023 psychischen Missbrauch und häusliche Gewalt, die von Kindern miterlebt wurde. Diese Art von Missbrauch sei um 6,8 Prozent gestiegen (von 84.982 auf 90.761). Um 4,2 Prozent stiegen Fälle körperlicher Misshandlung (von 20.652 auf 21.520), Meldungen über Fälle sexuellen Missbrauchs gingen leicht zurück.

Die Zahl der Missbrauchsfälle, an denen Eltern und Erziehungsberechtigte beteiligt waren, sei 2023 um 9,4 Prozent gestiegen (von 2.180 in 2022 auf 2.385 in 2023). Hier wurden vor allem körperlicher und an zweiter Stelle sexuelle Missbrauch angeführt. Laut dem Bericht hat sich die Zahl der Fälle, bei denen Eltern oder Erziehungsberechtigte Täter sind, in den letzten zehn Jahren verfünffacht.

Der Missbrauch von Minderjährigen hat in Japan seit 2004, als die Aufzeichnungen begannen, stetig zugenommen, gab die Polizei laut dem Bericht an. Der „stetige Anstieg der Meldungen spiegelt ein größeres öffentliches Bewusstsein wider und zeigt an, dass Nachbarn eher bereit seien, den Behörden mutmaßlichen Missbrauch zu melden“, so die Behörde.

Skandal um Johnny Kitagawa

Die Dunkelziffer von Missbrauchsfällen in Japan dürfte noch höher sein, denn oftmals werden Missbrauchsfälle überhaupt nicht gemeldet. Ein Anstieg der Meldungen lässt nur begrenzt Rückschlüsse auf die realen Missbrauchszahlen zu, kann aber auf ein wachsendes Problembewusstsein in der Bevölkerung hinweisen.

2023 wurde die japanische Öffentlichkeit durch einen Missbrauchsskandal erschüttert, der einen populären Medienmogul betraf. Ein Bericht belegte, dass Johnny Kitagawa, bekannt für die Gründung zahlreicher Boybands in Japan, seit 1970 jahrzehntelang und systematisch sexuellen Missbrauch an Jungen beging. Vorwürfe gegen ihn wurden erst 2023, vier Jahre nach seinem Tod, öffentlich bestätigt. Erst nach einer BBC-Dokumentation kam in Japan die Medienberichtertstattung zu dem Fall in Gang.

(ucanews/vatican news – pr)
 

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15. Februar 2024, 15:17