Wahlkampfveranstaltung in Dhaka Wahlkampfveranstaltung in Dhaka  (ANSA)

Bangladesch: Angst vor Repressalien gegen Minderheiten

Führende Vertreter von Minderheiten sind alarmiert über Berichte, nach denen es im Vorfeld der nationalen Wahlen vom 12. Februar gezielte Angriffe auf Angehörige von Minderheiten gegeben hat.

Das „Bangladesh Hindu Buddhist Christian Unity Council“ (BHBCUC), ein Verband von Minderheiten, weist darauf hin, dass die Millionen Angehörigen von Minderheiten im Land weiterhin Angst haben und möglicherweise davon abgehalten werden, an den Wahlen teilzunehmen, wenn sich die Lage nicht verbessert. Bei einer Pressekonferenz in der Hauptstadt Dhaka kritisierten Vertreter des Rates die Regierung dafür, dass sie Angriffe auf Minderheiten als politisch motiviert und nicht als konfessionell bedingt einstuft.

Die Übergangsregierung unter dem Nobelpreisträger Professor Muhammad Yunus erklärte letzte Woche in einer Stellungnahme, dass die Polizei im vergangenen Jahr 645 Vorfälle von Angriffen auf Minderheiten, vor allem Hindus, registriert habe. Von diesen Angriffen seien nur 71 „gemeinschaftlich motiviert” gewesen, darunter Angriffe auf Häuser und religiöse Kultstätten. Der Rat wies in einer schriftlichen Erklärung den Regierungsbericht zurück und erklärte, dass dieser Morde, sexuelle Gewalt und Landenteignungen, die sich gegen Minderheiten richteten, völlig ignoriere.


Vor allem die Hindus machen sich Sorgen

„Im Jahr 2025 wurden landesweit mindestens 522 Vorfälle gemeinschaftlicher Gewalt gemeldet, darunter Morde, Vergewaltigungen, Angriffe auf Kultstätten, Landenteignungen und die Zerstörung von Häusern und Geschäften von Minderheiten”, heißt es in der Erklärung. Allein im Januar habe es insgesamt 42 Gewaltvorfälle gegen Minderheiten gegeben. Der Anwalt und Politiker Subroto Chowdhury sprach von wachsender Angst bei Minderheiten, vor allem unter den Hindus. Sie stellen die größte Minderheitengruppe in dem mehrheitlich muslimischen Land mit etwa 170 Millionen Einwohnern. „Im Grunde genommen sind Wahlen für Minderheiten zu einer Art Folter geworden“, sagte Chowdhury, ein Hindu, gegenüber der Nachrichtenagentur ucanews.

„Minderheiten wollen wählen und sind dazu bereit, aber alles hängt von der Sicherheit der Wahllokale ab“


Pater Liton Gomes, Sekretär der Kommission für Gerechtigkeit und Frieden der katholischen Bischöfe, sagte, das Fehlen eines wirksamen Systems für Recht und Ordnung, der Anstieg des religiösen Extremismus und die Straffreiheit bei Selbstjustiz hätten zu erhöhter Angst unter den Minderheiten beigetragen. „In ganz Bangladesch herrscht Angst und Unsicherheit darüber, was während der Wahlen passieren wird“, so Pater Gomes. Viele Wähler aus Minderheiten seien sich unsicher, ob sie die Wahllokale überhaupt sicher erreichen können. „Minderheiten wollen wählen und sind dazu bereit, aber alles hängt von der Sicherheit der Wahllokale ab“, fügte er hinzu.

Etwa 90 Prozent der Bevölkerung Bangladeschs sind Muslime, etwa acht Prozent Hindus; der Rest gehört anderen Glaubensrichtungen an, darunter dem Buddhismus und dem Christentum. Bei früheren Wahlen kam es zu Dutzenden von Angriffen auf Minderheiten, vor allem Hindus, die zu Todesfällen und Vertreibungen führten.

(ucanews – sk)
 

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02. Februar 2026, 12:07