Eine Messe in Gaza-Stadt - diese und die übrigen Aufnahmen dieses Artikels sind vom September letzten Jahres Eine Messe in Gaza-Stadt - diese und die übrigen Aufnahmen dieses Artikels sind vom September letzten Jahres 

Gaza: „Der Krieg ist noch nicht vorbei“

Trotz nachlassender Medienaufmerksamkeit bleibt Gaza in einer schweren humanitären und gesundheitlichen Krise. Das berichtet der katholische Pfarrer Gabriel Romanelli gegenüber dem internationalen katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“.

Die Lage sei im gesamten Gazastreifen weiterhin schlimm, so der aus Argentinien stammende Pfarrer der einzigen katholischen Gemeinde von Gaza. Zwar hätten die massiven Bombardierungen aufgehört, doch die Gewalt sei nicht verschwunden. „Die Bombardierungen gehen weiter, vor allem hinter der sogenannten Gelben Linie: Es gibt weiterhin Zerstörungen von Häusern, Tote und Verletzte.“ Die Gelbe Linie markiert die während des Waffenstillstands vom Oktober 2025 festgelegte militärische Grenze, die die von Israel kontrollierten Gebiete im Osten und Süden von dem von der Hamas kontrollierten Gebiet im Westen trennt. In diesem Gebiet, das weiter von der Hamas kontrolliert wird, befindet sich die Pfarrei der Heiligen Familie in Gaza-Stadt, die zum Lateinischen Patriarchat von Jerusalem gehört.

Weiterhin großes Leid

„Der Krieg ist noch nicht vorbei, auch wenn die Medien etwas anderes nahelegen“, betont der Pfarrer von Gaza. Tausende Menschen litten weiterhin, und die Zeichen der Hoffnung, die er wahrnehme, seien schwach: Die Grenzen seien geschlossen, die Strom- und Trinkwasserinfrastruktur sei zerstört, so dass Wasser oft unzureichend aufbereitet, schlecht gelagert oder während Transports und Verteilung kontaminiert werde, was die Ausbreitung von Krankheiten begünstige.

„Die 2,3 Millionen Bewohner Gazas müssen zumindest über minimale humanitäre Bedingungen verfügen, um ihr Leben wieder aufbauen zu können“


„Es ist absolut notwendig, dass der Krieg beendet wird. Es scheint jedoch, dass niemand auf der Welt wirklich wirksam dafür kämpft. Die 2,3 Millionen Bewohner Gazas müssen zumindest über minimale humanitäre Bedingungen verfügen, um ihr Leben wieder aufbauen zu können. Es gibt viele Kranke und Verletzte, die keinen Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung haben oder darauf warten, die Enklave verlassen zu können, um behandelt zu werden, da das Gesundheitssystem inexistent ist.“

Die Lage der Kinder sei besonders alarmierend. Nach Angaben von Unicef, die der Pfarrer von Gaza zitiert, sind seit Beginn des Waffenstillstands 100 Kinder aus Gaza gestorben, das ist fast ein Kind pro Tag. „Sie sind nicht eines natürlichen Todes gestorben“, präzisiert er und verweist auf die Bombardierungen, aber auch auf Kälte und unhygienische Lebensbedingungen. Der Großteil der Bevölkerung lebe heute in Zelten, wo sie Feuchtigkeit sowie einem besonders regnerischen und harten Winter ausgesetzt seien. „Atemwegs- und Verdauungskrankheiten nehmen zu. Wir sind alle krank geworden, und das mehr als einmal“, sagt der Priester, der kürzlich selbst von einer schweren Grippe heimgesucht wurde. „Hier werden Epidemien durch den Mangel an Heizung, angemessenen Unterkünften und Medikamenten noch verschärft.“

Die meisten Gebäude sind zerstört oder instabil


Die sintflutartigen Regenfälle hätten die Situation verschlimmert und zum Einsturz von Gebäuden geführt. „Die meisten Gebäude sind zerstört, und diejenigen, die noch stehen, sind sehr instabil“, stellt Pater Gabriel fest. „Einer unserer Lehrer hat fünf Familienmitglieder bei einem Einsturz verloren“, fügt er hinzu. In diesem Kontext sei humanitäre Hilfe lebenswichtig, da die meisten Einwohner alles verloren hätten: Arbeit, Zuhause und Ressourcen. „Seit dem Waffenstillstand kommen Waren an, aber diese sind für eine Bevölkerung ohne finanzielle Mittel unzugänglich“, betont Pater Gabriel. „Daher ist Hilfe unverzichtbar und muss intensiviert werden.“

Ein weiterer großer Verlierer sei das Bildungswesen. Vor dem Konflikt besuchten rund 2250 Schüler die drei katholischen Schulen – die des Lateinischen Patriarchats und die der Rosenkranzschwestern. Derzeit könnten nur 162 Kinder wieder zur Schule gehen. „Das Hauptproblem ist der Platz“, erklärt der Priester, „da die Vertriebenen in den Schulgebäuden untergebracht sind“. Derzeit lebten noch etwa 450 Menschen im Pfarrkomplex, 100 hätten sich entschlossen, in ihre Häuser zurückzukehren. Und da Bildung nach wie vor ein Akt der Hoffnung sei, unterstütze die Pfarrei in ihrem Stadtteil Zeitun zwei große unabhängige Privatschulen (konfessionslos und nichtstaatlich) mit Heften, Stiften und grundlegenden Materialien, da ihnen alles fehle. Vor dem Krieg hatte die eine Schule 1400 Schüler und die andere 1500.

(kirche in not – sk)
 

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06. Februar 2026, 12:04