Eine Küste in Italien Eine Küste in Italien  (ANSA)

Italien: Flüchtlingsleichen in Süditalien geborgen

Die Route über das zentrale Mittelmeer ist weiterhin die tödlichste für diejenigen, die aus Nordafrika nach Europa fliehen. Mindestens 15 tote Migranten wurden in diesen Stunden an den Küsten Kalabriens und Siziliens geborgen.

Stefano Leszczynski und Anne Preckel – Vatikanstadt

Sie kamen beim Versuch der Überfahrt des Mittelmeeres durch Folgen des Sturms Harry ums Leben, wie italienische Medien am Donnerstag unter Verweis auf die Staatsanwaltschaften von Paola und Vibo Valentia berichteten. Allein im vergangenen Januar sind nach Schätzungen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) mehr als 450 Menschen ums Leben gekommen, dreimal so viele wie im Januar 2025.

Zahl der Toten steigt

„Es scheint, als wolle das Mittelmeer nicht länger Komplize unserer Gleichgültigkeit sein, um einen Ausdruck von Papst Franziskus zu verwenden, eine Gleichgültigkeit, die global geworden ist. Aber ich würde sagen, dass sie mittlerweile tiefgreifend geworden ist und wir fast schon unempfindlich erscheinen.“ So kommentiert Pater Camillo Ripamonti, Präsident des Flüchtlingszentrums der Jesuiten in Rom, Centro Astalli, den traurigen Fund an den Stränden Süditaliens gegenüber Radio Vatikan.

Erst vor wenigen Wochen hatte die NGO Mediterranea das Verschwinden von mindestens tausend Menschen im Meer während des Wirbelsturms Harry gemeldet; die Sturmfluten entlang der Küsten Kalabriens und Siziliens spülten danach Dutzende von Leichen in fortgeschrittenem Verwesungszustand an. Ihr Fundort liegt entlang der Route, die Schlepper normalerweise nehmen, um das weiter nördlich gelegenen Sardinien zu erreichen.

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Schmerz und Trauma 

Im Jesuiten-Flüchtlingszentrum Centro Astalli werden viele Flüchtlinge aufgenommen, denen eine Überfahrt gelang – oft nur knapp. Pater Ripamonti kennt ihre Gesichter und Geschichten allzu gut. „Ihre Blicke sind die Blicke von Überlebenden, glücklicherweise haben sie es geschafft. Aber oft sind die Wunden, die sie in sich tragen, auch die Wunden ihrer Lieben, von Menschen, die mit ihnen gereist sind und die es nicht geschafft haben.“ Mit den Jahren werde es zunehmend schwerer, diesem Schmerz standzuhalten, so der langjährige Helfer im Flüchtlingsdienst, den seine Arbeit selbst an Grenzen bringt.

Italiens Regierung unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hatte ihr Abschottungspolitik in punkto Migration in der vergangenen Woche noch verschärft. Um „Instrumente zur Bekämpfung illegaler Einwanderung zu stärken und ein strengeres Management der Migrationsströme zu gewährleisten“, sollen Seeblockaden und Abschiebemechanismen eingerichtet werden.

„Management von Migrationsströmen"

Italiens katholische Bischöfe kritisierten den Gesetzentwurf als Widerspruch zum Geist der italienischen Verfassung: der Schutz von Grenzen werde über den Schutz von Menschenleben gestellt, und positive Alternativen zur illegalen Flucht wie humanitäre Korridore würden nicht in Erwägung gezogen.

„Es ist eine Politik der Ablehnung“, kommentiert Pater Ripamonti, „eine Politik, die nicht sehen will, eine Politik, die fernhalten will. Wir sollten einen Anflug von Würde zeigen und wieder unsere Verantwortung als Bürger einer Europäischen Union übernehmen, die sich stattdessen für die Rechte einsetzen und dieses gleichgültige Schweigen nicht aufrechterhalten sollte“.

(vatican news – pr)
 

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20. Februar 2026, 09:09