Minenunglück im Kongo: Gegenseitige Schuldzuweisungen
Als Tragödie, verursacht durch die „grassierende und illegale Ausbeutung der kongolesischen Bodenschätze, orchestriert von Ruanda und der (Rebellengruppe) M23“, bezeichnete das Ministerium für Kommunikation und Medien den Tod von über 200 Bergleuten, darunter mehrere Minderjährige. Sie sind durch einen Erdrutsch am 28. Januar im Bergwerk von Luwowo in Rubaya im Gebiet Masisi (Nord-Kivu) ums Leben gekommen.
In der am 31. Januar veröffentlichten Erklärung, in der die Regierung von Kinshasa ihr Beileid ausspricht, wird daran erinnert, dass das Bergbaugebiet von Rubaya seit Februar 2025 per Ministerialdekret als „rote Zone“ eingestuft ist: eine Maßnahme, die im November 2025 verlängert wurde. Das bedeutet, dass „alle Förder- und Vermarktungsaktivitäten offiziell verboten sind”, heißt es in dem Dokument.
Die kongolesische Regierung betont außerdem, dass die jüngste Tragödie kein Einzelfall ist. „Bereits im Juni 2025 starben mehr als 300 Zivilisten unter ähnlichen Umständen im selben Bergbaugebiet. Für die Behörden spiegeln diese Ereignisse ein wiederkehrendes Muster wider, bei dem Zivilisten in einem völlig gesetzlosen Umfeld extremen Gefahren ausgesetzt sind.“
Weite Teile der Provinz Nord-Kivu werden von den Rebellen der M23 (Kongo-Fluss-Allianz) kontrolliert, die von Ruanda unterstützt werden. Vor genau einem Jahr, am 31. Januar 2025, wurde Goma, die Hauptstadt dieser Provinz im Osten des Kongo, von den Rebellen eingenommen.
In der Mine von Luwowo wird Coltan abgebaut, ein für die moderne Elektronikindustrie unverzichtbares Mineral. Die kongolesischen Behörden prangern die Plünderung der Bodenschätze in dem Gebiet an, das in die Hände der M23-Rebellen gefallen ist. Allein aus der Mine in Rubaya, so die Regierung in Kinshasa, werden „jeden Monat zwischen 112 und 125 Tonnen Coltan abgebaut und ohne ausreichende Rückverfolgbarkeit nach Ruanda transportiert.“
Die Verantwortung der internationalen Gemeinschaft
Die Regierung in Kinshasa appelliert daher an die internationale Gemeinschaft, ihrer Verantwortung nachzukommen, da – wie sie erklärt – „die regionalen und internationalen Mechanismen zur Zertifizierung der Herkunft von Mineralien, insbesondere die Mechanismen der ‚International Tin Supply Chain Initiative‘ (ITSCI) und der ‚Conférence Internationale sur la Région des Grands Lacs‘ CIRGL, offensichtlich versagt haben“. „Diese Systeme haben offensichtlich die Zertifizierung und Vermarktung von Mineralien aus Gebieten, die als ‚rote Zonen‘ eingestuft sind, nicht verhindert“, betonen die Behörden und prangern „die Unvernunft der Endabnehmer und internationalen Wirtschaftsakteure“ an, die weiterhin in Ruanda einkaufen.
Die Tragödie nicht für politische Zwecke ausnutzen
Die „International Tin Supply Chain Initiative“ (ITSCI) ist ein Rückverfolgbarkeitsprogramm für die Mineralien Zinn, Tantal und Wolfram (aus dem Erz Coltan wird Tantal gewonnen), das für die Region der Großen Seen umgesetzt gilt: Burundi, die Demokratische Republik Kongo, Ruanda und Uganda. Die Conférence Internationale sur la Région des Grands Lacs (CIRGL) ist hingegen die zwischenstaatliche Organisation, die regionale Streitigkeiten beilegen soll.
Ein Sprecher der M23 wies die Vorwürfe der Regierung der Demokratischen Republik Kongo zurück und warf ihr vor, die Tragödie für politische Zwecke auszunutzen.
„Anstatt Verantwortung für ihre langjährigen Versäumnisse bei der Verwaltung des Bergbausektors zu übernehmen, versucht die Regierung, einen tragischen Unfall, der durch heftige Regenfälle in den Gruben von Rubaya verursacht wurde, für politische Zwecke auszunutzen“, erklärte der Sprecher. Die M23 betont, dass die Katastrophe von Rubaya nichts mit ihrer Kontrolle über das Gebiet zu tun habe, da sich ähnliche Tragödien wiederholt in Regionen unter der Kontrolle der Regierung ereignet hätten.
(fides – skr)
Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.