Nigeria: Opferzahl nach Terrorangriff auf über 170 gestiegen
Mario Galgano - Vatikanstadt
Was zunächst als Anschlag mit etwa 62 Todesopfern gemeldet wurde, hat sich nach Angaben des nigerianischen Roten Kreuzes und lokaler Sicherheitskräfte zu einer breiteren Tragödie ausgeweitet. Laut Augenzeugenberichten und lokalen Abgeordneten handelt es sich um den tödlichsten Angriff des laufenden Jahres in der Region an der Grenze zum Bundesstaat Niger – einer Zone, die zunehmend von Plünderungen, Entführungen und dschihadistischer Gewalt heimgesucht wird.
Der verweigerte Treueid auf die Scharia
Anwohner berichten, dass die Angreifer am vergangenen Dienstag keine Unbekannten waren: Es soll sich um Dschihadisten handeln, die bereits in der Vergangenheit im Dorf gepredigt hatten.
Dieses Mal forderten die Extremisten von der Bevölkerung jedoch ultimativ, der Republik Nigeria die Treue aufzukündigen und sich stattdessen der Scharia, der Auslegung des islamischen Rechts, zu unterwerfen. Als die Dorfbewohner sich weigerten, eröffneten die Milizen das Feuer. Später brannten sie Häuser und Geschäfte nieder und verwüsteten den Ort.
Massive Suchoperationen im Buschland
Die Sprecherin der Polizei des Bundesstaates Kwara bestätigte, dass Polizei und Armee für eine großangelegte Such- und Rettungsaktion mobilisiert wurden. „Die Einheiten durchkämmen das Buschland, um Überlebende und Vermisste zu finden.“ Eine endgültige Bestätigung der Opferzahlen seitens der Regierung steht noch aus, da viele Bewohner in Panik in die umliegende Wildnis geflohen sind.
Internationaler Druck auf Abuja
Angesichts des Massakers von Woro steigt der Druck auf die nigerianische Regierung unter Präsident Bola Tinubu. International wird die Sicherheitslage im bevölkerungsreichsten Land Afrikas mit Sorge beobachtet. Bereits im vergangenen Jahr hatte US-Präsident Donald Trump Nigeria scharf kritisiert und der Regierung vorgeworfen, insbesondere christliche Gemeinschaften nicht ausreichend vor islamistischen Übergriffen und Massenentführungen schützen zu können.
Obwohl die nigerianischen Behörden Vorwürfe einer systematischen Verfolgung von Christen stets zurückgewiesen haben, verdeutlicht dieser jüngste Angriff in Kwara, wie fragil die staatliche Ordnung in den ländlichen Gebieten Zentral-Nigerias geworden ist. Die Region ist zum Schauplatz eines komplexen Konflikts geworden, in dem dschihadistische Ideologie, Banditentum und religiöse Intoleranz zusammengehen.
(vatican news)
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