Sicherheitsbeamte in Port-au-Prince Sicherheitsbeamte in Port-au-Prince 

Haiti: Hinrichtungen, Missbrauch und bewaffnete Banden

Die Zahlen, die aus einem aktuellen Bericht des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte (OHCHR) hervorgehen, sind alarmierend: 1,4 Millionen Menschen sind wegen der anhaltenden Gewalt in Haiti gezwungen, ihre Häuser zu verlassen, und leben heute als Binnenvertriebene; allein im Jahr 2025 wurden mehr als 5.500 Menschen getötet. Zahlreiche Gruppierungen sind in die Gewalt verwickelt. Eine kleine katholische Gemeinschaft zeigt unterdessen Resilienz.

Den Angaben des UN-Büros zufolge wurden - verifizierten Informationen nach - zwischen dem 1. März 2025 und dem 15. Januar 2026 mindestens 5.519 Menschen in Haiti getötet und 2.608 verletzt. In den letzten zwölf Monaten hätten sich die kriminellen Banden über die Hauptstadt Port-au-Prince hinaus ausgedehnt und terrorisierten weiterhin die Bevölkerung, so die Warnung des Menschenrechtsbüros: Unter den Delikten seien Mord, Entführungen, Kinderhandel, Raub an illegalen Kontrollpunkten, Erpressung von Unternehmen und Zerstörung sowie Plünderung öffentlichen und privaten Eigentums. Ziel der Kriminellen seien auch Personen, die als kooperationsbereit mit der Polizei gelten oder ihre Autorität infrage stellen. Einige Opfer seien hingerichtet worden, ihre Körper oft mit Benzin übergossen und verbrannt. Andere wurden von den Banden sogenannten „Prozessen“ unterzogen, willkürlich festgehalten und teils gezwungen, für ihre Freilassung zu bezahlen.

„Die Banden haben weiterhin sexuelle Gewalt eingesetzt, um Terror zu verbreiten, die Bevölkerung zu unterwerfen und zu bestrafen“, heißt es in dem Bericht, der schwerste Übergriffe detailliert beschreibt. Im untersuchten Zeitraum wurden mindestens 1.571 Frauen und Mädchen Opfer sexueller Gewalt, meist Gruppenvergewaltigungen. Andere, darunter auch Minderjährige, wurden gezwungen, sogenannte „Beziehungen“ mit Bandenmitgliedern einzugehen und waren langfristigem Missbrauch und sexueller Ausbeutung ausgesetzt.

Der Bericht dokumentiert auch Fälle übermäßiger Gewaltanwendung durch die Polizei und nennt 247 Vorfälle gegen mutmaßliche Bandenmitglieder oder deren Unterstützer. Seit März 2025 habe zudem ein privates Militärunternehmen – vermutlich von der haitianischen Regierung beauftragt – an Sicherheitsoperationen teilgenommen, darunter auch Drohnenangriffe, denen teils auch Unbeteiligte zum Opfer fielen. Ebenfalls erwähnt werden Gewalttaten durch Selbstverteidigungsgruppen und Menschenmengen, die sogenannte „Volksjustiz“ ausüben. Bewaffnet mit Steinen, Macheten und großkalibrigen Waffen haben diese Gruppen Personen gelyncht, die verdächtigt wurden, kriminellen Banden anzugehören oder andere Straftaten begangen zu haben.

Gemeinschaftlicher Einsatz gegen Resignation

In diesem Kontext von Zerstörung und Gewalt, der das gesamte haitianische Gebiet betrifft, stemmt sich die kleine katholische Gemeinschaft von Pourcine Pic-Makaya, 300 km von Jérémie entfernt, gegen die Resignation.

„Die Menschen jeden Alters nehmen gerne aktiv und engagiert an verschiedenen Initiativen teil – seien sie religiöser, kultureller oder schulischer Natur oder im Rahmen ziviler Feste“, schreibt Pater Massimo Miraglio, ein Kamillianer-Missionar und Pfarrer der Kirche Unserer Lieben Frau von der Hilfe in Pourcine, an Fides. Seine Gemeinde sei mit Ermutigung in der Lage, sich gut in Gruppen organisieren und Aktivitäten zu unternehmen, „die wichtig sind, um den sozialen Zusammenhalt zu stärken und die lokale Gemeinschaft aufzubauen“.

„Derzeit rehabilitieren wir mit Hilfe einer NGO einige durch den Hurrikan Melissa zerstörte Familienplantagen für Bananen und Kochbananen“, fährt er fort. „150 Familien aus den verschiedenen Orten von Pourcine-Pic Makaya werden ihre Kräfte bündeln, um die lokale Produktion wieder anzukurbeln. In kleinen Gruppen arbeiten sie abwechselnd auf den verschiedenen Plantagen und erhalten am Ende des gemeinschaftlichen Arbeitstages eine Mahlzeit … das sehr geschätzt wird“, betont Pater Massimo.

Nach Abschluss der Arbeiten auf den Bananenplantagen werde sich– unterstützt von vier jungen Agronomen – jeder um seine eigene Plantage kümmern und bei Bedarf Hilfe in Anspruch nehmen, finanziert durch einen kleinen Fonds, berichtet der Missionar weiter. Die Wiederbelebung der Produktion von Bananen und Kochbananen sei enorm wichtig, um die Bevölkerung in den kommenden Monaten zu ernähren: „Gemeinsam zu arbeiten stärkt das Gemeinschaftsleben!“

Während die Kinder mit den Prüfungen des zweiten Trimesters in der Vorschul- und Grundschule der Pfarrei beschäftigt sind, bereitet sich die Gemeinschaft zugleich auf die Karwoche vor und arbeitet weiter an den Vorbereitungen für das Nationalfest der Flagge, das am 18. Mai gefeiert wird.

(fides - cs)

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31. März 2026, 10:39