Francesco Patton Francesco Patton 

Heiliges Land: Franziskaner bestürzt über Eskalation

Der frühere Kustos des Heiligen Landes, Francesco Patton, ist bestürzt über die neue Eskalation der Lage im Nahen Osten. Die Fixierung darauf, alles mit Gewalt und Waffen lösen zu wollen, sei ein fataler Irrweg, der die Zivilbevölkerung in den Abgrund reiße, sagte er gegenüber Radio Vatikan.

Francesca Sabatinelli und Mario Galgano - Vatikanstadt

Besonders die Lage im Libanon bereitet dem Franziskaner, der mittlerweile auf dem Berg Nebo in Jordanien wirkt, große Sorge. Das Franziskanerkloster in Tyros sei kurzerhand in ein Flüchtlingslager umgewandelt worden, während in der Hauptstadt verzweifelt versucht werde, den über eine Million Binnenvertriebenen beizustehen. Laut Patton ist die Erschöpfung der Menschen greifbar; das Land stehe angesichts der schieren Masse an Hilfsbedürftigen vor dem Kollaps.

Zum Nachhören - was P. Patton sagte

Langfristige Folgen

Der Franziskaner warnt zudem vor den langfristigen Folgen dieses Krieges. Wer die Region kenne, wisse, dass militärische Lösungen in der Vergangenheit stets den Boden für neuen Terror bereitgestellt hätten. Organisationen wie Al-Qaida, der IS oder die Hamas seien allesamt Kinder ungelöster politischer Konflikte, die man fälschlicherweise mit Waffen statt mit Diplomatie beenden wollte. Ohne einen echten politischen Kurswechsel drohe nach dem Ende der aktuellen Kämpfe lediglich die Geburtsstunde neuer, noch radikalerer Gruppierungen.

Die Situation in Palästina beschreibt Patton als menschliche Tragödie von historischem Ausmaß. In Gaza lebten die Menschen faktisch in einer Kloake unter freiem Himmel, während im Westjordanland der Druck auf die Bevölkerung stetig wachse. Er kritisiert eine schleichende Vertreibung durch bürokratische und gesetzgeberische Maßnahmen: von der Registrierung palästinensischer Gebiete im israelischen Kataster bis hin zum Ausschluss von Lehrkräften mit palästinensischen Diplomen. Dies seien Formen direkter und indirekter Unterdrückung, um eine Bevölkerung von dem Land zu verdrängen, auf dem sie seit Jahrtausenden siedelt.

Spirale der Gewalt

Um diese Spirale der Gewalt zu durchbrechen, fordert Patton ein entschlosseneres Handeln der internationalen Gemeinschaft und einen Strategiewechsel der USA. Für die Gläubigen blieben Gebet und Fasten die einzigen „Waffen“, die zu ergreifen ihnen rechtmäßig erlaubt sei.

(vatican news)

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.

19. März 2026, 10:26