Christen in Lahore Christen in Lahore  (AFP or licensors)

Pakistan: Grundsatzurteil zum christlichen Scheidungsrecht

Ein Richter hat entschieden, dass christliche Paare künftig eine Ehe auflösen können, wenn sie mindestens zwei Jahre getrennt gelebt haben. Bisher zwang ein Gesetz aus der Kolonialzeit christliche Kläger oft dazu, Ehebruch oder Grausamkeit zu beweisen – eine Praxis, die nun als verfassungswidrige Hürde eingestuft wurde. Innerhalb der christlichen Gemeinschaften löste das Urteil jedoch auch Besorgnis aus.

Das bisherige Recht verpflichtete christliche Paare in der muslimisch geprägten Nation dazu, den Nachweis von Ehebruch zu erbringen, um eine Scheidung zu erwirken. Insbesondere die Paragrafen 10 und 11 des alten Gesetzes belasteten die Ehemänner mit einer extremen Beweislast und zwangen sie dazu, vermeintliche Ehebrecher namentlich als Mitbeklagte zu nennen.

Diese Bedingungen machten Scheidungsanträge für viele fast unmöglich, da sie mit enormem sozialen Stigma und emotionaler Not verbunden waren – insbesondere für Frauen. Richter Hassan betonte nun, dass eine zweijährige Trennung mit der Absicht, die eheliche Beziehung dauerhaft aufzugeben, als rechtmäßige Grundlage für eine Auflösung ausreicht. Er verwies dabei auf Artikel 20 der pakistanischen Verfassung, der die Religionsfreiheit und den Schutz der Bürger garantiert.

Befreiung aus „unhaltbaren Ehen“

Sohail Alam vom Beirat für Minderheiten in der Provinz Punjab bezeichnete die Entscheidung als „wichtigen Wendepunkt“. Das Kolonialgesetz habe Menschen in unhaltbaren Ehen „gefangen gehalten“. „Dieses Urteil bietet christlichen Paaren sinnvolle Erleichterung, ohne dass sie zu falschen Anschuldigungen greifen müssen, die Stigmatisierung und seelisches Leid verursachen“, erklärte Alam. Besonders für gefährdete Ehepartner werde der Zugang zur Justiz dadurch erheblich verbessert.

Die Kirche warnt vor „Normalisierung“ der Trennung

Innerhalb der christlichen Gemeinschaften löste das Urteil jedoch auch Besorgnis aus. Bischof Samson Shukardin, Vorsitzender der katholischen Bischofskonferenz von Pakistan, betonte die Unauflöslichkeit der Ehe nach katholischem Verständnis. „Im katholischen Glauben gilt die Ehe als heiliges und lebenslanges Sakrament“, so Shukardin. Er äußerte die Sorge, dass eine Erleichterung der rechtlichen Auflösung die Scheidungsrate in der Gemeinschaft ansteigen lassen könnte. Die Priorität der Kirche bleibe die Versöhnung und die Stärkung der Familien, statt die Trennung zu normalisieren.

Ein Schutzweg für misshandelte Frauen?

Vertreter der protestantischen Kirchen prüfen derzeit noch rechtliche Schritte gegen das Urteil. Doch auch dort gibt es Stimmen, die das Urteil begrüßen. Zia Saman, ein Ältester einer protestantischen Gemeinde, sieht darin einen Weg zur Gerechtigkeit: „Wir haben gesehen, dass Frauen in Ehen gefangen sind, die schädlich sind, weil Scheidung in unserer Gesellschaft als Tabu gilt. Gott ist nicht so klein, dass Frauen in Beziehungen gefangen bleiben sollten, in denen sie jeden Tag geschlagen oder misshandelt werden.“

Das Gericht hat die Justizbehörden in der Provinz Punjab angewiesen, das Urteil unter den Richtern zu verbreiten und Schulungen durchzuführen, um die korrekte Umsetzung der neuen Rechtsauslegung sicherzustellen.

(ucan - mg)

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10. März 2026, 10:51