Große Begeisterung in Malabo Große Begeisterung in Malabo 

Äquatorialguinea: Eine Kirche im Wandel

Inocencio Moisés, Claretiner-Missionar aus Malabo, hat 1982 den Papstbesuch von Johannes Paul II. in Äquatorialguinea als Kind erlebt und freut sich heute, Papst Leo zu sehen. Im Interview mit Radio Vatikan berichtet er über den Wandel der Kirche und über Herausforderungen - etwa bei der Berufung von Frauen für das Ordensleben. Sie sollten besser ausgebildet werden, findet er.

Von Claudia Torres – Malabo, Äquatorialguinea

Pater Inocencio Moisés, ein Claretiner aus Malabo, war noch ein Kind, als der heilige Papst Johannes Paul II. vor 44 Jahren Äquatorialguinea besuchte. Heute koordiniert er als Erzbischöflicher Koordinator den Besuch von Papst Leo XIV. in seinem Heimatland – eine Aufgabe, die er mit Dankbarkeit annimmt.

Im Gespräch mit Vatican News am Rande der Einweihung des „Papst-Leo-XIV.-Campus“ der Nationaluniversität in Malabo blickte er auf die Bedeutung des Besuchs des Heiligen Vaters in dem mehrheitlich katholischen Land zurück. Er gab außerdem einen Überblick über die wichtigsten Veränderungen, die die Kirche seit dem letzten Papstbesuch im Jahr 1982 erfahren hat, und hob dabei den Anstieg der Priesterberufungen und die stärkere Verankerung der Kirche vor Ort hervor.

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Interview

„Er ist unser Hirte.“

Wir leben in einem Umfeld vieler familiärer Schwierigkeiten, in einem afrikanischen Kontext, der auch von bewaffneten Konflikten, viel Hass, aber auch von Hoffnung geprägt ist. Daher glauben wir, dass dies auch ein Moment der Hoffnung, der Einheit und der Stärkung unseres Glaubens ist.

Wir haben lange Zeit missioniert. Es gibt hier bereits viele Kirchen, auch anderer Konfessionen. Doch wir müssen den Glauben der Katholiken und Christen stärken, damit sie es wirklich verstehen. Daher ist dieser Besuch des Heiligen Vaters ein großer Impuls für uns – wichtig und besonders. Es ist ganz klar ein Hirtenbesuch.

Manche mögen ihn vielleicht nur als kulturelles Spektakel sehen, aber die große Mehrheit hat lange darauf gewartet, als eine weitere Quelle der Erneuerung – nicht nur für die Laien, sondern auch für uns Ordensleute und Priester. Er ist unser Hirte.

Wie hat sich die Kirche in Äquatorialguinea seit dem letzten Papstbesuch 1982 verändert?

Die Kirche hat sich stark verändert. Nicht, weil ich Claretiner bin, sondern weil, wie der Papst damals sagte, die Evangelisierung hier größtenteils von den Claretinern durchgeführt wurde – obwohl es auch Jesuiten oder Dominikaner hätten sein können. Zufällig waren es vor allem die Claretiner, die diese Kirche evangelisierten.

Gott sei Dank und dank der Inspiration des Heiligen Geistes gibt es heute viel mehr Ordensgemeinschaften hier. Die Missionare der Unbefleckten Jungfrau Maria sind ebenso vertreten wie die Missionare der Unbefleckten Empfängnis, die zwei Jahre nach den Claretinern auf deren Bitte hin eintrafen.

„Es ist wahrhaftig eine lokalere Kirche geworden.“

Es gibt viele Ordensgemeinschaften und viele Diözesanpriester. Es ist wahrhaftig eine lokalere Kirche geworden. Die Zahl der Missionare aus anderen Ländern nimmt stetig ab, und die Tatsache, dass unsere Diözesen nun äquatorialguineische Bischöfe haben, ist ebenfalls ein Zeichen für die Reife der katholischen Kirche in Äquatorialguinea.

Das Bild hat sich zum Besseren gewandelt. Viele junge Menschen sind bereit, ihr Bestes zu geben und selbst die entlegensten Gebiete zu erreichen, die Missionare früher nicht erreichen konnten. Wir sind alle da. Heute sind wir, selbst in den Ordensgemeinschaften, größtenteils lokal verankert.

In meiner eigenen Kongregation beispielsweise sind wir etwa 50 Claretiner, und nur zwei von ihnen sind Ausländer – ein Amerikaner und ein Spanier. Die übrigen stammen aus Guinea. Dies verdanken wir auch jenen, die uns durch ihren missionarischen Eifer dazu inspiriert haben, diesen Lebensweg in Christus einzuschlagen – sowohl Ordensleuten als auch Diözesanpriestern.

Gibt es also viele junge Menschen mit einer Berufung zum Ordensleben?

Ja, es gibt viele junge Menschen. Das interdiözesane Priesterseminar in Bata ist voll belegt und musste aufgrund von Platzmangel erweitert werden. Der Glaube wird gestärkt.

In den Frauenkongregationen ist dies jedoch nicht der Fall. Wir wissen nicht, warum – das bedarf einer eingehenden Analyse. In den Männerkongregationen, sowohl den diözesanen als auch den Ordensgemeinschaften, gibt es Berufungen. Schwierigkeiten gibt es bei den weiblichen Berufungen, und wir müssen die Gründe dafür erforschen. Wir befinden uns im selben Land, daher ist es nicht leicht zu verstehen, warum es für junge Frauen heutzutage schwieriger ist, sich für das Ordensleben zu entscheiden.

Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

„Sie treten ins Noviziat ein, werden Ordensfrauen, und das ist das Ende ihrer Ausbildung. Ich glaube, das ist problematisch.“

Ich habe eine persönliche Meinung: Vielleicht sollten auch weibliche Ordensgemeinschaften ihren Umgang mit akademischer Bildung überdenken. Ich habe es auf einer Konferenz gesagt: Aus verschiedenen Gründen war Bildung früher eingeschränkter. Doch heute stellt es ein Problem dar, wenn ein 17- oder 18-jähriges Mädchen nach dem Schulabschluss kein Hochschulstudium anstrebt.

Es erscheint notwendig, die akademische Ausbildung junger Frauen zu verbessern. Viele hegen den Wunsch zu studieren, doch in manchen Ordensgemeinschaften begnügen sie sich damit: Sie treten ins Noviziat ein, werden Ordensfrauen, und das ist das Ende ihrer Ausbildung. Ich glaube, das ist problematisch. Bei männlichen Ordensgemeinschaften oder Priestern geschieht dies nicht, da diese in der Regel ein Universitätsstudium aufnehmen. Wenn einer jungen Frau dies nicht möglich ist, stellt das ein Hindernis dar.

Darüber hinaus müssen wir die Berufungsseelsorge stärken. Vielleicht sind wir etwas nachlässig geworden. Wir müssen dieselbe Botschaft auf neue Weise vermitteln – sprachlich anpassen, die Gegenwart verstehen und nicht in der Vergangenheit verharren. Wir dürfen das Evangelium und seine Forderungen nicht verwässern, sondern müssen sie dem Kontext anpassen. Deshalb sprechen wir in Afrika von Inkulturation – von einer inkulturierten Botschaft. Das ist meine Meinung.

(vatican news - pr)

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22. April 2026, 18:42