Indien: Christen warnen vor neuer Gewaltspirale in Manipur
Der ökumenische Christenbund, der katholische und protestantische Gemeinden vertritt, rief angesichts von neuen Zusammenstößen, Tötungen und Protesten in Manipur zu Dialog und Deeskalation auf. Das „United Christian Forum“ (UCF) wandte sich mit einem Appell an die Anführer der Konfliktparteien und die Regierung von Manipur.
„Was wir erleben, ist keine vorübergehende Unruhe mehr, sondern eine schwere und sich zuspitzende humanitäre Krise“, zitiert Ucanews aus einem Brief des Verbandes vom 25. April an Ministerpräsident Yumnam Khemchand Singh.
Neue Konfliktlinie und Eskalation mit Sicherheitskräften
Laut lokalen Medienberichten wurden in den letzten Wochen mindestens zehn Menschen bei Gewalt, Protesten und Zusammenstößen mit Sicherheitskräften getötet. Nachdem Anfang April gegen eine vereinbarte Waffenruhe verstoßen worden war, hatte es laut lokalen Quellen neue Konfrontationen zwischen den überwiegend hinduistischen Meitei und den mehrheitlich christlichen Kuki und Naga gegeben.
Eine Explosion am 7. April im Distrikt Bishnupur mit Todesfällen habe die Spannungen weiter verschärft und zu Protesten geführt, gibt Ucanews Berichte lokaler Quellen wieder. Der Vorfall habe im gesamten Imphal-Tal, auch in der Hauptstadt, weitreichende Proteste ausgelöst, bei denen Demonstranten Gerechtigkeit forderten. Die Auseinandersetzungen hätten zu Unruhen und Zusammenstößen mit Sicherheitskräften geführt, weitere Menschen seien getötet und verletzt worden, und die Gewalt habe sich ausgeweitet.
Appell zu Deeskalation
In ihrem Appell rief die UCF die führenden Köpfe wichtiger Organisationen – darunter den United Naga Council, Kuki Inpi Manipur und das Coordinating Committee on Manipur Integrity, das die Interessen der Meitei vertritt – dazu auf, einzugreifen und zur Deeskalation der Spannungen beizutragen. Unterschiede in Bezug auf Gemeinschaft, Glauben und Identität gelte es zu überwinden und auf eine Dialoglösung für die mehr als drei Millionen Einwohner des Bundesstaates zu erarbeiten.
Manipur wird seit Mai 2023 von ethnischer Gewalt erschüttert. Damals brachen Zusammenstöße zwischen den Meitei- und Kuki-Zo-Gemeinschaften aus, nachdem Proteste gegen einen Vorschlag zur Anerkennung der Meitei als indigene Bevölkerungsgruppe stattgefunden hatten. Die Kuki-Zo-Gruppen befürchten, dass eine solche Anerkennung bestehende Schutzmaßnahmen, darunter die Grantie einer politischen Vertretung, Förderprogramme und Beschränkungen des Landbesitzes in Stammesgebieten, schwächen würde.
Indigene Christen am stärksten betroffen
Der Konflikt hat seither mehr als 260 Menschenleben gefordert, über 60.000 Menschen vertrieben und mehr als 11.000 Häuser zerstört, auch hunderte kirchliche Einrichtungen waren betroffen. Indigene Christen – die etwa 41 Prozent der Bevölkerung ausmachen – gehören laut Ucanews zu den am stärksten Betroffenen. Die Meitei, die etwa 53 Prozent der 3,2 Millionen Einwohner des Bundesstaates ausmachen, dominieren weitgehend die politischen und administrativen Strukturen.
(ucanews – pr)
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