Christen in Jerusalem Christen in Jerusalem  (AMMAR AWAD)

Pater Patton: Auch heute ein Kreuzweg für die Christen im Nahen Osten

In den Texten für den diesjährigen Kreuzweg am Karfreitag im römischen Kolosseum spiegelt sich die harte Realität der Gegenwart wider. Pater Francesco Patton, der von 2016 bis 2025 das Amt des Kustos des Heiligen Landes bekleidete, wurde von Papst Leo XIV. mit der Verfassung der Meditationen betraut. Die Wahl fiel nicht zufällig auf den Franziskaner: Sie markiert zudem den 800. Jahrestag des Todes des heiligen Franz von Assisi.

Roberto Cetera und Mario Galgano - Vatikanstadt

In seinen Reflexionen schlägt Patton eine Brücke zwischen den biblischen Stationen und den aktuellen Konflikten im Nahen Osten. „Hinter der Reflexion über die verzerrte Vorstellung von Macht und deren Missbrauch stehen internationale Ereignisse, die sich vor unser aller Augen abspielen“, erklärt der Pater gegenüber den Vatikanmedien. Besonders das Schicksal der Frauen stehe im Fokus. Die Leidtragenden der heutigen Kriege verkörperten Figuren wie Maria, Veronika oder die Frauen von Jerusalem.

Zum Nachhören - was P. Patton sagte

Auch die Figur des Simon von Cyrene findet in Pattons Texten eine moderne Entsprechung: „Der Cyrenäer hat das Gesicht der vielen Freiwilligen, humanitären Helfer und auch Medienvertreter, die ich in diesen Jahren treffen durfte und die ihr Leben riskieren, um sich um jemanden zu kümmern oder die Wahrheit bekannt zu machen – oft ohne selbst Christen zu sein.“

Die Rolle der Religion in der Krise

Patton beobachtet mit Sorge eine globale Tendenz zur religiösen Radikalisierung politischer Konflikte. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs seien säkulare Ideologien erodiert, was den Raum für eine Instrumentalisierung des Glaubens geöffnet habe. Er spricht von modernen „Zeloten“ in allen Lagern – im Islam, im Judentum und auch im Christentum –, die Gewalt im Namen Gottes rechtfertigen wollten.

Dagegen setzt der Franziskaner die Forderung nach einer Desakralisierung politischer Macht: „Man muss dem religiösen Fundamentalismus ebenso wie der politischen Instrumentalisierung der Religion den Boden entziehen.“ Als Grundlage hierfür sieht er das Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen und die Enzyklika Fratelli tutti.

Ein neuer Lebensweg auf dem Berg Nebo

Nach neun Jahren in leitender Funktion, geprägt durch den Bürgerkrieg in Syrien, die Pandemie und den Krieg in Gaza, kehrt Patton nun zu den Wurzeln seines Ordenslebens zurück. Er hat sich entschieden, als einfacher Bruder auf dem Berg Nebo in Jordanien zu leben.

„Nach so vielen Jahren im Dienst der Leitung spürte ich das Bedürfnis, wieder als einfacher Minderbruder zu leben“, so Patton. Der Ort, von dem aus Moses das Gelobte Land sah, sei für ihn ein Ort der Begegnung zwischen Christen und Muslimen. Er wolle dort einen regelmäßigen Rhythmus aus Gebet, Studium und dem Dienst an den Pilgern finden.

Hoffnung auf einen Generationenwechsel

Trotz des seit 80 Jahren andauernden israelisch-palästinensischen Konflikts verliert Patton die Hoffnung auf Frieden nicht, mahnt jedoch Geduld an. Es brauche einen kulturellen Wandel und eine neue politische Klasse. „Heute fehlen leider wahre Propheten und Menschen mit Visionen, aber das ist ein globales Problem“, stellt er fest. Positive Signale sieht er jedoch in zivilgesellschaftlichen Bewegungen wie den „Müttern, die barfuß für den Frieden gehen“ oder gemeinsamen Bildungsprojekten.

Für die Christen im Heiligen Land, die oft zur Abwanderung gezwungen sind, sieht er eine besondere Mission: „Wir sind gerufen, das barmherzige Angesicht Gottes zu zeigen, das jeden Menschen ohne Unterschied der Nationalität oder Religion annimmt.“

(vatican news)

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03. April 2026, 12:35