Bewaffnete haben im Januar 2026 Gläubige aus zwei Kirchen im nigerianischen Bundesstaat Kaduna entführt Bewaffnete haben im Januar 2026 Gläubige aus zwei Kirchen im nigerianischen Bundesstaat Kaduna entführt  (Nuhu Gwamna)

Nigeria: Deutscher Religionsbeauftragter beklagt Missbrauch von Religion

Der Religionsfreiheitsbeauftragte Deutschlands, Thomas Rachel (CDU), hat jüngst Nigeria besucht. Dort ist die Lage angespannt. Islamistische Gewalt versetzt die Bevölkerung in Angst und Schrecken. „Es darf nicht sein, dass jemand wegen seines Glaubens umgebracht wird", sagte Rachel nach seiner Reise nach Nigeria. Dafür müssten alle religiösen Vertreter einstehen.

Laut der latholischen Nachrichten-Agentur (KNA) beklagte Rachel, dass in Nigeria, etwa durch die Terrororganisation Boko Haram, Religion oft missbraucht werde, um die Ermordung anderer Menschen zu legitimieren. Außerdem betonte er, dass die Scharia-Gesetzgebung, insbesondere die drakonischen Blasphemiegesetze in einigen nördlichen Bundesstaaten, die Religionsfreiheit verletzen - für Christen wie auch für andere muslimische Minderheiten.

Mehr interreligiöser Dialog gefordert

Umso wichtiger sei es, in Ländern wie Nigeria den interreligiösen Dialog zu stärken. „Religion spielt eine entscheidende Rolle in Nigeria", so Rachel. Er betonte zudem die Bedeutung von humanitärer Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit, darunter zahlreiche kirchliche Projekte. „Angesichts der Kriege und Konflikte in der Welt, ist es wichtig, dass humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit Gewicht und Aufmerksamkeit erhalten".

„Angesichts der Kriege und Konflikte in der Welt, ist es wichtig, dass humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit Gewicht und Aufmerksamkeit erhalten“

Die Anspannung im Land sei groß. Rachel berichtete von den Hunderttausenden Binnenvertriebenen in Nigeria. Ihr Schicksal habe ihn sehr bewegt. Die nigerianische Regierung sieht der Beauftragte der deutschen Bundesregierung für Religions- und Weltanschauungsfreiheit, Thomas Rachel, in der Pflicht: „Die Menschen erwarten Schutz und die Möglichkeit, in ihre Heimatregion zurückzukehren."

Hintergrund

Vor allem im Nordosten Nigerias überfallen Terroristen immer wieder Dörfer. Zuletzt hatte die Miliz „Islamischer Staat" 29 Menschen im Bundesstaat Adamawa ermordet. Experten zufolge agieren in Nigeria, dem einwohnerreichsten Land auf dem afrikanischen Kontinent, aktuell mindestens vier islamistische Gruppen.Für Überfälle und Entführungen sind allerdings auch kriminelle Banden ohne Ideologie verantwortlich. Vielfach nutzen sie die unsichere Lage und die mangelnde Präsenz von Sicherheitskräften aus.

(kna - sst) 

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30. April 2026, 15:28