Ostern in Syrien: Sorge um Christen - der Weg ist die Einheit
Stefano Leszczynski – Vatikanstadt
In Syrien besteht kein Zweifel: Die Hoffnung lebt. Die eigentliche Frage ist: Wie lange werden die Syrer noch die Kraft haben zu hoffen? Obwohl seit der Einsetzung der neuen Regierung mehr als ein Jahr vergangen ist, hat sich der Alltag im Land nicht spürbar verbessert. Konfessionelle Spannungen, Angriffe auf Minderheiten und weit verbreitete Gewalt quälen weiterhin die Bevölkerung und machen es schwer, sich eine Zukunft vorzustellen, die nicht die Flucht in ein unbekanntes Anderswo einschließt. Und der Krieg, der sich in der gesamten Region immer weiter ausbreitet, ist gewiss kein Anreiz, im Land zu bleiben.
Gedämpfte Osterfeiern
Der Franziskanerpater Hanna Jallouf, Apostolischer Vikar von Aleppo, verbirgt seine Sorge nicht und spricht offen über die schweren Schwierigkeiten, mit denen das Land auf internationaler und innerer Ebene konfrontiert ist. „Die Welt steht Kopf“, sagt er, „und die größte Hoffnung ist, dass es nicht zu einem echten Weltkrieg kommt.“ Für die Syrer wird dieses zweite Osterfest nach dem Sturz des Regimes sicher weniger ruhig verlaufen als das vorherige: „Die Feiern der Karwoche sind gedämpft, weil die Christen sich nicht sicher fühlen.“ So war es bereits zu Weihnachten, und Vorsicht bleibt weiterhin die Regel.
Gewalt gegen christliche Gemeinschaften
Auch der syrisch-katholische Erzbischof von Homs, Jacques Mourad, erinnert in einem Interview mit Asia News an Übergriffe und Misshandlungen, die in verschiedenen Teilen des Landes gegen die christliche Gemeinschaft und andere Minderheiten verübt werden. Der Staat ist noch immer nicht in der Lage, das gesamte Territorium zu kontrollieren, und das Versprechen eines größeren wirtschaftlichen Wohlstands ist noch lange nicht eingelöst.
Kurz vor dem Palmsonntag, erinnert der Vikar Jallouf, kam es in der Kleinstadt Suqaylabiyah im Gouvernement Hama zu beunruhigenden Gewalttaten. In dieser kleinen Enklave griechisch-orthodoxer Christen stürmte eine Gruppe islamistischer Fanatiker ein Geschäft, das Alkohol verkaufte, zerstörte Eigentum von Christen und belästigte Frauen. Die Situation führte dazu, dass junge Christen auf die Straße gingen, um zu protestieren und Gerechtigkeit einzufordern.
Spaltungen und Partikularismen vermeiden
„Es ist eine Situation, die uns verletzt und verängstigt hat“, sagt der Franziskanerpater, „vor allem wegen des Mangels an Sicherheit und Gerechtigkeit seitens der zuständigen Behörden.“ Nach diesen Vorfällen habe man im Einvernehmen mit allen Kirchen beschlossen, die Osterfeiern auf das Gebet in den Kirchenräumen zu beschränken. „Doch die Sorgen bleiben.“ Trotz allem bleibt Ostern das Symbol einer Hoffnung auf Neubeginn für ganz Syrien. „Jetzt ist wirklich der Moment, in dem die Christen Syriens sich zeigen und geeint sein müssen“, betont der Apostolische Vikar von Aleppo. „Griechen, Syrer, Katholiken müssen zum Ursprung zurückkehren: Wir alle glauben an Christus, und der auferstandene Christus ist der einzige Retter. Es ist nicht die Zeit für Spaltungen und Partikularismen.“
Es ist eine Botschaft des Mutes, der Hoffnung und der Versöhnung, die Jallouf den Gläubigen zu diesem von Unruhe geprägten Osterfest mitgeben will: „Ich werde ihnen sagen, keine Angst zu haben, denn der Herr hat den Tod besiegt und kann uns das Leben schenken; denn der Herr hat uns erleuchtet, und in seiner Auferstehung leben wir die Hoffnung und sehen eine bessere Zukunft für alle.“
(vatican news - bp)
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