Am Palmsonntag: Prozession in einer Pfarrei in Angola Am Palmsonntag: Prozession in einer Pfarrei in Angola  (©Anastácio Sasembele, Radio Ecclesia (Angola))

„Schwerpunkt von Leos Afrikareise wird der Friede sein“

Bei seiner bevorstehenden Reise nach Afrika wird Leo XIV. den Akzent vor allem auf das Thema Frieden legen. Davon ist Weronika Vogel vom katholischen Missionswerk Missio Aachen überzeugt.

In einem Interview mit Radio Vatikan berichtete Vogel von hohen Erwartungen an den Gast aus Rom speziell in Kamerun. Missio-Projektpartner im Land hielten es für denkbar, dass es nach Leos Visite zu konkreten Fortschritten bei der Ausssöhnung zwischen dem französischsprachigen Zentralstaat und den englischsprachigen Regionen kommen werde. Der seit Jahrzehnten andauernde Konflikt hat allein seit 2017, als er das letzte Mal hochkochte, mehr als 6.000 Todesopfer gefordert.

Interview

Erste Afrikareise von Papst Leo XIV. – vier afrikanische Länder stehen auf dem Programm, nämlich Algerien, Angola, Kamerun sowie Äquatorialguinea. Gibt es denn etwas Verbindendes zwischen diesen Ländern und den Kirchen dort, oder ist das alles ganz unterschiedlich?

„Zumindest für Algerien, Angola und Kamerun besteht die Besonderheit darin, dass der Fokus der Papstreise sehr stark auf Frieden liegt. Und bei Algerien liegt der Akzent voraussichtlich besonders auf dem christlich-muslimischen Dialog. Papst Leo ist tatsächlich der erste Papst, der Algerien besucht, was ein sehr bedeutendes Zeichen für diesen christlich-muslimischen Dialog ist. In Algerien sind 98 der Bevölkerung Prozent muslimisch geprägt.“

Sie kennen speziell Kamerun gut: Dort sind 38 Prozent der Bevölkerung katholisch, und insgesamt gibt es dort eine große Mehrheit von 69 Prozent Christen…

„Wenn man auf Kamerun spezifisch schaut, ist es sehr besonders, dass der Papst nicht nur die Hauptstadt Yaoundé besucht, sondern auch Bamenda und Douala; Bamenda liegt in der anglophonen Region von Kamerun. Es gibt seit mehreren Jahren einen Konflikt zwischen der anglophonen und der frankophonen Region, der auch in einen Bürgerkrieg ausgeartet ist, und in dieser Hinsicht ist es etwas Besonderes, dass Papst Leo nach Bamenda reist. Ich habe kürzlich erst Partnerinnen und Partner vor Ort besucht und sie gefragt, was sie sich von dieser Papstreise erhoffen: Sie sehen es als sehr großes Hoffnungszeichen, dass der Heilige Vater eigens auch nach Bamenda kommt. Dazu haben sie mir gesagt: ‚Angesichts dieser hohen Erwartungen an den Papstbesuch ist es denkbar, dass es nach diesem Besuch zu einer sichtbaren, positiven Veränderung kommt, weil die Verantwortlichen vielleicht doch endlich einmal dauerhafte Lösungen für die Herausforderungen finden, denen die Gesellschaft gerade gegenübersteht‘.

Papst Leo XIV. im Vatikan bei einer Begegnung mit dem südafrikanischen Präsidenten Cyril Ramaphosa
Papst Leo XIV. im Vatikan bei einer Begegnung mit dem südafrikanischen Präsidenten Cyril Ramaphosa   (@VATICAN MEDIA)

„Die Menschen sehen es einfach als Hoffnungszeichen, dass er kommt“

Die Menschen sehen es einfach als Hoffnungszeichen, dass er dorthin kommt; sie sehnen sich nach Worten der Hoffnung, der Ermutigung, der Gerechtigkeit und des Friedens. Gerade die vielen Familien, die durch den Konflikt in der anglophonen Region geprägt sind, wünschen sich Versöhnung und erhoffen sich, dass der Papst, wenn er dort hinkommt, etwas dazu sagen wird – und auch generell, dass seine bloße Anwesenheit als Zeichen der Versöhnung ausgelegt und gedeutet werden kann.“

Bleiben wir einen Moment bei Kamerun. Wissen denn die normalen Leute auf der Straße, dass der Papst kommt? Sind die neugierig? Haben die vor, hinzugehen, wenn er irgendwo auftritt, oder gucken die sich das am Fernsehen an? Oder ist die Reise jetzt noch gar kein Thema?

„Die Leute freuen sich schon sehr darauf, dass der Papst kommt! Ich war ungefähr einen Monat vor seinem Besuch in Kamerun, und überall merkt man: Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Straßen werden erneuert, damit der Papst dort langfahren kann; Menschen bereiten sich vor und überlegen, wer ihn treffen wird, und haben schon vor, hinzugehen und sich den Papst auch mal aus der Nähe anzuschauen, soweit das möglich ist. Es ist für die Menschen sehr, sehr wichtig – nicht allein für die katholische, sondern für die gesamte Bevölkerung –, dass ein Papst nach doch einer längeren Zeit mal wieder Kamerun besucht.“

Warum der Papst nach Afrika reist: Interview von Radio Vatikan mit W. Vogel (Missio Aachen)

„In der Praxis ist das Sprachproblem tatsächlich sehr gravierend“

Sie haben eben dargestellt, dass es einen schwelenden Bürgerkrieg, eine schwelende Auseinandersetzung gibt zwischen der französischen Mehrheit und der englischsprachigen Minderheitsgesellschaft in Kamerun. Geht diese Bruchlinie eigentlich auch durch die katholische Kirche hindurch?

„Die katholische Kirche versucht sehr, sich als Vermittlerin zwischen diesen Konfliktgruppen zu betätigen, weil natürlich auch im anglophonen Teil sehr viele Menschen katholisch sind. Dort liegen auch mehrere Diözesen, mit denen Missio Aachen schon länger zusammenarbeitet. Trotzdem ist es in der Praxis manchmal nicht einfach, weil der anglophone Teil auch Beschränkungen unterliegt, was zum Beispiel Ausgangszeiten betrifft. In der Praxis ist das Sprachproblem tatsächlich sehr gravierend, einfach weil sehr viele aus dem anglophone Teil nicht unbedingt Französisch können, und umgekehrt. In der Praxis ist es also manchmal schwierig, aber die Kirche engagiert sich im Bereich der Versöhnung: Die frankophonen Teile unterstützen etwa die anglophonen Teile finanziell, und ich habe schon den Eindruck, dass dort zusammengearbeitet wird. Dennoch: Im Endeffekt sind es alles betroffene Menschen, und man merkt natürlich schon, dass manche Teile dieses Konfliktes sich auch auf die Kirche auswirken.“

Seligsprechung von Märtyrern in Oran (Algerien) im Jahr 2018
Seligsprechung von Märtyrern in Oran (Algerien) im Jahr 2018

„Katholiken sind in Algerien eine sehr kleine Minderheit, aber trotzdem geprägt durch die Präsenz des heiligen Augustinus“

Schauen wir noch mal kurz auf zwei weitere Reiseländer. In Algerien fängt die Visite von Leo XIV. an, ein mehrheitlich islamisches Land mit einer ganz kleinen Kirche. Sie haben da auch ein Projekt; wie sieht es denn aus Ihrer Warte in Algerien aus?

„Es gibt staatlicherseits schon spürbare Einschränkungen für nichtmuslimische Religionsausübung; es sind auch Schließungen von Kirchen und Druck auf christliche Gemeinden dokumentiert. Doch in den vier Diözesen in Algerien gibt es auch immer wieder Projekte zur Ausbildung von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, von Katecheten und Katechetinnen; in diesem Bereich gibt es ein starkes Engagement. Wie gesagt: Katholiken sind eine sehr kleine Minderheit, nur wenige tausend Menschen, aber trotzdem geprägt durch die Präsenz des heiligen Augustinus – und das ist ja gerade deswegen interessant, weil Papst Leo XIV. selbst Augustiner ist! Umso schöner ist es, dass er jetzt als erster Papst Algerien besucht.“

Werfen wir zu guter Letzt noch einen Blick nach Angola: portugiesischsprachig, ein sehr reiches Land (Luanda ist offenbar, wenn ich das richtig gegoogelt habe, die teuerste Stadt der Welt!). Was können Sie mir denn über Angola und die Kirche dort sagen?

„In Angola ist die Kirche historisch durch den portugiesischen Einfluss und die portugiesische Kolonialmacht sehr stark verwurzelt. Die Kirche trägt dort sehr viele soziale Dienste und Versöhnungsarbeit, auch nach dem Bürgerkrieg; und dort sind 41 Prozent römisch-katholisch, also schon relativ viele. Der Papst wird in Angola eines der Marien-Heiligtümer besuchen, was für die Menschen sehr wichtig ist, und auch hier liegt der Fokus auf Hoffnung, Versöhnung und Unterstützung der konfliktbetroffenen Gemeinschaften. Insgesamt ist Angola aber derzeit politisch relativ stabil; was hingegen weitverbreitet ist, sind Korruption und soziale Ungleichheit. Das Land hat eine sehr junge Bevölkerung – und dadurch aber auch viele Probleme, und eine starke Binnenmigration in Städte. Fast 70 Prozent der Menschen leben in Städten, was relativ ungewöhnlich ist.“

Das Interview mit Weronika Vogel (Auslandsabteilung des katholischen Hilfswerks Missio Aachen) führte Stefan v. Kempis (Radio Vatikan).

(vatican news)
 

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09. April 2026, 14:05