Beim gemeinsamen Gebet in der Kapelle Urban VIII. - links im Bild Matthias Grebe, rechts Martin Browne Beim gemeinsamen Gebet in der Kapelle Urban VIII. - links im Bild Matthias Grebe, rechts Martin Browne  (@Vatican Media)

Ökumene-Treffen im Vatikan: „Verbundenheit besteht jetzt schon“

Bei dem ersten Treffen und gemeinsamen Gebet der Erzbischöfin von Canterbury, Sarah Mullally, und Papst Leo XIV. war von anglikanischer Seite auch der Ökumene-Beauftragte des Erzbischofs von Canterbury und der Church of England, Matthias Grebe, dabei. Für ihn war besonders das gemeinsame Gebet ein Ausdruck der bereits bestehenden Verbundenheit.

Sarah Mullally und ihre Delegation hatten Leo XIV. am Montag, dem dritten Tag ihrer Pilgerreise nach Rom, im Apostolischen Palast getroffen. Nach einem privaten Gespräch stellte die Erzbischöfin dem Papst ihre Delegation aus Lambeth Palace und dem Anglican Centre in Rome vor. Im Anschluss hielten sowohl die Erzbischöfin als auch der Papst eine Ansprache, auch Geschenke wurden ausgetauscht – darunter eine alte Ausgabe von John Henry Newmans „The Dream of Gerontius“ sowie ein peruanisches Retablo mit einer Krippenszene. Dabei handelt es sich um ein traditionelles Andachtskunstwerk, das Handwerkskunst, Erzählkunst und Glauben miteinander verbindet.

Herzlicher Empfang


Sarah Mullally, seit Januar 2026 Erzbischöfin von Canterbury und an der Spitze der Church of England, zeigte sich im Nachgang der Begegnung gegenüber Vatican News erfreut:

„Es war mir eine Freude und Ehre, Seiner Heiligkeit, Papst Leo XIV., zu begegnen und gemeinsam zu beten. In den kommenden Jahren werden wir weiterhin im Gebet verbunden bleiben: für den Frieden in unserer Welt, für Gerechtigkeit und dafür, dass jeder Mensch die Fülle des Lebens entdecken möge, die Gott schenkt.“

Wir würden „von Hoffnung getragen“, so Mullally weiter – einer „Hoffnung, die in Christus selbst gegründet ist, der uns voranruft, auch wenn der Weg noch nicht vollständig sichtbar“ sei:

„Mögen wir weiterhin gemeinsam in dieser Hoffnung unterwegs sein und darauf vertrauen, dass derjenige, der dieses gute Werk unter uns begonnen hat, es auch vollenden wird.“

Der gebürtige Deutsche Matthias Grebe ist in der Kirche von England ordiniert und seit vergangenem Oktober Ökumene-Beauftragter des Erzbischofs von Canterbury und der Church of England. Auch er war bei der Begegnung und dem gemeinsamen Gebet dabei und erklärte anschließend gegenüber Vatican News:

„Wir wurden von Seiner Heiligkeit, Papst Leo XIV., sehr herzlich empfangen. Der Heilige Vater hatte zunächst eine Audienz mit Ihrer Gnaden, der Erzbischöfin von Canterbury, bevor er anschließend die Delegation aus Lambeth Palace und dem Anglican Centre in Rome begrüßte.“

Die Delegationen im Apostolischen Palast
Die Delegationen im Apostolischen Palast   (@Vatican Media)

Gemeinsames Gebet - wichtige Geste

Im Anschluss an die Audienz nahm die Erzbischöfin gemeinsam mit dem Papst an einem Mittagsgebet in der Kapelle Urbans VIII. im Apostolischen Palast teil. Der Papst und die Erzbischöfin sprachen gemeinsam das Gebet. Matthias Grebe zufolge war das eine wichtige Geste:

„Das gemeinsame Gebet – nach dem Vorbild unseres Herrn im Hohepriesterlichen Gebet in Johannes 17, ut unum sint – ist ein Ausdruck unserer bereits bestehenden Verbundenheit auf dem gemeinsamen ökumenischen Weg hin zur vollen sichtbaren Einheit.“

Treffen im Einheits-Dikasterium

Nach einem Besuch der Vatikanischen Museen traf sich eine Gruppe anglikanischer und katholischer Vertreter im Dikasterium für die Einheit der Christen zu Gesprächen über die Zukunft der anglikanisch-katholischen ökumenischen Beziehungen. Anwesend waren außer Kardinal Kurt Koch und der Erzbischöfin von Canterbury unter anderem Erzbischof Flavio Pace, Erzbischof Richard Moth, der im Dikasterium für die anglikanische Gemeinschaft zuständige Priester Martin Browne, Bischof Anthony Ball, Revd. Canon Margaret Cave sowie Revd. Matthias Grebe.

„Alle Beteiligten waren sich einig, dass die volle sichtbare Einheit der Kirche Christi ein Geschenk der Gnade Gottes ist – und wie jedes Geschenk muss sie mit offenen Händen und bereiten Herzen empfangen werden“

„In unserem Gespräch haben wir die vielfältigen Entwicklungen in der Beziehung zwischen unseren Kirchen sowie die Perspektiven für die Zukunft besprochen. Alle Beteiligten waren sich einig, dass die volle sichtbare Einheit der Kirche Christi ein Geschenk der Gnade Gottes ist – und wie jedes Geschenk muss sie mit offenen Händen und bereiten Herzen empfangen werden“, so Matthias Grebe abschließend.

Dienstag: Besuch bei St. Egidio

Am Dienstag standen noch weitere ökumenische Besuche auf dem Programm, darunter eine Begegnung in der Basisgemeinschaft Sant'Egidio im römischen Stadtteil Trastevere. Dort besuchte Mullally einige Aktivitäten der Gemeinschaft zur Unterstützung der Schwächsten - von Obdachlosen bis hin zu Familien in Not. Es gab laut Sant'Egidio auch einen Austausch mit den Verantwortlichen der in Afrika laufenden Programme und ein Treffen mit einigen Flüchtlingsfamilien aus Gaza, Afghanistan und anderen Ländern. Erzbischöfin Mullally besuchte auch die Basilika Santa Maria in Trastevere und verweilte in Andacht vor der Kapelle, die dem seligen Floribert Bwana Chui gewidmet ist, dem jungen Kongolesen aus der Gemeinschaft, der getötet wurde, weil er sich einem Bestechungsversuch widersetzt hatte. 

(vatican news/pm - cs/sst)

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28. April 2026, 16:13