Indigene in Papua-Neuguinea Indigene in Papua-Neuguinea  (VATICAN MEDIA Divisione Foto)

Indonesien: Regierung entsendet Team nach tödlichen Unruhen

Die indonesische Regierung hat eine Delegation in die Provinz Zentral-Papua entsandt, um eine weitere Eskalation der Gewalt in der Region Dogiyai zu verhindern. Vorausgegangen waren schwere Ausschreitungen, die durch den Tod eines Polizeibeamten ausgelöst wurden. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen führten anschließende Operationen der Sicherheitskräfte zum Tod von mindestens fünf Zivilisten.

Der Minister für Menschenrechte, Natalius Pigai, gab am Montag bekannt, dass das Team vor Ort den Dialog mit verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen aufgenommen habe. „Sie führen derzeit intensive Gespräche mit verschiedenen Akteuren, darunter Gemeindemitglieder, Opfer, Stammeshäuptlinge, Kirchenvertreter und regionale Beamte“, erklärte Pigai. Der Minister, der selbst katholisch ist und aus Papua stammt, betonte, dass die Öffentlichkeit über die Ergebnisse informiert werde, sobald ein vollständiger Bericht vorliege.

Chronologie der Ereignisse

Die Unruhen begannen am 31. März, nachdem der Leichnam des Polizeibeamten Jufentus Edowai in einem Graben vor der Kingmi-Ebenhaezer-Kirche in Moanemani gefunden worden war. Die Gruppe „Solidarität des papuanischen Volkes“ gab an, dass Polizei und Militär daraufhin bis zum 2. April eine „Vergeltungsoperation“ durchgeführt hätten.

Laut einer Erklärung der Gruppe kam es dabei zu „willkürlichen Schüssen in alle Richtungen“ sowie Durchsuchungen in Wohngebieten. Unter den fünf getöteten Zivilisten sollen sich eine 70-jährige Frau sowie zwei Kinder im Alter von elf und zwölf Jahren befinden. Als Reaktion auf das Vorgehen der Sicherheitskräfte griffen Anwohner eine Polizeistation in Dogiyai an. Der stellvertretende Polizeichef von Dogiyai, Ngarifin, bestätigte Schäden am Gebäude und Verletzungen bei zwei Beamten. Tatverdächtige im Mordfall des Polizisten wurden bislang nicht identifiziert.

Kritik an militärischem Vorgehen

Wirya Adiwena, stellvertretender Direktor von Amnesty International Indonesien, verurteilte die Tötung des Polizisten als schweres Verbrechen, kritisierte jedoch die staatliche Reaktion. Das Ausmaß der Gewalt lege den Verdacht „außergerichtlicher Tötungen“ nahe. „Dieser Vorfall bestätigt, dass die Zivilbevölkerung weiterhin die verwundbarste Gruppe im Konfliktzyklus bleibt“, so Adiwena.

Laut einem aktuellen Bericht des ,Human Rights Monitor' vom 26. März wurden seit Januar über 107.000 Zivilisten in der Region durch militärische Operationen und bewaffnete Konflikte vertrieben.

Papst Franziskus hatte im September 2024 im Rahmen einer Apostolischen Reise auch Indonesien und das angrenzende Papua-Neuguinea besucht. Zentral-Papua liegt auf dem indonesischen Teil der Insel Neuguinea. 

(ucan - mg)

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.

08. April 2026, 14:19