Massive Proteste fordern in La Paz den Rücktritt des bolivianischen Präsidenten Rodrigo Paz, der seit sechs Monaten im Amt ist Massive Proteste fordern in La Paz den Rücktritt des bolivianischen Präsidenten Rodrigo Paz, der seit sechs Monaten im Amt ist   (CLAUDIA MORALES)

Bolivien: Kirche will bei Protesten vermitteln

Nach drei Wochen Straßenblockaden und Proteste in Bolivien bietet die katholische Kirche sich als Vermittlerin an. Tausende demonstrieren in und um Boliviens Regierungssitz La Paz gegen gestiegene Lebenshaltungskosten und Verarmung und fordern den Rücktritt des Präsidenten.

In einer Stellungnahme ruft die Kirche „die Konfliktparteien und die Regierungsbehörden dazu auf, angesichts der schwierigen Lage, in der sich das Land befindet, den Weg des Dialogs mit Aufrichtigkeit und Verantwortungsbewusstsein wieder aufzunehmen.“

Die Kirche erkenne an, dass es berechtigte Forderungen und Anliegen bestimmter Bevölkerungsgruppen gebe, die Beachtung verdienten, heißt es laut Katholischer Nachrichten-Agentur (KNA) in einer vom Bischof von El Alto, Giovani Arana, zugleich Generalsekretär der Bischofskonferenz, am Montag verlesenen Erklärung. Gleichzeitig warnten die Bischöfe jedoch vor dem zunehmenden Leid der Bevölkerung durch die anhaltenden Blockaden: Familien litten unter Versorgungsengpässen, Kranken fehle es an medizinischer Versorgung, es herrschten Unsicherheit und Angst, besonders unter den Ärmsten und Schwächsten.

Präsident Paz offen für Dialog

Um die Krise zu lösen, seien ein echter Wille zur Verständigung und die Bereitschaft, starre Positionen aufzugeben, notwendig. Die Kirche sei bereit, alle aufrichtigen Bemühungen um Annäherung und Versöhnung zu begleiten. Boliviens konservativer Präsident Rodrigo Paz, der seit sechs Monaten im Amt ist, erklärte: „Ich werde mich nach Kräften um einen Dialog bemühen, aber alles hat seine Grenzen.“

Regierungsvertreter beschuldigen den linkspopulistischen Ex-Präsidenten Evo Morales, gezielt Proteste zu schüren, um von Vorwürfen und Ermittlungen wegen Missbrauchs und Menschenhandels abzulenken und seine Verhaftung zu verhindern. Die Gewerkschaften werfen umgekehrt der Regierung vor, wirtschaftspolitische Entscheidungen auf Kosten der einkommensschwachen Bevölkerungsschichten zu treffen.

(kap – gs)

 

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.

26. Mai 2026, 14:53