Frankreich: Oxfam kritisiert wachsende Ungleichheit
Zum Auftakt des G7-Gipfels im französischen Évian hat die Hilfsorganisation Oxfam die führenden westlichen Industrienationen zu einem grundlegenden Kurswechsel in der Entwicklungszusammenarbeit aufgerufen. Nach Angaben der Organisation haben die G7-Staaten ihre Mittel für Entwicklungsprogramme zwischen 2024 und 2025 um insgesamt 48 Milliarden US-Dollar reduziert. Diese Summe entspreche dem Vermögen, das Milliardärinnen und Milliardäre in den sieben Ländern desselben Zeitraums in nur neun Tagen angehäuft hätten.
Die Not der Menschen wächst
Die Folgen der Kürzungen bezeichnete Oxfam als katastrophal. „Seit 2019, als Frankreich zuletzt den Vorsitz des G7-Gipfels innehatte, sind jede Minute 44 Menschen in eine humanitäre Notlage geraten“, erklärte die Organisation. Die aktuelle Ebola-Krise in der Demokratischen Republik Kongo etwa, treffe ein Land, dessen Gesundheits- und Überwachungssysteme durch die massiven Mittelkürzungen geschwächt worden seien. „Durch ein funktionierendes Frühwarnsystem hätte der Ausbruch vermutlich Wochen eher erkannt werden können.“
Kritik übte die Organisation auch an den Gewinnen großer Ölkonzerne. Diese hätten ihre Erträge während des Irankriegs auf rund 400 Millionen US-Dollar pro Tag gesteigert. Oxfam forderte die Bundesregierung und die übrigen G7-Staaten auf, Milliardenvermögen sowie Übergewinne zu besteuern und die Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit zu erhöhen.
Proteste im Vorfeld
Zu den G7-Staaten gehören Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Großbritannien und die USA an. Die Europäische Union hat einen Beobachterstatus. Frankreich hat derzeit den Vorsitz der Staatengruppe. Der Gipfel in Évian, am Südufer des Genfer Sees, begann an diesem Montag und dauert bis Mittwoch. Bereits im Vorfeld hatten Tausende Menschen in Genf gegen das Gipfeltreffen protestiert, zu dem unter anderem auch US-Präsident Donald Trump erwartet wird.
(kna – nm)
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