Sarah Mullally steht seit Januar 2026 an der Spitze der anglikanischen Weltgemeinschaft Sarah Mullally steht seit Januar 2026 an der Spitze der anglikanischen Weltgemeinschaft 

Großbritannien: Anglikaner bitten um Vergebung

Die anglikanische „Church of England“ hat offiziell für ihre Rolle bei Zwangsadoptionen um Entschuldigung gebeten.


„Wir bedauern zutiefst das Leid, das Trauma und die Stigmatisierung, die viele Menschen aufgrund historischer Adoptionspraktiken in Einrichtungen der Church of England erfahren haben - und bis heute mit sich tragen.“ Das sagte Sarah Mullally in einem am Donnerstag veröffentlichten Video. Als Erzbischöfin von Canterbury steht sie an der Spitze der anglikanischen Kirche.

Tausende unverheiratete Mütter in Mutter-Kind-Heimen wurden über Jahrzehnte unter Druck gesetzt, ihre Kinder zur Adoption freizugeben. Die Schwangerschaft sollte so vor der Gesellschaft verborgen werden. Mullally betonte: „Die Scham, die ihnen auferlegt wurde, war ungerechtfertigt.“ Stattdessen müsse sich die Kirche zutiefst dafür schämen, dass Menschen in der Obhut christlicher Gemeinschaften dies erleben mussten.


Rund 185.000 Zwangsadoptionen

Ebenfalls veröffentlicht wurde eine Untersuchung zur Praxis der Zwangsadoptionen in den Jahren 1949 bis 1976. Den Informationen zufolge wurden in diesem Zeitraum in England und Wales rund 185.000 Kinder unverheirateter Mütter zur Adoption freigegeben.

An wie vielen die Kirche beteiligt war, lasse sich nicht sagen. Im untersuchten Zeitraum sei die Kirche allerdings an „möglicherweise mehr als 200“ Heimen beteiligt gewesen. Sie seien dezentral geführt worden.


Zahlreiche Dokumente ausgewertet

Ausgewertet wurden den Angaben zufolge vorwiegend Unterlagen aus der kircheneigenen Lambeth Palace Library. Untersucht wurden zudem Sitzungsprotokolle, Grundsatzpapiere, Jahresberichte der Heime sowie Richtlinien für Personal und Seelsorger. Auch wurden Gespräche mit betroffenen Müttern und adoptierten Kindern geführt. Videos von zwei Betroffenen sind auch auf der Homepage der Church of England zu sehen.

Am Mittwoch hatte bereits Bildungsministerin Bridget Phillipson angekündigt, die Regierung werde „sehr bald im Namen des Staates umfassend bei all jenen um Entschuldigung bitten, die von den historischen Zwangsadoptionen in England betroffen waren“. Der Parlamentsausschuss für Menschenrechte hatte 2021 eine Untersuchung eingeleitet.

(kna – sk)

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19. Juni 2026, 13:19