Corinne Fleischer vom WFP: „Hunger übergreift alle Religionen“
Das Welternährungsprogramm WFP setzt sich weltweit dafür ein, Nahrungsmittelhilfe in Konfliktgebieten oder nach Naturkatastrophen zu leisten und ist in mehr als 120 Ländern und Regionen aktiv, um Nahrung und lebensnotwendige Mittel zu verteilen. Corinne Fleischer, Direktorin für die Logistik und den Transport von Hilfsgütern weltweit, verdeutlicht im Gespräch mit uns: „Das Augenmerk lag auf Hunger und die Notwendigkeit, Hunger zu bekämpfen“.
Interview
Was hat der Besuch des Papstes für das World Food Programme, aber auch für die Mission dahinter bedeutet?
Es war eine einmalige Gelegenheit, das Augenmerk auf die 266 Millionen Leute zu richten, die an akutem Hunger leiden. Auf die Familien, die Kinder, die Väter, die Mütter, die keine Hoffnung mehr haben, weil sie nicht wissen, was sie am Abend essen können und hungrig zu Bett gehen.
Es war ein unglaublich schönes Ereignis. Der Papst ist auf die Einladung von unserer Exekutivdirektorin hin gekommen und zuerst zu unserer Symbolstätte für den Friedensnobelpreis gegangen, den wir 2020 bekommen haben. Dann ist er zur Gedenkstätte gegangen, an der die Namen der 171 WFP-Mitarbeiter stehen, die im Kampf gegen Hunger an den Frontlinien ihr Leben gelassen haben.
Dann hat er unseren Verwaltungsrat angesprochen. Sehr eloquent, er weiß genau, was Sache ist, woher Hunger kommt. Er hat gesagt, dass Hunger die Ursache und das Resultat von Konflikt und Krieg ist. Und am Schluss hat er unsere Mitarbeitenden getroffen, da war er sehr warm und hat ihnen für das gedankt, was sie tun. Wir hatten sechs Mitarbeitende online und er wollte dann, dass Sie ihm sagen, wo sie sind und was sie machen. Ich glaube nicht, dass das vorgesehen war, aber es war sehr, sehr schön.
Es braucht politischen Willen für Frieden
Unsere Fahrerin aus Südsudan und zwei Mitarbeiter, einer aus Venezuela und einer aus dem Libanon haben kurz erklärt, was sie machen. Er hat uns gesagt, wie wichtig dies ist und hat einen Aufruf an viele gemacht. Zuerst an die Politiker, dass ein politischer Wille da sein muss für Frieden. Auch, dass mehr Gelder gegeben werden müssen, um Hunger zu bekämpfen und er hat auch einen Aufruf für multilaterale Aktionen gemacht. Er hat gesagt: ,Kein Staat kann es alleine machen, wir müssen es zusammen machen.`Das war wirklich sehr, sehr eindrucksvoll.
In seiner Rede hat er den Appell ausgesprochen, dass die Zusammenarbeit mit kirchlichen Einrichtungen und Organisationen enger geschnürt werden könnte. Wie blicken Sie darauf?
Ich meine, Hunger übergreift alle Religionen. Denken Sie an unsere großen Operationen. 20 Millionen Leute haben Hunger im Sudan, in Myanmar, in Bangladesch, in Afrika, im Sudan, im Südsudan, in Westafrika, Nigeria. Und jetzt natürlich Ebola in der Demokratischen Republik Kongo, wo Hunger schon vorher so stark war. Darum müssen wir alle zusammenarbeiten, mit allen Religionen. Der Papst hat damit gezeigt, wie wichtig das ist und hat wirklich das Augenmerk auf Hunger und die Notwendigkeit, Hunger zu bekämpfen, geleitet.
Was können die Mitarbeitenden aus dieser Begegnung mit dem Papst mitnehmen in ihre weitere Arbeit?
Sicher eine Anerkennung für die große Arbeit und die schwierige Arbeit, die sie machen. Ich meine, viele Operationen haben nicht genug Geld, um alle Bedürftigen zu unterstützen.
Aber wir haben ja auch große Schwierigkeiten, in mehrere Gebiete zu kommen, weil wir einfach keinen Zugang haben. Dazu hat er auch gesprochen: Ein Appell, dass die Hindernisse beseitigt werden müssen, damit wir alle Menschen, die uns brauchen, auch erreichen können. Das ist natürlich sehr wichtig. Stellen Sie sich vor: Dort sind Mitarbeiter, die da am Checkpoint stehen und nicht durchkönnen. Aber sie wissen, dass auf der anderen Seite Leute sind, die Hilfe brauchen. Das ist natürlich ein Booster für die Moral.
Mit Corinne Fleischer sprach Nele Maesmanns.
(vatican news)
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