Kanada Kanada  (Mathieu Belanger)

Kanada: Bischöfe fordern Überprüfung der Sterbehilfepraxis

Die Bischöfe Kanadas haben die Gläubigen und die Öffentlichkeit dazu aufgerufen, die Entwicklung der gesetzlichen Regelung zur medizinischen Sterbehilfe (MAiD) nach zehn Jahren Bestehen zu hinterfragen. Im Juni 2016 verabschiedete das kanadische Parlament das Bundesgesetz „Bill C-14“, das am 17. Juni 2016 die königliche Zustimmung erhielt. Diese Regelung erlaubt es Erwachsenen unter bestimmten gesetzlichen Voraussetzungen, Zugang zu aktiver Sterbehilfe und assistiertem Suizid zu erhalten.

Der Ständige Ausschuss für Familie und Leben der Kanadischen Konferenz der katholischen Bischöfe forderte dazu auf, der Praxis der Euthanasie weiterhin ablehnend gegenüberzustehen und kranken sowie pflegebedürftigen Menschen verstärkt Beistand zu leisten. „Wir lehnen eine Gewöhnung an den Status quo der Euthanasie in Kanada ab“, hieß es in einer Erklärung vom 10. Juni. Die Bischöfe erklärten, dass die Kirche die Aufgabe habe, leidende Menschen nicht allein zu lassen, sondern sie mit Mitgefühl und praktischer Fürsorge zu begleiten. Ziel sei es, wirksame Strategien zu entwickeln, um Personen mit schweren körperlichen oder psychischen Erkrankungen, Menschen mit Behinderungen sowie Sterbende und deren Angehörige konkret zu unterstützen.

Nach dem aktuellen Gesetz können berechtigte Erwachsene medizinisches Personal mit der Verabreichung einer tödlichen Substanz betrauen oder diese zur Selbstverabreichung anfordern. Zu den Kriterien gehören die Volljährigkeit, die Urteilsfähigkeit, ein Anspruch auf das öffentliche Gesundheitssystem sowie das Vorliegen einer schweren, unheilbaren Krankheit oder Behinderung in einem fortgeschrittenen Stadium unumkehrbaren Verfalls, die unerträgliches Leiden verursacht. Zudem muss die Freiwilligkeit des Antrags ohne äußeren Druck nachgewiesen werden.

Sterbefälle nehmen jährlich zu

Unter Berufung auf den sechsten Jahresbericht der Regierung für das Jahr 2024 wiesen die Bischöfe darauf hin, dass der Anteil dieser Sterbefälle jährlich zunimmt. Im Jahr 2024 machte MAiD demnach 5,1 Prozent aller Todesfälle in Kanada aus, was 16.499 Personen entspricht. Die Bischöfe sprachen in diesem Zusammenhang von dem weltweit am schnellsten wachsenden Euthanasieprogramm. Sie äußerten zudem Bedenken hinsichtlich der schrittweisen Lockerung der Kriterien. Während 2016 der Tod des Patienten noch „absehbar“ sein musste, erweiterte eine Gesetzesänderung im Jahr 2021 den Zugang auf Personen, deren Zustand als schwer und unheilbar gilt, ohne dass ein baldiges Ableben prognostiziert sein muss.

Eine weitere geplante Ausweitung auf Personen, die ausschließlich an einer psychischen Erkrankung leiden, ist nach einer gesetzlichen Verschiebung für den 17. März 2027 vorgesehen. Parallel dazu wurde im Parlament die Initiative „Bill C-218“ eingebracht, die diese spezifische Erweiterung der Sterbehilfe dauerhaft stoppen soll.

Die Bischöfe unterstrichen, dass eine Antwort auf menschliches Leiden nicht in der Herbeiführung des Todes, sondern in der Bereitstellung von Hoffnung, menschlicher Nähe und adäquater Schmerzlinderung liegen müsse. Die katholische Lehre fordere Behandlungsmethoden, die das Sterben weder künstlich verlängern noch vorsätzlich beschleunigen. Zum Abschluss dankten die Bischöfe den Organisationen, Pfarreien und medizinischen Fachkräften, die sich in den vergangenen zehn Jahren für den Lebensschutz und die Betreuung von Kranken eingesetzt haben.

(ucan - mg)

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17. Juni 2026, 10:42