Kolumbien: Adveniat warnt vor Eskalation der Gewalt
Bei der Stichwahl erzielte er einen Vorsprung von rund einem Prozent, beziehungsweise circa 240.000 Stimmen vor dem linken Gegenkandidaten Iván Cepeda. Obwohl die amtliche Überprüfung der Wahlprotokolle noch andauert, gilt das Ergebnis als gesichert und de la Espriella wird im Land bereits als gewählter Präsident anerkannt. Bereits in der ersten Runde lag de la Espriella in Führung, woraufhin die drittplatzierte rechte Kandidatin Paloma ihre Unterstützung für ihn aussprach und ihre Stimmen weitgehend auf ihn übertragen konnte.
Das knappe Wahlergebnis verdeutlicht die Spaltung der kolumbianischen Gesellschaft. Der Wahlsieg des politischen Neulings de la Espriella gründet maßgeblich auf der Enttäuschung der Bevölkerung über die Bilanz der scheidenden Regierung von Gustavo Petro. Dieser konnte zwar im sozialen Sektor Reformen wie die Anhebung des Mindestlohns und den Ausbau der sozialen Sicherungssysteme umsetzen, verfehlte jedoch sein zentrales Versprechen eines umfassenden Friedens („paz total“). Stattdessen war in den vergangenen Jahren eine Zunahme der Gewalt im Land zu verzeichnen.
Sicherheitspolitische Kurs
Sorge bereitet dem Hilfswerk Adveniat insbesondere der angekündigte sicherheitspolitische Kurs des künftigen Präsidenten. De la Espriella plant eine militärische Offensive in den ersten 90 Tagen seiner Amtszeit, um die schätzungsweise 24.000 aktiven bewaffneten Kämpfer im Land zu bekämpfen. Maier weist darauf hin, dass ähnliche militärische Ansätze früherer Regierungen das Problem der Guerilla-Gruppen nicht lösen konnten und primär zu Lasten der Zivilbevölkerung gingen. Es besteht die Befürchtung, dass sich die Gewaltspirale dadurch erneut dreht. Zudem orientiert sich de la Espriella an dem salvadorianischen Präsidenten Nayib Bukele, dessen restriktives Vorgehen gegen Jugendbanden mit der Einschränkung rechtsstaatlicher Prinzipien und einem dauerhaften Ausnahmezustand einhergeht.
Neben Bukele benannte de la Espriella im Wahlkampf den US-Präsidenten Donald Trump sowie den argentinischen Präsidenten Javier Milei als Vorbilder für seine künftige Wirtschaftspolitik, die auf einen Abbau staatlicher Ausgaben abzielt. Damit reiht sich Kolumbien in eine regionale Tendenz in Lateinamerika ein, bei der konservative und rechte Politiker mit dem Versprechen auf geordnete Verhältnisse und der Bekämpfung der organisierten Kriminalität Wahlerfolge in Ländern wie Argentinien, Chile, Ecuador und El Salvador erzielen konnten.
Förderung von Dialog und Versöhnung
Trotz der veränderten politischen Rahmenbedingungen sieht das Hilfswerk Adveniat weiterhin eine wesentliche Aufgabe in der Förderung von Dialog und Versöhnung. Die katholische Kirche und die Bischofskonferenz genießen in der überwiegend katholischen Bevölkerung ein hohes Ansehen und agierten bereits in der Vergangenheit als Brückenbauer. Initiativen wie die von Kardinal Luis José Rueda Aparicio begleiteten „Dialoge für eine edle Sache“ führten Politiker verschiedener Lager zusammen, um Lösungsansätze gegen die soziale Ungerechtigkeit zu erarbeiten. Adveniat kündigte an, die Projektarbeit vor Ort zu intensivieren, da Konflikte dauerhaft nicht rein militärisch zu lösen seien. Auch der Vatikan verfolgt die Entwicklungen aufmerksam; der Vorsitzende der kolumbianischen Bischofskonferenz informierte jüngst Papst Leo in Rom über die aktuelle Lage.
(domradio - mg)
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