Polen: Kardinal Ryś für Gewissensprüfung zu Antisemitismus

Nach der Protestwelle gegen einen Hirtenbrief der polnischen Bischöfe zu Antisemitismus sieht der Initiator des Briefes, Kardinal Grzegorz Ryś, die Bischöfe „zu einer sehr ernsthaften Gewissensprüfung“ aufgerufen.

Wenn die grundlegenden Wahrheiten des Zweiten Vatikanischen Konzils „für manche fremd klingen, bedeutet das, dass wir sie nicht weitergegeben haben“. Das sagte der Erzbischof von Krakau in einem Interview mit der „Herder Korrespondenz“ (Juli-Ausgabe). Denn der Hirtenbrief habe „nichts Neues“ enthalten, sondern bestehe fast ausschließlich aus Zitaten aus dem gültigen Katechismus.

„Ein Mangel an Liebe“

Antisemitismus sei eine Sünde und „ein Mangel an Liebe“. Er äußere sich nicht immer als Hass, sondern tarne sich auch als „Gleichgültigkeit, Passivität, Desinteresse oder Gefühllosigkeit“. Der entscheidende Punkt seien Dialog und Begegnungen zwischen Christen und Juden.

Auslöser der teils hasserfüllten Protestwelle war ein Hirtenbrief, der an den historischen Besuch von Papst Johannes Paul II. in einer Synagoge vor vierzig Jahren erinnerte. In dem Brief hieß es unter anderem wörtlich: „Israel bleibt das auserwählte Volk“. Viele polnische Priester weigerten sich nach Medienangaben, das Schreiben während der Messfeier zu verlesen.

Die Jan-Karski-Gesellschaft verglich die aufgeheizte Debatte mit einer Hetzkampagne der kommunistischen Behörden gegen den historischen Versöhnungs-Briefwechsel der polnischen und deutschen Bischöfe von 1965.

(hk – sk)
 

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29. Juni 2026, 10:03