Slowenien: Gedenken an Opfer von Massenhinrichtungen
Ein würdevoller Umgang mit den Toten stärke das soziale Vertrauen und die Versöhnung, sagte der Kirchenvertreter am Wochenende bei der jährlichen Gedenkfeier am Massengrab der Karsthöhle Macesnova gorica im Gottscheer Hornwald (Kocevski rog). Neben zahlreichen Vertretern aus Zivilgesellschaft und Kirche nahm auch Ministerpräsident Janez Jansa teil.
Kriegsgräber und Opferbestattungen
Macesnova gorica gilt als eine der größten Stätten verborgener Massengräber in Slowenien. 2022 wurden dort die sterblichen Überreste von 3.450 Opfern exhumiert, überwiegend Slowenen, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ohne Gerichtsverfahren getötet worden waren. Laut der am 26. Mai unter Führung von Jansas neuer Mitte-Rechts-Koalition im Parlament beschlossenen Novelle des Gesetzes über Kriegsgräber und Opferbestattungen sollen sie auf dem Zentralfriedhof in Ljubljana beigesetzt werden. Auch die katholische Kirche in Slowenien hatte sich in den vergangenen Jahren dafür eingesetzt.
Das Parlament führte zudem den 17. Mai als Gedenktag für die Opfer kommunistischer Gewalt wieder ein. Den 2022 von der damaligen Jansa-Regierung erstmals ausgerufenen Gedenktag hatte die bis vor wenigen Wochen amtierende linksliberale Koalition unter Robert Golob 2023 wieder abgeschafft.
Die Achtung der Verstorbenen
Bischof Saje bezeichnete Macesnova gorica in seiner Predigt am 6. Juni als einen Ort, an dem die slowenische Geschichte die grundlegenden Fragen der Menschenwürde, der Wahrheit und des Sinns des Lebens berühre. Viele der Getöteten seien jahrzehntelang ohne Namen im öffentlichen Gedächtnis und ohne Grabstätte geblieben, an der ihre Angehörigen beten konnten. Die Achtung vor den Verstorbenen sei ein wesentliches Merkmal menschlicher Kultur, betonte er. Das Recht auf ein Grab und eine würdige Bestattung sei Ausdruck des Respekts vor jedem Menschen.
Einen besonderen Schwerpunkt legte Saje auf das Thema Versöhnung. Diese sei ein geistlicher Weg der Läuterung des Gedächtnisses, der Heilung von Wunden und der Wiederentdeckung der Brüderlichkeit. „Versöhnung ist nicht der Sieg der einen über die anderen. Sie ist der Sieg des Guten, der es dem Menschen ermöglicht, im anderen wieder einen Bruder zu erkennen“, sagte der Bischof. Zugleich rief er dazu auf, Wahrheit, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Frieden als Grundlage für die Zukunft des slowenischen Volkes zu fördern.
(kap – nm)
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