Kardinal José Cobo Cano mit Papst Leo XIV. Kardinal José Cobo Cano mit Papst Leo XIV.  

Spanien: Kardinal Cobo über Papstbesuch in Madrid

Nach Abschluss der ersten Etappe der Spanienreise von Papst Leo XIV. zieht der Erzbischof von Madrid eine äußerst positive Bilanz dieser drei Tage. Im Gespräch mit uns ging er auch auf das Thema sexualisierte Gewalt in der Kirche ein.

Kardinal José Cobo Cano beschrieb den Papstbesuch in Madrid als Tage voller Nachtwachen, Messen und Begegnungen und zeigte sich überrascht über die enorme Resonanz, die der Papstbesuch bereits gehabt hat. Im Interview mit Radio Vatikan in Madrid sprach der Kardinal über die Generation Z und die Sehnsucht nach Transzendenz in der Gesellschaft. Nach Missbrauchsprävention in der spanischen Kirche gefragt, zeigte sich der Kirchenvertreter überzeugt, dass man an einem guten Punkt sei: „Es ist ein Übel der Vergangenheit, aber ein Übel, das wir für die Zukunft zu verhindern versuchen."

Nach der erste Etappe in Madrid setzt Papst Leo die Reise ab diesen Dienstag in Barcelona und ab Donnerstag auf den Kanarischen Inseln fort.

Jeder soll je nach Berufung Verantwortung übernehmen

Können Sie uns einen Überblick über die vergangenen Tage der Papstreise in Madrid geben?

Kardinal Cobo: Es waren Tage intensiver Vorbereitung. Akribischer Vorbereitung, denn wir wollten nicht, dass diese Reise nur ein Ereignis, sondern vielmehr ein Weg sein sollte. Wir waren überrascht von der Resonanz, die wir und der Heilige Vater erfahren haben. Das betrifft nicht nur die Teilnehmerzahl, sondern auch die Herzlichkeit der Kirche in Madrid und die Herzlichkeit des Empfangs im Parlament.

Welche Schwierigkeiten könnten in dieser Zeit des kirchlichen Wandels auftreten und wie können wir ihnen begegnen - nicht nur in Spanien, sondern in der Weltkirche?

Cobo: Zunächst einmal müssen wir die Herausforderung annehmen und anerkennen, dass wir eine Zeit des Wachstums erleben. Eine Zeit, die wir gestalten müssen – und zwar unter Einbeziehung der Laien, durch ihre Ausbildung und indem wir ihnen vertrauen. Es ist eine schrittweise Übernahme von Verantwortung… Ich glaube, dass der gesamte synodale Weg hierfür eine Orientierung bietet, und das ist der Weg, den wir eingeschlagen haben. Nämlich, dass jeder gemäß seiner Berufung seinen Platz in der Kirche einnimmt und Verantwortung übernimmt.

Junge Generation auf der Suche

Es ist interessant zu beobachten, wie die neuen Generationen, die sogenannte Generation Z, aus freiem Willen den Weg für eine erneuerte Kirche ebnen.

Cobo: Ich glaube ganz klar, dass ein Erwachen im Gange ist. Aber dieses Erwachen muss geleitet werden. Einige Berichte zeigen uns, dass die Menschen ein Verlangen nach Transzendenz haben. Gleichzeitig müssen wir ihnen auch ein Erwachen zum Wesen Jesu Christi, zum Evangelium und zur Tradition der Kirche bieten und ihnen helfen, sich nicht davon zu entfernen. Ich glaube, dass wir uns in diesem Moment diesbezüglich einer großen Herausforderung gegenübersehen: Die Menschen zur Erfahrung des Glaubens an Jesus Christus zu führen und zur Erfahrung des Glaubens an die Kirche.

Fortschritte im Kampf gegen Missbrauch

Stichwort sexualisierte Gewalt in der Kirche: der Papst hat am Montag in der Nuntiatur einige Missbrauchsüberlebende empfangen. Wie weit sind Sie im Kampf gegen dieses Übel?

Cobo: Es ist ein Übel der Vergangenheit, aber ein Übel, das wir für die Zukunft zu verhindern versuchen. Es ist eine Herausforderung, der sich die Kirche stellen muss, und zumindest in der Erzdiözese Madrid arbeiten wir seit zehn Jahren daran und begleiten die Opfer. Es gab auch Momente, in denen wir um Vergebung gebeten haben. Denn wir schaffen eine Kultur, die sich von der vorherigen unterscheidet. In der die Kirche Unterstützung bietet und sicherstellt, dass sich kein Opfer ausgeschlossen fühlt. Tatsache ist, dass es sich um ein sehr vielfältiges Bild handelt. Es gibt nicht nur „Opfer“, sondern jedes Opfer ist einzigartig und jedes Opfer braucht besondere Fürsorge. Daher kann man nicht allgemein von Opfern sprechen. Insgesamt machen wir Fortschritte, und jetzt ist auch die Regierung involviert. Die Vereinbarungen mit der Regierung, der Bischofskonferenz und den Diözesen zeigen einen recht positiven Weg.

Papst Leo wandte sich auch an die Bischöfe hinsichtlich der Situation der Missbrauchsopfer und ermutigte jeden von ihnen, sie immer mehr anzuhören und zu begleiten.

Cobo: Ich glaube, der Papst hat die Rolle der barmherzigen Kirche erkannt, die eine Berufung ist, die die Kirche schon immer hatte. Die Kirche ist am Fuße eines Kreuzes entstanden, am Fuße eines Opfers. Ich glaube, dass die Kirche immer als jene identifiziert werden muss, die den Schwachen und den Gekreuzigten zur Seite steht. Der Papst hat dieses Konzept auf alle Lebensbereiche übertragen, indem er von den Schwachen sprach und von den Opfern. Er hat uns somit daran erinnert, dass die Haltung der Kirche, im Sinne der Begleitung und Unterstützung, niemals vergessen werden darf.

Die Fragen stellte unser italienische Kollege Salvatore Cernuzio, der derzeit in Spanien den Papstbesuch begleitet.

(vatican news – nm)

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09. Juni 2026, 13:48