Bischof von Teneriffa: Papst lädt ein, Mauern der Gleichgültigkeit einzureißen
María Cecilia Mutual und Christine Seuss – Teneriffa/Vatikanstadt
Santiago, der auch für die Inseln La Palma, La Gomera und El Hierro zuständig ist, sprach von einer „überwältigenden Resonanz“ bei allen Stationen der Reise. „Die Menschen haben seine Reden, seine Worte und seine Gesten sehr geschätzt“, erklärte der Bischof. Der Besuch sei „zweifellos eine äußerst erfolgreiche Reise“ gewesen – sowohl hinsichtlich der Beteiligung der Gläubigen als auch der Aufnahme des Papstes in Spanien.
Besonders auf den Kanarischen Inseln habe Leo XIV. die Aufmerksamkeit auf die Situation der Migranten gelenkt, die über die gefährliche Atlantikroute aus Afrika nach Europa gelangen. Dabei erinnerte der Papst daran, dass die größten Hindernisse für ein menschenwürdiges Zusammenleben oft nicht sichtbar seien. Die schwierigsten Mauern, so seine Mahnung, bestünden „nicht immer aus Stein, sondern aus Gleichgültigkeit“.
Der zweite Schiffbruch
Der Bischof verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass viele Menschen nach ihrer gefährlichen Überfahrt einen „zweiten Schiffbruch“ erlebten. Davor habe auch Papst Leo gewarnt: „Der Moment, in dem Menschen ankommen und sich allein gelassen fühlen, nicht willkommen geheißen werden.“ Deshalb habe der Papst Kirche und Gesellschaft dazu aufgerufen, eine Kultur der Aufnahme und Gastfreundschaft zu fördern. Die Kirche müsse „diese Brüder und Schwestern aufnehmen, ihnen helfen, als Menschen zu wachsen, Fortschritte zu machen und sich in Gesellschaft und Kirche zu integrieren“, machte sich Bischof Santiago die Worte des Papstes zu eigen.
Besonders bewegend seien die klaren und unmissverständlichen Worte Leos gegen jene gewesen, die aus der Not anderer Gewinn schlagen. „Das waren sehr eindringliche, sehr starke Worte“, sagte der Bischof. Er selbst sei „tief bewegt“ gewesen, als er die Entschlossenheit des Papstes erlebt habe, mit der dieser die Menschenhändler-Mafias anprangerte. Leo XIV. habe jene zur Umkehr aufgerufen, die Menschen ausbeuten und aus ihrer Verzweiflung Profit ziehen, und daran erinnert, dass „der Schrei der Armen bis zum Himmel, bis zu Gott gelangt, der diesen nicht unbeachtet lassen wird“.
Berührender Aufruf zur Umkehr
Santiago verglich diesen Moment mit dem berühmten Aufruf Johannes Pauls II., als er die Mafia auf Sizilien eindringlich zur Umkehr aufrief. „Ebenso hat Papst Leo XIV. hier auf Teneriffa mit dieser Entschlossenheit und Vehemenz gesprochen. Ich glaube, das hat alle, die anwesend waren, tief berührt – ebenso jene, die seine Worte später gelesen oder in den Medien verfolgt haben.“
Neben seinen Reden seien es vor allem die Gesten des Papstes gewesen, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen hätten, eine „nonverbale Sprache“ der Nähe. Leo XIV. habe nicht nur über Aufnahme und Barmherzigkeit gesprochen, sondern diese selbst vorgelebt. „Man konnte sehen, wie er die Migrantenkinder umarmte, die ihm beinahe in die Arme sprangen, wie er sie auffing und liebevoll an sich drückte. Man konnte beobachten, wie er die Migranten in der Aufnahmeeinrichtung Las Raíces ansah, ihnen direkt in die Augen blickte, jeden Einzelnen begrüßte und seine Nähe durch konkrete Gesten zum Ausdruck brachte“, berichtete der Bischof. Solche Gesten, so Santiago, machten sichtbar, „wie wichtig Nähe ist“ und brächten „die Zärtlichkeit der Kirche als Mutter“ zum Ausdruck.
Nicht nur eine Erinnerung
Für die Kirche auf Teneriffa beginne nun die Aufgabe, die Worte und Impulse des Papstes in konkretes pastorales Handeln zu übersetzen. „Unsere Absicht ist es, dass dieser historische Besuch nicht bloß als vergangenes Ereignis in Erinnerung bleibt“, erklärte der Bischof, sondern „viele Früchte in unserer Diözesankirche hervorbringt“. Deshalb sollen die Ansprachen und Predigten des Papstes nun in den Gemeinden und pastoralen Einrichtungen studiert und in konkrete Projekte umgesetzt werden. „So wollen wir auf die Einladung des Papstes antworten, weiterhin eine aufnehmende Kirche zu sein, eine Kirche, die gemeinsam mit anderen wirkt, eine Kirche, die Jesus Christus in der spannenden Aufgabe der Evangelisierung verkündet.“
Als wichtigste Botschaft des Papstes für die Kirche, die spanische Gesellschaft und die Welt sieht Santiago eine Einladung zu einem mutigen und glaubwürdigen christlichen Zeugnis. Leo XIV. ermutige die Gläubigen, ihren Glauben „ohne Angst und ohne Komplexe“ zu leben – in der Liebe zu den Armen, im Einsatz für Gerechtigkeit und in der Verantwortung für eine friedlichere Welt: „Er ruft uns dazu auf, für eine friedlichere Welt zu arbeiten und dabei nicht untätig zu bleiben, sondern als Kirche mutig voranzugehen, das Evangelium zu leben und die Soziallehre der Kirche ernst zu nehmen. Diese hilft uns, unseren Platz in der heutigen Welt und im internationalen Kontext zu finden.“
Die zentrale Botschaft: Frieden
Der Papst habe deutlich gemacht, dass die Sendung der Kirche nicht allein in sozialem Engagement bestehe. Sie sei zugleich berufen, den Menschen die Begegnung mit Jesus Christus anzubieten, die dem Leben Sinn, Freude und Hoffnung schenke. „Ich glaube, die Einladung des Heiligen Vaters besteht darin, als Kirche der Seligpreisungen weiterzugehen, als barmherzige Kirche nach dem Vorbild des Samariters, als dienende Kirche im Dienst der Menschen, die das menschliche Leben und die Würde jedes einzelnen Menschen verteidigt.“
Gleichzeitig rufe er alle dazu auf, sich für eine gerechtere und geschwisterlichere Welt einzusetzen, so der Bischof aus Teneriffa weiter. Als zentrale Botschaft des Papstes identifiziert Bischof Santiago dessen Aufruf zum Frieden – einem Frieden, den Leo XIV. als „entwaffnet und entwaffnend“, demütig und beharrlich beschreibt: „Ein Frieden, der die Gegenwart Gottes sichtbar macht und jene universale Geschwisterlichkeit fördert, zu der wir alle berufen sind.“
(vatican news)
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