Christen in Sri Lanka feiern einen Gottesdienst Christen in Sri Lanka feiern einen Gottesdienst  (ANSA)

Sri Lanka: Katholiken setzen auf Dialog und Versöhnung

Fast zwei Jahrzehnte nach dem Ende des Bürgerkriegs engagiert sich die katholische Kirche in Sri Lanka weiter für Versöhnung. „Die Kirche ist weiterhin ein Ort der Begegnung, des Dialogs und der Versöhnung“, sagt der Landesdirektor der Päpstlichen Missionswerke.

Die Heilung der Wunden des Bürgerkriegs gehört nach den Worten von Pater Nayagam Roy Clarence, Priester der Diözese Kandy und Landesdirektor der Päpstlichen Missionswerke (POM), zu den zentralen Aufgaben der katholischen Kirche in Sri Lanka. Der Konflikt zwischen Tamilen und Singhalesen, der von 1983 bis 2009 dauerte, wirke bis heute nach.

Ein Ort der Begegnung

„Sowohl die Tamilen als auch die Singhalesen haben während des Konflikts zutiefst gelitten“, sagt der Priester. „Noch heute gibt es vom Leid gezeichnete Gemeinschaften, Witwen, Familien, die ihre Angehörigen verloren haben, Menschen, die auf die vollständige Rückgabe ihres Landes und eine stabile politische Lösung warten“. In diesem Umfeld sei Kirche „weiterhin ein Ort der Begegnung, des Dialogs und der Versöhnung“, betont er.

„Wir wollen eine friedliche Nation aufbauen“

Da in der katholischen Gemeinschaft Tamilen und Singhalesen zusammenlebten, habe die Kirche eine wichtige Rolle beim Friedensaufbau übernommen. Organisationen wie die Caritas Sri Lanka, die Päpstlichen Missionswerke und zahlreiche Ordensgemeinschaften haben Programme für Dialog, Unterstützung und Versöhnung gefördert. „Vergebung und der Wiederaufbau von Beziehungen sind zu einem wesentlichen Bestandteil unseres christlichen Zeugnisses geworden“, berichtet Clarence. „Heute lernen wir als ein einziges Volk weiterhin aus unserer Geschichte und unseren Fehlern“, fügt er hinzu. „Wir wollen eine friedliche Nation aufbauen, die auf harmonischem Zusammenleben und gegenseitigem Respekt gründet.“

Wahrheit und Gerechtigkeit

Zehn Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs hat eine weitere tiefe Wunde Sri Lanka zerrissen: die der Anschläge am Ostersonntag, dem 21. April 2019. Dabei setzte sich die Kirche für Wahrheit und Gerechtigkeit ein. „Wir fordern weiterhin, dass die ganze Wahrheit ans Licht kommt“, sagt der POM-Direktor. Zugleich haben die Kirchenführer „sich persönlich eingesetzt, um jede Form von Rache zu verhindern. Sie haben die Bevölkerung zur Ruhe aufgerufen und sind zu Werkzeugen und Symbolen des Friedens geworden.“

„Wir fordern weiterhin, dass die ganze Wahrheit ans Licht kommt“

Neben den Folgen von Krieg und Terror belasten Wirtschaftskrise, Naturkatastrophen und Arbeitslosigkeit das Land. „Die soziale Lage bleibt schwierig: Die Menschen kämpfen täglich um ihren Lebensunterhalt. Im Vergleich zu vor drei Jahren ist eine langsame Verbesserung zu erkennen, aber es liegt noch ein langer Weg vor uns“, berichtet Clarence. Die Kirche hab den Menschen materieller, psychologischer und geistlicher Hilfe zur Seite gestanden. Es seien „kirchliche Ressourcen und Einrichtungen zur Verfügung gestellt“ worden und „wir haben lebensnotwendige Güter bereitgestellt und den Menschen ein offenes Ohr und Trost geschenkt. So haben sich so viele Menschen nicht im Stich gelassen gefühlt“, betont der POM-Direktor.

Die Flamme des Glaubens

„In all diesen Prüfungen und Schwierigkeiten ist die Flamme des Glaubens nie erloschen. Die Kirche möchte weiterhin ein Zeichen der Hoffnung und ein Instrument der Einheit zum Wohle des gesamten srilankischen Volkes sein.“ Der Landesdirektor der POM blickt zuversichtlich in die Zukunft seines Landes: „Sri Lanka ist eine kleine und wunderschöne Insel. Unsere Menschen sind friedlich und gastfreundlich. Die Hoffnung ist, dass wir, wenn wir vereint bleiben und solidarisch miteinander umgehen, weiterhin in Frieden und Wohlstand leben können.“

(fides – nm) 

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19. Juni 2026, 10:19