Die Schäden des Erdbebens in Caraballeda, La Guaira Die Schäden des Erdbebens in Caraballeda, La Guaira  (AFP or licensors)

Venezuela: Kaum noch Hoffnung auf Überlebende

Vier Tage nach den verheerenden Erdbeben in Venezuela schwindet die Hoffnung, Überlebende unter den Trümmern zu finden. Die Zahl der Todesopfer ist auf mindestens 1.450 gestiegen, Zehntausende Menschen werden vermisst.

Die beiden Erdbeben mit der Stärke 7,2 und 7,5 beschädigten in Venezuela insgesamt 774 Gebäude, darunter 189, die vollständig einstürzten. Die Chancen, Verschüttete nach mehr als 72 Stunden noch lebend zu bergen, sinkt drastisch. Dadurch wächst neben der Verzweiflung vieler Angehöriger auch die Kritik am Krisenmanagement der Behörden.

Suche nach Überlebenden

Dennoch setzen Rettungskräfte und Freiwillige die Suche fort. „Alle sagen, dass niemand mehr da ist, aber wir warten immer noch hier. Mal sehen, ob wir noch jemanden herausholen können“, erklärt Eduardo Cardozo, ein Landarbeiter, der im Küstenort Tucacas bei Bergungsarbeiten hilft. Wie belastend die Suche inzwischen geworden ist, berichtet der 27-jährige Luis Salas: „Der schwierigste Moment ist, wenn wir in den Tunneln, in die wir kriechend vordringen, Hoffnung verspüren (…) und dann, wenn wir unsere Ziele erreichen, feststellen, dass die Menschen bereits tot sind“.

„Wir mussten eine tote Person bergen, und sie standen ganz ruhig in einer Ecke...“

Unterdessen wächst in den betroffenen Gebieten der Unmut über das Vorgehen der Behörden. In Caraballeda zwangen Anwohner, die über die Untätigkeit des Militärs empört waren, am Sonntag eine Gruppe von Soldaten, sich an den Bergungsarbeiten zu beteiligen „Ein General kam mit etwa zwanzig bewaffneten Soldaten an, und sie blieben an einer Mauer stehen. Wir mussten eine tote Person bergen, und sie standen ganz ruhig in einer Ecke...“, schilderte der freiwillige Helfer Alexander Mijares.

Die schlimmste Naturkatastrophe

Die amtierende Präsidentin Delcy Rodriguez betonte dagegen, die Suche werde fortgesetzt. „Die Such- und Rettungsmaßnahmen gehen weiter. Wir haben Überlebende gefunden (…). Wir geben die Hoffnung nicht auf“, erklärte sie und verlängerte die Schließung der Schulen um eine weitere Woche.

„Wir geben die Hoffnung nicht auf“

Die Katastrophe trifft ein Land, das seit Jahren unter einer schweren Wirtschaftskrise und wiederkehrenden politischen Unruhen leidet. Am Sonntag sprach der Präsident der Nationalversammlung, Jorge Rodríguez, von „der brutalsten Naturkatastrophe, die unser Land in seiner gesamten Geschichte erlebt hat“.

Unterstützung aus dem Ausland

Doch auch die Einschränkungen für freiwillige Helfer sorgen für Kritik. Die Regierung verlangt für den Zugang zum besonders betroffenen Bundesstaat La Guaira einen Passierschein. „Man braucht eine Genehmigung, um Leben zu retten … stellen Sie sich das mal vor“, beklagte der 27-jährige Carlos Itriago.

Unterstützung erhält Venezuela inzwischen aus dem Ausland. Nach Angaben der Regierung haben 24 Staaten mehr als 20 Tonnen Hilfsgüter sowie rund 2.700 Rettungskräfte und 86 Suchhundeteams entsandt. Auch einige Einheiten des US-Militärs unterstützen die logistische Versorgung. Die Vereinten Nationen schätzen den entstandenen Schaden auf knapp sieben Milliarden US-Dollar – das entspricht etwa sechs Prozent des BIP des Landes.

(afp – nm)

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29. Juni 2026, 13:09