Madagaskar: Kirchliche Forderungen nach Entführungswelle
Myriam Sandouno und Mario Galgano - Vatikanstadt
Während der Großteil der Vermissten wieder aufgefunden werden konnte, werden derzeit noch 19 Personen gesucht. Sechs Menschen kamen im Zusammenhang mit den Ereignissen ums Leben. Das Phänomen betraf zu Beginn vor allem Kinder, erfasst inzwischen jedoch auch Erwachsene. Der Mord an einem elfjährigen Mädchen im Bezirk Ambositra, dessen Leichnam Monate nach dem Verschwinden entdeckt wurde, löste im Land Bestürzung aus.
Die aktuelle Lage in Madagaskar wird von Pater Séraphin Rafanomezantsoa, dem Koordinationssekretär der dortigen Bischofskonferenz, wie folgt beschrieben:
„Die Situation ist wirklich katastrophal. Diese sich häufenden Verschleppungen und Entführungen haben uns sehr überrascht. Das Ausmaß all dieser Vorfälle ist wirklich beispiellos und löst in der Hauptstadt und ihrer Umgebung eine allgemeine Angststimmung aus.“
Belastung für Gesellschaft und Wirtschaft
Die Entwicklung belastet das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben erheblich. Bürgerinnen und Bürger verlassen aus Sorge um ihre Sicherheit die Häuser nur noch selten oder kehren frühzeitig zurück. Zudem wächst das Risiko von Selbstjustiz durch die verängstigte Bevölkerung. Bei Verdachtsmomenten im öffentlichen Raum kam es bereits zu Fehleinschätzungen und brenzligen Situationen für unbeteiligte Passanten.
„Die Lage ist komplizierter geworden. Die Behörden sprechen von einer möglichen Instrumentalisierung, einer Strategie, die darauf abzielt, das Image der Stabilität des Landes auf internationaler Ebene zu trüben, während die Bürger greifbare Ergebnisse fordern, die über bloße Krisenankündigungen hinausgehen“, bemerkt Pater Séraphin und spricht anschließend von einer „Vertrauenskrise zwischen der Regierung und den Bürgern“.
Spezialeinheit eingerichtet
Zur Bewältigung der Lage richteten die Behörden eine Spezialeinheit zur Bekämpfung von Entführungen ein. Zudem befanden sich elf Tatverdächtige in Untersuchungshaft, während für den 24. Juli ein nationaler Trauertag für die Opfer ausgerufen wurde. Regierungsvertreter vermuten hinter den Vorgängen gezielte Manipulationsversuche zur Destabilisierung des Landes. In der Bevölkerung bestehen jedoch Zweifel, ob die tatsächlichen Drahtzieher der Taten von den Ermittlungen erfasst werden.
„Trotz vereinzelter Festnahmen und verstärkter Patrouillen durch die Sicherheitskräfte bezweifelt die Öffentlichkeit nach wie vor, dass die wahren Drahtzieher tatsächlich zur Rechenschaft gezogen werden. Die Bevölkerung erwartet Ergebnisse im Bereich der Sicherheit“, betont der madagassische Priester. „Wer steckt hinter all diesen Vorfällen? Und warum?“ Genau wie Pater Séraphin stellen sich viele Madagassen „diese Fragen, auf die es leider keine Antworten gibt“, was das Misstrauen weiter schürt.
Die katholische Bischofskonferenz von Madagaskar reagierte mit einer Stellungnahme auf die Ereignisse und verlangte vollständige Transparenz bei der Aufarbeitung. Der Koordinationssekretär der Bischofskonferenz, Pater Séraphin Rafanomezantsoa, wies auf die Schutzbedürftigkeit der Zivilbevölkerung hin und unterstrich die Pflicht zur Verteidigung der menschlichen Würde. Die Bischöfe forderten die Regierung auf, den Worten konkrete Taten folgen zu lassen, um die wahren Ursachen der Verbrechen aufzudecken und der Straflosigkeit entgegenzuwirken.
(vatican news)
Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen..