Familie in Madagaskar Familie in Madagaskar  (AFP or licensors)

Madagaskar: Zahlreiche Kinder und Jugendliche in Analamanga vermisst

In Madagaskar verzeichnen die Behörden seit Beginn des Jahres eine Zunahme unaufgeklärter Vermisstenfälle und Tötungsdelikte, von denen vor allem Kinder und Jugendliche in der Hauptstadt Antananarivo und deren Umland betroffen sind.

Nach Angaben der Polizei wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 insgesamt 172 Anträge zu vermissten Minderjährigen registriert. Der Schwerpunkt der Meldungen liegt mit 119 Fällen in der Region Analamanga. Acht der betroffenen Kinder wurden tot aufgefunden. Von den verbleibenden 164 gemeldeten Personen konnten 81 lokalisiert werden, während 83 weiterhin als vermisst gelten. Die Polizeiführung weist darauf hin, dass ein Teil dieser Personen möglicherweise ohne Kenntnisgabe an die Ermittlungsbehörden zu ihren Familien zurückgekehrt sein könnte.

Zur Stabilisierung der Lage haben die Behörden erweiterte Sicherheitsmaßnahmen beschlossen. Dazu gehört der gemeinsame Einsatz von Polizeikräften, Gendarmerie und Militärpersonal im Tag- und Nachtdienst im gesamten Stadtgebiet von Antananarivo.

Angespannte politische Situation

Die Entwicklung überschneidet sich mit einer angespannten politischen Situation. Nach der Übernahme der Regierungsgeschäfte im Oktober 2025 wird das Land von Oberst Michael Randrianirina geführt, der das Amt des Präsidenten der Neugründung innehat. Randrianirina bewertete die Vorkommnisse öffentlich als „teuflische Handlungen“, die darauf abzielen, das Land zu destabilisieren. „Was jetzt geschieht, ist keine politische Frage mehr; es ist Terrorismus. Vielleicht versuchen sie, die internationale Gemeinschaft davon zu überzeugen, dass Madagaskar ein völlig instabiles Land ist“, erklärte der Oberst. Zudem sprach er sich für die Einrichtung eines Warnsystems für Vermisstenfälle unter Einbindung der Kirchen Madagaskars aus.

Die katholische Bischofskonferenz von Madagaskar (Conférence des Évêques de Madagascar – CEM) nahm am 13. Juli in einer Erklärung Stellung, die vom Vizepräsidenten der Konferenz, Bischof Jean Pascal Andriantsoavina aus Antsirabe, unterzeichnet wurde. Darin heißt es: „Wir können angesichts dieser tragischen Realität und dieser Welle von Tötungen, die hier und da stattfinden und deren Täter unbekannt bleiben, nicht bloße Zuschauer bleiben.“

„Viele Bürger leben in Angst, insbesondere die Schwächsten...“

Die Erklärung führt weiter aus: „Viele Bürger leben in Angst, insbesondere die Schwächsten, die niemanden haben, auf den sie sich stützen können. Die Situation, die wir erleben, zwingt uns zu der Frage: Wer profitiert von dem Weg, den wir, das madagassische Volk, gezwungen sind einzuschlagen?“

Wachsamkeit gegenüber Fehlinformationen

Die Bischöfe riefen die Bevölkerung zur Wachsamkeit gegenüber Fehlinformationen und Verleumdungen auf und lehnten Vergeltungsmaßnahmen ab. An die Führung des Landes gewandt erklärten sie: „Wir sind uns der Anstrengungen bewusst, die Sie bereits unternehmen, um das Leiden der Bevölkerung zu lindern, aber lassen Sie Ihren Taten Taten folgen, die lauter sprechen als Ihre Worte.“ Zudem forderten sie: „Stellen Sie sicher, dass die Wahrheit über die Ursachen dieses Terrors vollständig aufgedeckt wird, damit die Untersuchung nicht einfach im Sande verläuft, wie es in der Vergangenheit zu oft geschehen ist.“

Bereits in einer vorangegangenen Stellungnahme vom 13. Mai hatte die Bischofskonferenz die allgemeine Unsicherheit, Korruption, steigende Lebenshaltungskosten sowie Amtsmissbrauch thematisiert und einen inklusiven nationalen Dialog zur Bewältigung der Staatskrise gefordert.

(fides - mg)

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23. Juli 2026, 14:19