Proteste während der Rede von Präsident Marcos Jr. zur Lage der Nation in Manila Proteste während der Rede von Präsident Marcos Jr. zur Lage der Nation in Manila  (ANSA)

Philippinen: Kirche und Aktivisten kritisieren Behördenverhalten

Im Vorfeld der fünften Rede zur Lage der Nation von Präsident Ferdinand Marcos Jr. am 27. Juli kam es in der philippinischen Hauptstadt Manila zu Festnahmen von mehr als 30 Personen. Während einer Kundgebung entlang der Commonwealth Avenue griffen Polizeikräfte ein und führten Demonstranten ab.

Unter den Festgenommenen befanden sich überwiegend Jugendliche aus verschiedenen Organisationen. Vertreter der katholischen Kirche nutzten den Anlass, um auf bestehende gesellschaftliche Missstände hinzuweisen. Bischof Colin Bagaforo, Vorsitzender der Kommission für interreligiösen Dialog der Philippinischen Katholischen Bischofskonferenz, betonte gegenüber der Nachrichtenagentur UCA News, dass die Bevölkerung nachvollziehbare Maßnahmen statt optimistischer Erzählungen erwarte. Die Korruption stelle nach wie vor ein erhebliches Entwicklungshemmnis dar, das den Gemeinden den Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung und Katastrophenschutz erschwere. Zudem forderte Bagaforo ein entschlosseneres Vorgehen gegen die Folgen des Klimawandels sowie die wirtschaftliche Not von Landwirten, Fischern und Arbeitern.

Kritik am Kurs

Kritik am Kurs der Regierung äußerte auch die Menschenrechtsorganisation Karapatan. Generalsekretärin Cristina Palabay verwies auf Dokumentationen der Gruppe, wonach seit dem Amtsantritt von Marcos Jr. zahlreiche außergerichtliche Tötungen, erzwungene Verschwindenlassen sowie hunderte willkürliche Festnahmen erfasst wurden. Weiterhin befänden sich hunderte politische Gefangene in Haft. Daten des Dahas-Projekts belegen zudem, dass auch unter der aktuellen Administration im Rahmen von Anti-Drogen-Einsätzen mehr als 1.200 Menschen getötet wurden. Darüber hinaus führe die Anwendung des Anti-Terror-Gesetzes von 2020 zur Beeinträchtigung der Arbeit von Nichtregierungsorganisationen und kirchlichen Gruppen.

Auch Vertreter des Bildungssektors beteiligten sich an den Demonstrationen. Benjo Basas, nationaler Vorsitzender der Lehrergewerkschaft Teachers' Dignity Coalition, forderte die Einlösung früherer Regierungsversprechen, darunter die im Vorjahr angekündigte Bereitstellung von Laptops für Lehrkräfte an öffentlichen Schulen. Neben Gehaltserhöhungen verlangten die Lehrkräfte Verbesserungen der Arbeitsbedingungen sowie eine Aufklärung von Korruptionsfällen im Bereich der Hochwasserschutzprojekte.

(ucan - mg)

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27. Juli 2026, 13:40