Die Unterernährung im Tschad ist das Ergebnis mehrerer Krisenfaktoren Die Unterernährung im Tschad ist das Ergebnis mehrerer Krisenfaktoren  (AFP or licensors)

Tschad: Humanitäre Krise verschärft sich

Der Tschad ist von einer akuten humanitären Notlage betroffen, die in der internationalen Politik jedoch wenig Beachtung findet. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen UNHCR fordert jetzt eine Mobilisierung von mindestens 29 Millionen US-Dollar.

Stefano Leszczynski und Mario Galgano - Vatikanstadt

Diese Mittel seien notwendig, um die Versorgung von Hunderttausenden Menschen zu gewährleisten, die vor den Konflikten im Sudan, in der Zentralafrikanischen Republik, in Kamerun und Nigeria in den Tschad geflohen sind, teilte das Hilfswerk der Vereinten Nationen mit. Das Land beherbergt mittlerweile Millionen von Vertriebenen, während die verfügbaren Kapazitäten erschöpft sind.

Besonders der seit mehr als drei Jahren andauernde Krieg im benachbarten Sudan belastet die Situation. An der östlichen Grenze des Tschad halten sich schätzungsweise fast eine Million Flüchtlinge und Rückkehrer auf. In den Lagern besteht ein Mangel an Nahrungsmitteln, Trinkwasser und grundlegenden Dienstleistungen.

Interne und externe Herausforderungen

Die internen und externen Herausforderungen des Landes beschreibt der Comboni-Missionar Fabrizio Colombo, der die Koordinierung katholischer Radiosender im Tschad betreut, im Interview mit Radio Vatikan folgendermaßen:

„Der Osten des Tschad ist zu einem riesigen Aufnahmegebiet geworden, aber die Strukturen sind mittlerweile an ihrer Grenze, und die tägliche Versorgung der Flüchtlinge wird immer schwieriger. Der Tschad erlebt eine tiefe politische und wirtschaftliche Krise. Die Korruption ist weit verbreitet und es fehlt an einer staatlichen Organisation, die in der Lage wäre, Einsätze wirksam zu koordinieren. Jede regionale Krise hat unmittelbare Folgen. Das Problem ist, dass der Tschad selbst in extremer Armut lebt und Mühe hat, selbst seinen eigenen Bürgern ein würdiges Leben zu garantieren.“

„Jede regionale Krise hat unmittelbare Folgen.“

Politische Instabilität und kriegerische Handlungen

Geografisch grenzt der Tschad an Libyen, den Niger, Nigeria, Kamerun, die Zentralafrikanische Republik und den Sudan – Regionen, die von politischer Instabilität oder kriegerischen Handlungen geprägt sind. Im Westen des Landes besteht zudem die Bedrohung durch die dschihadistische Gruppierung Boko Haram im Becken des Tschadsees. Neben den geopolitischen Faktoren sorgen auch wirtschaftliche Interessen für eine Destabilisierung der Region. Vorkommen von Erdöl und anderen Bodenschätzen begünstigen nicht etwa die Entwicklung des Landes, sondern führen zu Machtkämpfen und illegalem Waffenhandel.

Zudem drohen soziale Spannungen durch eine Instrumentalisierung religiöser Unterschiede zwischen christlichen und muslimischen Gemeinschaften. Colombo warnt vor dieser Entwicklung:

„Die Kirche hat sich entschieden, auf der Seite der Menschen zu stehen...“

„Die Verantwortung für die Krise religiösen oder ethnischen Gruppen zuzuschreiben, bedeutet, die Aufmerksamkeit von den wahren Ursachen abzulenken, die in erster Linie politischer Natur sind. In diesem Kontext stellt die katholische Kirche durch Schulen, Krankenhäuser, Ernährungszentren, Agrarprogramme und die Unterstützung von Flüchtlingen weiterhin einen Bezugspunkt dar. Die Kirche hat sich entschieden, auf der Seite der Menschen zu stehen, transparent zu arbeiten und die Rechte der Personen zu verteidigen.“

Ein Medienprojekt der katholischen Radiosender im Tschad soll dazu beitragen, unabhängige Informationen bereitzustellen und den isolierten Gemeinschaften Gehör zu verschaffen. Während die medizinischen Einrichtungen unter einem Mangel an Personal und Medikamenten leiden und die Aufnahmelager überlastet sind, bleibt die Unterstützung durch die Weltgemeinschaft deutlich hinter dem realen Bedarf zurück.

(vatican news)

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11. Juli 2026, 11:09