UK: Kommt der erste katholische Premierminister?
Sollte Andy Burnham wie erwartet Ende Juli die Nachfolge des zurückgetretenen Premierministers Keir Starmer antreten, wäre er der erste britische Regierungschef, der sich öffentlich zum katholischen Glauben bekennt. In der katholischen Kirche des Landes wird diese Aussicht mit vorsichtigem Optimismus aufgenommen.
Der stellvertretende Vorsitzende der schottischen Bischofskonferenz, Bischof Brian McGee, erklärte, Burnham habe mehrfach betont, von der katholischen Soziallehre inspiriert zu sein. Wenn sein Gewissen tatsächlich vom Evangelium geprägt sei, könne dies „Früchte tragen“. Allerdings verwies McGee zugleich auf das gesellschaftliche Klima in Großbritannien: „Viele Menschen hier mögen die christliche Kirche nicht und wollen keinen Glauben im öffentlichen Raum“, erklärte er.
War als Kind Messdiener
Burnham ist derzeit Bürgermeister von Greater Manchester im Nordwesten Englands. Er wuchs ucanews zufolge als Katholik im nahegelegenen Warrington auf, wo er als Messdiener tätig war, und schickte seine Kinder auf katholische Schulen. Seine Glaubensvorstellungen erläuterte er aber nur selten.
Politisch setzt sich Burnham, der als Labour-Politiker dem Mitte-Links-Spektrum angehört, unter anderem für staatliche Bildung, Sozialleistungen, das Steuersystem und den Wohnungsbau ein. Für seine Bilanz als Bürgermeister von Manchester in Bezug auf Infrastrukturreformen und Investitionen empfing er öffentliches Lob.
Liberale katholische Haltungen
In Fragen wie Abtreibung, Sterbehilfe, Sexualaufklärung und den Rechten der LGBTQ+-Gemeinschaft vertritt er jedoch eine liberale Haltung. Unter anderem forderte Burnham den verstorbenen Papst Franziskus 2015 auf, die Kirche in Bezug auf die gleichgeschlechtliche Ehe „ins 21. Jahrhundert zu führen“.
In einer Rede vor dem Londoner Thinktank „Theos“ im Oktober versprach der Labour-Politiker, glaubensbasierte Organisationen sowie eine neue Politik zu unterstützen, die auf „Vertrauen, Gemeinschaft, Glauben und Überzeugung“ beruht, und bezeichnete ein Treffen mit Papst Franziskus im Jahr 2023 als das „größte Privileg“ seines Lebens.
Boris Johnson, ein ehemaliger Regierungschef der Konservativen Partei, war katholisch getauft, wuchs aber als Anglikaner auf und praktizierte keinen Glauben. Der Anglikaner Tony Blair wiederum praktizierte zwar schon in seiner Amtszeit katholisch, konvertierte jedoch erst nach seinem Rücktritt als Premierminister 2007. Insgesamt machen katholische Gläubige im Vereinten Königreich knapp zehn Prozent der Bevölkerung aus.
(ucanews – gs)
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