Archivbild: Rettungskräfte suchten nach dem doppelten Erdbeben vom 24. Juni in Venezuela nach Opfern Archivbild: Rettungskräfte suchten nach dem doppelten Erdbeben vom 24. Juni in Venezuela nach Opfern  (ANSA)

Venezuela: Kirche fordert nach Erdbeben raschen Wiederaufbau

Einen Monat nach zwei Erdbeben der Stärken 7,2 und 7,5 am 24. Juni haben die venezolanischen Behörden die Zahl der offiziell registrierten Todesopfer mit 5.398 angegeben. Nach Regierungsangaben wurden 16.740 Menschen verletzt und 17.265 verloren ihre Wohnungen. Insgesamt seien 856 Gebäude beschädigt worden, davon 190 vollständig.

Derzeit leben 23.335 Betroffene in 107 provisorischen Notunterkünften. Die Schäden betreffen vor allem den Bundesstaat La Guaira sowie Caracas und angrenzende Regionen.

In einer Veröffentlichung beklagt die venezolanische Bischofskonferenz, viele Betroffene hätten sich von den öffentlichen Institutionen im Stich gelassen gefühlt. Es sei Aufgabe des Staates, auf Naturkatastrophen vorbereitet zu sein. Unter dem Titel „Samariter, Zeugen der Hoffnung“ fordern die Bischöfe eine Wiederaufbauarbeit, die den Wohnraum und Arbeitsplätze sichere sowie psychologische und seelsorgliche Begleitung gewährleiste. Die Naturkatastrophe dürfe zudem nicht von bestehenden gesellschaftlichen Herausforderungen ablenken. Die Bischöfe verweisen dabei auf politische Gefangene, niedrige Löhne und Renten sowie die Situation von Kranken und Migranten. Zur Haltung bezüglich der Ursachen erklären sie: „Gott ist in den Opfern und mit den Opfern.“ Zugleich verweisen sie auf die gezeigte Solidarität innerhalb der Bevölkerung und durch internationale Helfer, die „gezeigt haben, dass alle Menschen Brüder sind – über Grenzen und Nationalfahnen hinweg“.

„Gott ist in den Opfern und mit den Opfern.“

Auch die Erzdiözese Caracas zog eine Bilanz der eingeleiteten Maßnahmen. Laut Pastoralvikar Ricardo Guillén begleiten Seelsorger Hinterbliebene, feierten Begräbnisse und verbleiben in den Notunterkünften sowie betroffenen Stadtvierteln. Weihbischof José Manuel León berichtet von der Verteilung von bisher etwa 490 Tonnen Hilfsgütern an Krankenhäuser, Unterkünfte und Stadtteile. Der Ausbau von Medikamentenbanken in Pfarreien sowie die psychologische Betreuung Überlebender seien im Gang. Bei der Überprüfung kirchlicher Gebäude wurden von 27 untersuchten Kirchen sechs als voll nutzbar, 16 als eingeschränkt nutzbar und fünf wegen struktureller Schäden als gesperrt eingestuft. Die Erzdiözese erarbeitete einen Sanierungsplan zur Wiederherstellung.

Rettungskräfte suchten nach dem doppelten Erdbeben vom 24. Juni in Venezuela nach Opfern
Rettungskräfte suchten nach dem doppelten Erdbeben vom 24. Juni in Venezuela nach Opfern   (ANSA)

Ausmaß der Schuttmassen und unbewohnbare Wohnblocks

Die Geschäftsführende Präsidentin des katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ (ACN), Regina Lynch, schildert nach ihrer Rückkehr aus den Katastrophengebieten das Ausmaß der Schuttmassen und unbewohnbaren Wohnblocks. Das Hilfswerk stellte eine Soforthilfe von 100.000 Euro bereit, um Seelsorger und Ehrenamtliche zu unterstützen, und prüft weitere Projekte für Traumabewältigung und Gebäudewiederaufbau. Zu den Einsätzen vor Ort gehört beispielsweise die Begleitung der 31-jährigen Gismely, die den Sturz aus dem zwölften Stock eines Wohnhauses überlebte und ihr Bein verlor, jedoch nach eigenen Worten erklärt: „Ich weiß, dass es ohne mein Bein nicht einfach sein wird, aber mein Leben ist mehr als das.“

Das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ stellt 79.000 Euro für die Unterstützung von rund 770 Kindern, Jugendlichen und deren Familien im Großraum Caracas und La Guaira bereit. Die Durchführung liegt bei den Salesianern Don Boscos, die Lebensmittel, Trinkwasser, Medikamente und Hygieneartikel verteilen sowie rund 190 Kinder in vier Heimen versorgen. Pater Jorge Bastidas SDB, Nothilfe-Koordinator des Ordens, beschreibt die Aufgabe der Helfer neben der Güterverteilung: „Oft war unsere bloße Anwesenheit bereits ein Zeichen der Hoffnung. Ein offenes Ohr, eine ausgestreckte Hand oder ein aufmunterndes Lächeln können in solchen Momenten genauso wichtig sein wie materielle Hilfe.“

(vatican news/pm- mg)

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24. Juli 2026, 11:00