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Schwan an einem Sommermorgen in Prag Schwan an einem Sommermorgen in Prag  (AFP or licensors)

Unser Audio-Tipp: Gedanken, die aufwecken

Wer morgens gern mit einem geistlichen Gedanken in den Tag startet, der muss nicht unbedingt zu einem Büchlein des Dalai Lama oder zu Sufi-Autoren greifen. Auch antike Schriftsteller und die Bibel halten einen reichen Schatz spiritueller Impulse bereit.

Und diesen Schatz hebt Ludwig Waldmüller mit seinem Podcast „Beim ersten Hahnenschrei“, der u.a. bei Amazon oder Apple verfügbar ist, auf originelle Weise. In einem etwa vierminütigen Audio stellt er jeden Tag zunächst einen kurzen Text aus der Antike vor, häufig von einem christlichen Autor. Er wird in einer kurzen Analyse fürs Heute aufgeschlossen – und dabei spricht Waldmüller, der auch Vorsitzender des „Vereins der Freunde von Radio Vatikan ist“, die Zuhörenden jedes Mal direkt an. Das ist so eingängig wie tiefgründig.

Briefe des hl. Johannes Chrysostomos und des Clemens von Rom, der gute Rat eines ägyptischen Mönchsvaters, die Pastoralregel Gregors des Großen, die Bekenntnisse des hl. Augustinus: Aus solchen und ähnlichen Quellen schöpft Waldmüller, ein gelernter Seelsorger und Schauspieler, der einige Jahre auch Radio-Vatikan-Redakteur war. Kundig (und oft mit einem Augenzwinkern) bringt er alte Gedanken in ein neues Format – unter Überschriften wie „Haltung bewahren“, „Den Blick auf sich selbst nicht verlieren“ oder „Erinnern in Bildern“.

Der hl. Augustinus von Hippo
Der hl. Augustinus von Hippo

„Den Brief umarmen“

Dabei ist es auch für leidliche Kenner des Antiken frappierend, wie beredt die Texte sind, die Waldmüller aufspürt. Ein Beispiel für viele: der Podcast vom 27. Juni dieses Jahres. „Jetzt unterhalte ich mich mit Eurem Briefe“, schreibt da der hl. Hieronymus, „ich umarme ihn, er spricht mit mir, er allein versteht hier die lateinische Sprache.“ Dann beklagt er sich scherzhaft bei seinen drei Briefpartnern, dass diese ihm nur eine kurze Epistel geschickt hätten. „An Papier hat es Euch gewiss nicht gefehlt; denn der Handel führt es reichlich aus Ägypten ein“, ätzt der Heilige.

In Zeiten von Email und WhatsApp hält Waldmüller hier – ausgerechnet in einem Podcast – ein Plädoyer für die Briefkultur. Man komme anderen Menschen durch Briefe, aber auch dadurch, dass man an sie denke, ganz nahe: „Gedanken können Grenzen überspringen; große Distanzen können überwunden werden nur durch Gedanken“. Und dann, charakteristisch, der Sprung ins ganz Konkrete: „Wem müsstest du wieder einmal nahe sein? Wem müsstest du einmal wieder begegnen? Wer bräuchte von dir wieder einmal einen Brief, ein Lebenszeichen – ein Zeichen, dass du nahe bist?“

Wenn der Mensch sich selbst ein Rätsel ist

„Der Mensch ist sich selbst ein Rätsel, seit er denken kann“, formuliert Ludwig Waldmüller in der Präsentation seines Podcasts. Und trägt jeden Tag, in bisher schon über hundert Folgen, ein bisschen dazu bei, dieses Rätsel zu lösen.

(vatican news – sk)

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13. Juli 2023, 09:41