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Thomas Söding im vergangenen Oktober in Rom Thomas Söding im vergangenen Oktober in Rom 

D: „Wir brauchen das römische Gütesiegel“

Es gibt noch kein Rezept, wie Kirche synodal tatsächlich funktionieren kann. Das sagte der deutsche Theologe Thomas Söding am Montagabend bei einem Vortrag in Wien mit Blick auf die verschiedenen, in der katholischen Kirche laufenden Reformprozesse.

Allen Prozessen gemeinsam sei die Offenheit, so Söding, der sowohl bei der vom Papst auf den Weg gebrachten Weltsynode als auch beim deutschen Reformprojekt „Synodaler Weg“ engagiert ist. „Die Kirche hat noch keine Vorstellung davon, wie sie ihre bischöfliche mit einer synodalen Struktur verbinden soll.“ Ziel sei es, in dieser Frage eine „gute Balance“ zu finden - und dies auch unter Mithilfe der Theologie.

Die Kirche bewege sich - allerdings mit verschiedenen Geschwindigkeiten und in teils gegenläufigen Bewegungen. Letztlich übten sich alle in einer neuen Art, Kirche zu sein - weniger auf Papst und Bischöfe fokussiert, näher am Ohr des Gottesvolkes und offener für den Dialog. Deutliche Überschneidungen machte Söding bei den Themen aus, die der „Synodale Weg“ verfolgt und die auf weltkirchlicher Ebene diskutiert werden. Dies seien die Themenkomplexe Klerikalismus und Bischofsamt, Stärkung der Frauenrechte und kirchliche „Inklusion“, also der kirchliche Umgang mit Menschen in „irregulären“ Beziehungen.

Bei der Synode im Oktober 2023 in Rom
Bei der Synode im Oktober 2023 in Rom

„Synoden brauchen Theologie - die sie aber noch nicht haben“

Auf Weltebene fehle indes noch eine fundierte theologische Debatte und Begleitung, konstatierte Söding: „Synoden brauchen Theologie - die sie aber noch nicht haben“. Gemeint sei damit eine Reflexion der Debatten vor dem Hintergrund von Schrift, Tradition, dem Glaubenssinn des Gottesvolkes, dem Lehramt, den anderen Wissenschaften - und schließlich einer „kommunikativen Verschaltung“ dieser theologischen Quellen. Eine solche theologische Begleitung der Synodalen könnte „die Qualität der Beratungen heben und die Kompetenz aller fördern“.

„Wir wollen nicht im Dissens mit Rom sein“

Insgesamt zeigte sich Söding zuversichtlich, dass der deutsche „Synodale Weg“, der sich derzeit in der Phase der Gründung des Synodalen Ausschusses in Vorbereitung eines Synodalen Rates (bis 2026) befindet, ein Erfolg wird. Es gebe gewiss „Kommunikationsprobleme“ und auch Vorbehalte gegenüber angeblichen „Über-Ambitionen“ des Reformprojekts, räumte der Theologe ein; auch gebe es u.a. aus Wien die Befürchtung, dass ein Synodaler Rat das Bischofsamt „beschädigen“ könnte - eine Befürchtung, die ihn „verwundert“, so Söding, übersehe dies doch, dass es gerade die Bischöfe waren und seien, die die Einrichtung eines Synodalen Rates mit großer Mehrheit mitgetragen hätten und den Weg für richtig erachteten.

„Wir wollen nicht im Dissens mit Rom sein, sondern Synodalität auf Dauer stellen - und dafür benötigen wir auch das römische Gütesiegel“, so Söding. Entsprechend blicke er auch zuversichtlich auf den angekündigten Besuch des Präfekten des Glaubensdikasteriums, Kardinal Victor Fernandez, in Deutschland. „Sein Besuch ist ein gutes Zeichen“, zeigte sich Söding überzeugt.

(theologische kurse – sk)

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30. Januar 2024, 13:05