D: Bischof Gerber zieht Bilanz zum Synodalen Weg
Bischof Gerber zieht aus den vergangenen Jahren eine positive Bilanz der zwischenmenschlichen Dynamik. Er habe erfahren, wie „persönliche Begegnungen Haltungen verändern können“. Diese Erfahrung müsse nun die Basis für das zukünftige Wirken der Kirche bilden, die dort „Salz der Erde“ sei, wo sie selbstkritisch an einer Kultur der Gerechtigkeit und Ehrlichkeit mitwirke.
Aufarbeitung als Schutz gegen Geschichtsklitterung
Ein zentraler Aspekt in Gerbers Ausführungen ist der Umgang mit der eigenen Schuldgeschichte. Angesichts globaler Tendenzen – er nennt explizit aktuelle Versuche in Russland und den USA, Geschichte umzuschreiben – sieht er die Kirche in der Pflicht, einen konträren Weg zu gehen. Die katholische Kirche in Deutschland müsse sich weiterhin ihrer Verantwortung im Bereich der sexualisierten Gewalt stellen.
„Ignorieren, Relativieren und Umdeuten bis hin zur sogenannten Täter-Opfer-Umkehr waren über sehr lange Zeit klassische Reaktionen – leider auch im Raum der Kirche“, räumt Gerber offen ein. Der Synodale Weg habe hier die „gefährliche Erinnerung“ an die kirchliche Schuld gewagt, was eine Voraussetzung für Heilung und verantwortungsvolles Handeln der Entscheidungsträger sei.
Die Kirche als Ort der Empathie in polarisierten Zeiten
Über die innerkirchlichen Strukturen hinaus sieht der Bischof von Fulda eine gesellschaftspolitische Relevanz des synodalen Prozesses. Er warnt vor weltweit erstarkenden „Strategien der Empathielosigkeit“. Um dem entgegenzuwirken, brauche es Räume, in denen Empathie wachsen könne. Der Synodale Weg habe einen solchen Raum geboten, insbesondere im Austausch mit Betroffenen sexualisierter Gewalt oder queeren Menschen.
Wo kontroverse Themen „mit konkreten Gesichtern und Biografien verbunden werden“, entstehe die Chance, eigene Haltungen kritisch zu hinterfragen. Gerber sieht hier einen klaren Auftrag für die Zukunft: In einer Zeit zunehmender politischer und gesellschaftlicher Polarisierung müsse die Kirche ihre Stimme gegen systemische Faktoren von Ausgrenzung und Machtmissbrauch erheben und Orte der echten Begegnung etablieren.
Bischof Oster: Synodalkonferenz wird kommen
Derweil hat der Passauer Bischof Stefan Oster erklärt, er gehe davon aus, dass die vorgesehene Synodalkonferenz als neues Gremium auf Bundesebene kommen wird. Das sagte er in einem Interview, das auf der Internetseite seines Bistums publiziert wurde. Er freue sich darüber, dass bei der letzten Synodalversammlung in Stuttgart versucht worden sei, den Anschluss an die von Rom angestoßene Weltsynode über Synodalität herzustellen. Aus Osters Sicht hat der Synodale Weg Polarisierungen eher verstärkt; allerdings sei er dankbar, im Lauf dieses Reformprozesses Kontakt zu „engagierten Kirchenleuten“ aus ganz Deutschland gefunden zu haben.
(kölner stadt-anzeiger/bistum passau - mg)
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