Wie Pfarrer Johannes Lackner Österreichs Olympioniken stützt
Für Lackner ist die Aufgabe weit mehr als ein offizielles Amt. „Für mich ist das wirklich ein Traumjob, eine Berufung, dass ich so nahe an den Athleten und am Geschehen sein darf“, erklärte er an diesem Dienstag gegenüber dem Portal DOMRADIO.DE. Seine Rolle ist vielfältig: Er feiert Gottesdienste, spendet Segen und bietet vor allem eines an: Zeit für Gespräche in einer Umgebung, die von Hektik und enormem Druck geprägt ist.
Trost für den „undankbarsten Platz“
Die Olympischen Spiele produzieren nicht nur Helden, sondern oft auch tragische Figuren. So verpassten die Skispringerin Lisa Eder und die Abfahrtsläuferin Conny Hütter die Medaillenränge jeweils als Vierte nur hauchdünn. Auch Vincent Kriechmayr zeigte sich nach seiner Abfahrt sichtlich enttäuscht.
Lackner weiß, dass gerade der vierte Platz – oft als der „undankbarste Platz“ bei Olympia bezeichnet – tiefe Wunden hinterlassen kann. „Ich kann verstehen, dass sie sehr traurig und enttäuscht war“, sagt Lackner über Lisa Eder, die er in Kürze in Predazzo besuchen wird. In solchen Momenten gehe es darum, den Sportlern aus dem Glauben heraus nahe zu sein und ihnen Kraft zu geben, wenn die eigene Leistung nicht für das Podest gereicht hat.
Wenn der Glaube an Grenzen stößt
Manchmal geht die Seelsorge über den sportlichen Misserfolg hinaus. Lackner berichtet von Fällen, in denen gläubige Sportler kurz vor dem Wettkampf erkranken und die existenzielle Frage stellen, warum Gott dies zulasse. „Das sind schwierige Fragen, bei denen man als Seelsorger gefordert ist“, so Lackner.
Die Schattenseiten des Sports wurden bei diesen Spielen auch durch die dramatischen Nachrichten um US-Skistar Lindsey Vonn deutlich. Die Ausnahmeathletin erlitt einen schlimmen Unfall, der die Risiken des Hochleistungssports einmal mehr vor Augen führte. Solche Ereignisse erschüttern das gesamte olympische Dorf und machen die Arbeit von Seelsorgern wie Lackner umso wichtiger, um Traumata zu verarbeiten und Halt zu geben.
Seelsorge auf weiten Wegen
Die Logistik stellt den Pfarrer vor große Herausforderungen. Die Wettkampfstätten sind weit verstreut: Von seiner Zentrale in Cortina bis nach Bormio ist er sechs bis sieben Stunden mit dem Auto unterwegs. Doch der Aufwand ist es ihm wert. Er möchte in Antholz bei den Biathleten, in Livigno und in Ville di Fiemme präsent sein.
Seit mehr als 50 Jahren ist es Tradition, dass ökumenische Teams die Athleten bei Sommer- und Winterspielen begleiten. Für Lackner, der aus der Sportstadt Kitzbühel stammt und die Leidenschaft für den Wintersport von seinen Eltern geerbt hat, schließt sich in Italien ein Kreis. Sein Ziel bleibt es, „das Angebot zur Verfügung zu stellen“, damit kein Sportler in der Einsamkeit des Erfolgs oder der Niederlage vergessen wird.
(domradio - mg)
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