Pfarrer Thomas Schwartz von Renovabis Pfarrer Thomas Schwartz von Renovabis 

Schwartz: Für Ukraine „Marshallplan für die Seelen“ und EU-Beitrittsperspektive

Mit Blick auf die verzweifelte Lage in der Ukraine hat der Leiter des Osteuropa-Hilfswerkes Renovabis, Pfarrer Thomas Schwartz, einen „Marshallplan für die Seelen“ und eine verbindliche EU-Beitrittsperspektive für das Land gefordert. Im Gespräch mit Radio Vatikan beschreibt er die Not der Menschen im harten Kriegswinter, schildert die Hilfsarbeit und blickt in die Zukunft.

„Schnelle Winterhilfe – das ist es, was die Menschen in der Ukraine im Moment am dringendsten brauchen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Osteuropa-Hilfswerks jetzt im Interview mit Radio Vatikan.

Der russische Angriffskrieg gegen die Menschen in der Ukraine geht am kommenden Dienstag, 24. Februar, ins fünfte Jahr. „Die Situation ist für uns unvorstellbar. Es fehlt an Lebensmitteln, Medikamenten, Winterkleidung – unsere Hilfe ist so nötig wie nie.“

Hier unser Interview (Thomas Schwartz, Renovabis; A. Preckel, Vatican News)

Hilfswerk stellt Winterhilfe bereit – bisher 430.000 Euro ausgezahlt

Die Partnerinnen und Partner des Hilfswerks berichteten von Temperaturen von minus 20 Grad, stundenlangen Stromausfällen, gefrierenden Wasserleitungen. Dazu komme eine zunehmende Erschöpfung und Verzweiflung – trotz der ukrainischen Landgewinne der letzten Tage. Vor diesem Hintergrund warnt Schwartz eindringlich vor einem „Ermüdungsszenario“ und mahnt stattdessen einen deutlichen Ausbau der Unterstützung für die Ukraine an.

Um den unmittelbaren Auswirkungen der enormen Kälte zu begegnen, hat Renovabis allein im Rahmen der Winterhilfe 2026 bisher 430.000 Euro ausgezahlt.

„Unsere Partnerinnen und Partner leisten Außergewöhnliches unter diesen schwierigen, gefährlichen Bedingungen,“ berichtet Schwartz: Die Diözese Kyjiw-Zhytomyr etwa richtet derzeit zwölf Wärmestuben in den Pfarreien im Großraum Kyjiw ein – hier können sich täglich hunderte Menschen aufwärmen, ihre Handys aufladen und etwas Heißes trinken. In Charkiw bekommen 1600 Familien dank der Unterstützung von Renovabis Lebensmittelpakete und Hygieneartikel. In Zhytomyr werden täglich 400 Menschen mit einem warmen Mittagessen versorgt – vor allem Binnenvertriebene, aber auch ortsansässige Senioren und bedürftige Familien.

Psychosoziale Hilfe ist dringlich

„Gleichzeitig muss auch unsere psychosoziale Hilfe weitergehen“, betont Schwartz: „Gebäude kann man mit Beton wiederaufbauen, aber eine traumatisierte Gesellschaft braucht einen ‚Marshallplan für die Seelen‘“. Deshalb fördere das Hilfswerk etwa Projekte, die die Resilienz in der Ukraine stärken. Angebote wir therapeutische Lesekreise, Erzählcamps und Programme zur Traumabewältigung für Kinder legten die Grundlage für eine inklusive Nachkriegsgesellschaft. Insgesamt hat Renovabis seit Beginn der Vollinvasion mit mehr als 38 Millionen Euro die Menschen in der Ukraine, aber auch in den Nachbarländern unterstützt.

„Die Ukraine verteidigt heute an vorderster Front die Werte, auf denen das Haus Europa gebaut ist.“

Schwartz betont, dass neben der konkreten Hilfe vor Ort auch klare politische Perspektiven nötig seien. Deshalb fordert er die Bundesregierung und die europäischen Partner auf, dem Prozess der EU-Mitgliedschaft für das Land eine hohe Priorität einzuräumen und einen klaren Zeithorizont aufzuzeigen. „Die Ukraine verteidigt heute an vorderster Front die Werte, auf denen das Haus Europa gebaut ist.“ Trotz des Krieges setze das Land konsequent Reformen um, um den EU-Beitritt voranzutreiben. Die Handlungsträger müssten nun bereit sein, der Ukraine mit Flexibilität und einem klaren Bekenntnis zur Mitgliedschaft zu begegnen.

(vatican news/pm renovabis – pr)
 

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21. Februar 2026, 11:40