Ukraine: Kardinal Schönborn warnt vor „Holodomor“-Erinnerungen
„Jetzt ist unsere Hilfe noch dringender notwendig als je zuvor“, mahnte Schönborn. Die gezielten Angriffe Russlands auf die Energie- und Wasserversorgung hätten das Leben für Millionen Ukrainer in einen täglichen Überlebenskampf verwandelt. Laut dem Kardinal wecken die aktuellen Zustände bei vielen Menschen traumatische Erinnerungen an den „Holodomor“ der 1930er Jahre – jene von Stalin künstlich herbeigeführte Hungerkatastrophe, der Millionen zum Opfer fielen.
Eingefrorene Städte: 710.000 Menschen in Kyiv ohne Strom
Die technischen Details der Krise, die Ostkirchengeneralvikar Yuriy Kolasa gegenüber der Nachrichtenagentur Kathpress schilderte, sind alarmierend. Allein in Kyiv sind aktuell rund 710.000 Menschen seit mehr als 24 Stunden ohne Strom. Etwa 154.000 Bewohner in über 1.100 Wohngebäuden haben weder Zugang zu fließendem Wasser noch zu funktionierenden Heizungen.
Besonders dramatisch ist die Lage in den typischen sowjetischen Hochhaussiedlungen. „In betonierten, unbeheizten Schächten taut das Eis nur sehr langsam“, so Kolasa. Viele Wasserleitungen seien so tief gefroren, dass eine Instandsetzung erst im Sommer möglich sein wird. In den Wohnungen herrschen Temperaturen von oft nur sechs bis sieben Grad – eine lebensbedrohliche Situation für alleinstehende Ältere, Menschen mit Behinderungen und Familien mit Kleinkindern.
Langfristige Folgen für Bildung und Wirtschaft
Die Energiekrise trifft auch die nächste Generation hart. Da weder Präsenzunterricht noch Online-Learning möglich sind, ist die Bildung für Hunderttausende Kinder unterbrochen. Zudem steht das öffentliche Leben weitgehend still: Banken, Fabriken und Geschäfte können nur noch sporadisch oder gar nicht mehr arbeiten, was die wirtschaftliche Existenzgrundlage der Bevölkerung weiter untergräbt.
Die Kirche als Rettungsanker
Trotz der widrigen Umstände intensiviert die Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche (UGKK) zusammen mit der Caritas ihre Bemühungen. Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk hat die weltweiten Gemeinden zur Solidarität aufgerufen. An acht Standorten in und um Kyiv werden täglich 1.600 warme Mahlzeiten ausgegeben. Da viele Menschen ihre Wohnungen im 15. oder 20. Stock ohne Aufzug nicht mehr verlassen können, bringen Priester und Freiwillige Nahrung, Kleidung und Medizin direkt an die Wohnungstüren.
Zudem wurden fünf beheizte Zelte als Wärmestuben errichtet. Die Patriarchalkathedrale in Kyiv dient mittlerweile als Notunterkunft rund um die Uhr. „Zahlreiche Menschen kommen, um sich aufzuwärmen oder wichtige Geräte aufzuladen, und einige bleiben über Nacht“, berichtete Kolasa.
Aufruf zur Spende in Österreich
Kardinal Schönborn hofft, dass die Solidarität in den österreichischen Pfarren und Diözesen anhält. Die Hilfsaktionen werden zentral über das Ostkirchenordinariat koordiniert.
Spendenhinweis für die Ukraine-Hilfe:
- Kontoinhaber: Ordinariat für die Gläubigen der katholischen Ostkirchen
- IBAN: AT78 1919 0001 3602 6950
- Zahlungsreferenz: 3722401205 Ukraine Hilfe
(kap - mg)
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